Archiv der Kategorie: Über Katzen

Ferdinando Galiani (1728-1787)

»Schöne Frau, meine Mutter ist tot, meine Schwestern sind Nonnen, meine Nichten sind dumme Gänse; meine einzige Gesellschaft ist eine Katze.« Diese Briefzeilen schrieb der Neapolitaner Fernandino Galiani am 20. April 1771 an Madame d’Epinay, seine engste Freundin und Vertraute in Paris. Der heute kaum noch bekannte Schriftsteller, Ökonom und Diplomat galt als einer der geistreichsten Menschen seines Jahrhunderts und stand in ständigem persönlichen oder schriftlichen Austausch mit der intellektuellen, politischen, wirtschaftlichen und religiösen Elite seiner Zeit. Wie kommt es, dass er ausgerechent eine Katze als seine »einzige Gesellschaft« bezeichnete, mit der er sich, wie wir noch sehen werden, oft und stundenlang unterhielt?

Fernandino Galiani

Ferdinando Galiani

Im Alter von 22 Jahren veröffentlichte der aus einer der einflussreichsten neaploitanischen Familien stammende Galiani anonym sein wirtschaftstheoretisches Hauptwerk Della Moneta – Libri Cinque (Über das Geld – Fünf Bücher), auf das sich ein Jahrhundert später sogar Karl Marx bezog. Nachdem Galianis Autorschaft kurz nach der Veröffentlichung bekannt wurde, überhäufte man den jungen Autor mit Ehrungen und Pfründen – selbst Papst Benedikt XIV. empfing ihn in Rom. 1759 wurde Galiani als Sekretär der Gesandschaft Königreichs Neapel nach Paris entsandt. Dort avancierte er schnell zum liebsten Gesprächspartner in den Salons, in denen kluge Frauen und die Enzyklopädisten um Paul Thiry d’Holbach, Melchior Grimm, Denis Diderot und d’Alembert verkehrte. »Durch sein enzyklopädisches Wissen, seine Klugheit und seinen blendenden Witz eroberte Galiani die Salons im Sturm«, schrieb Wolfgang Hörner 2009 in seinem Vorwort zu der von ihm herausgegebenen Auswahl von Galianis Werken und Briefen. 1769 wurde der parkettsichere Diplomat Opfer einer politischen Intrige, musste Paris umgehend verlassen und nach Neapel zurück kehren. Doch nicht etwa als persona non grata – Im Gegenteil. Die Rückkehr in seine Heimatstadt geriet zu einem Triumphzug. Er wurde befördert und erhielt fortan ein doppeltes Salär. Doch obwohl Neapel zu dieser Zeit die drittgrößte Metropole Europas war, konnte Galiani den Abzug aus Paris nicht ertragen. Er fühlte sich in eine Provinz verbannt.

Im März 1772 übermittelte er seiner Pariser Freundin diese Nachricht: »Um mich zu zerstreuen, ziehe ich zwei Katzen auf und studiere ihr Betragen. Ich sage Ihnen, das ist eine ganz neue Wissenschaft und ein ganz neues Studium. Seit Jahrhunderten zieht man Katzen auf, und trotzdem finde ich niemanden, der sie richtig studiert hätte. Ich habe Männchen und Weibchen … und habe ihre Ehe aufmerksam verfolgt. Würden Sie es glauben? In den Monaten ihrer Liebe haben sie niemals miaut; das Miauen ist also nicht die Liebesprache der Katzen, sondern sie rufen damit nur die Abwesenden. Eine andere sichere Entdeckung: die Sprache des Katers ist ganz verschieden von der Katze … Außerdem bin ich sicher, dass es mehr als zwanzig verschiedene Lautwandlungen in der Katzensprache gibt. Ihre Sprache ist wirklich eine Sprache; denn sie bedienen sich immer desselben Lautes, um dieselbe Sache auszudrücken. Ich würde kein Ende finden, wollte ich Ihnen alle meine Beobachtungen mitteilen; aber Sie sehen an diesem Pröbchen, dass ich bald als der Historiogriph von Neapel sein werde.« [Mit dem Begriff Historiogriph spielt Galiani auf den französischen Historiographen François Auguste Paradis Moncrif (1687-1770) an, den seine Zeitgenossen ironisch Historiogriph (von griffe = Kralle) nannten, weil er 1727 das erste Buch veröffentlichte, das einzig und allein die Hauskatze behandelt hat.]

Galiani legte keinen großen Wert auf das gesellschaftliche und intellektuelle Leben in seiner Heimatstadt. Er schrieb und empfing lieber Briefe. Noch lieber spielte und unterhielt er sich mit seinen Katzen. Im September 1772, nach dem Tod eines Freundes der Madame d’Epinay, schrieb Galiani ihr, » … dass trotz Ihrem Kummer und Unglück Ihr Leben in Paris weniger abgeschmackt ist als meins in Neapel, wo nichts mich fesselt außer zwei Katzen, die ich bei mir habe; als gestern eine von diesen durch die Schuld meiner Leute sich verlaufen hatte, geriet ich in Wut und entließ mein ganzes Gesinde. Zum Glück wurde der Kater heute morgen wieder gefunden, sonst hätte ich mich vor Verzweiflung aufgehängt.« Diesen Stromer erwähnte Galiani auch in einem Brief vom 2. Januar 1773 an Madame d’Epinay: »Schöne Frau, vorige Woche hatte ich viel Ärger und Sorgen, um Ihnen schreiben zu können; diese Woche habe ich ebensoviele, abgesehen davon, dass ich meinen Kater wieder bekommen habe, der verschwunden war, indem er hinter Straßenkatzen hergelaufen war.«

Wie ernsthaft sich Galiani mit seinen Katzen beschäftigte kann man daran ablesen, dass er, der die Geschichte der Katzen von Moncrif kannte, sich selbst längere Zeit mit zwei Buchprojekten befasste, aus denen dann leider nichts wurde. Fast genau ein Jahr nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt, am 22. Dezember 1770, berichtete er der Pariser Freundin davon: »Ich habe ein Buch im Kopf, das meine Einbildungskraft in hohem Maße befeuert; ich möchte es schreiben, aber meine Armkraft reicht nicht aus. Es wird heißen: Moralische und politische Belehrungen einer K<tze an ihre Jungen. Aus dem Kätzischen ins Französische übersetzt von Herrn Kratzerisch, Dolmetscher der Katzensprache an der königlichen Bibliothek. Da ich hier keine andere Gesellschaft habe als die meiner Katze, so träume ich immerzu von diesem Werk, das recht originell werden wird.« Es kann gut sein, dass der deutsche Schriftsteller E.T.A. Hoffmann (1776-1822) die Briefe Galianis kannte, denn sie sind 1818 in einer zweibändigen Ausgabe in Paris veröffentlicht worden. Obwohl Hoffmann durch seinen eigenen Kater zu seinem Hauptwerk Die Lebensansichten des Katers Murr inspiriert worden war, könnte ihm auch der Plan Galianis einen Anstoß dazu gegeben haben. Von einem zweiten Buchprojekt berichtete Galiani in einem Brief von 30. Mai 1772 Madame de Belsunce, der Tochter seiner Pariser Freundin: »Was mich in der öffetnlichen Achtung wiederherstellen könnte wäre die Geschichte der Katzen, an der ich jetzt arbeite.« Leider ist auch dieser Plan nicht umgesetzt worden – jedenfalls sind (bisher) keine Manuskipte oder Teile davon aufgetaucht.

Jean-Jaques Bachelier (1724-1806), Angorakatze, um 1761, Privatbesitz

Jean-Jaques Bachelier (1724-1806), Angorakatze, um 1761, Privatbesitz

Bei aller Liebe zu seinen beiden Hauskatzen träumte Galiani davon, eines Tages Angorakatzen sein eigen nennen zu können. »Kommt der Baron Gleichen hierher, wie man sagte? Sprechen Sie mit ihm von mir. Sagen Sie ihm, er solle mir schöne Angorakatzen mitbringen. Ich verpflichte mich, zu beweisen, dass die freie Ausfuhr von Angorakatzen noch nötiger und vorteilhafter ist als die des Getreides«, schrieb Galiani am 31. März 1770 an Madame d’Epinay. Angorakatzen nannte man in seiner Zeit langhaarige Katzen aus der Türkei oder Persien. Sie wurden auch als Französische Katzen bezeichnet und waren sehr teuer und nur in höchsten Adelskreisen verbreitet. Das Gemälde Angorakatze von Jean-Jaques Bachelier zeigt sehr detailreich die damalige Erscheinung der Angorakatze, deren Rasse heute als Perser bezeichnet wird. Im Unterschied zu den heutigen Zuchten dieser Rasse besaß die Angorakatze noch ein längliches Maul. Auch waren ihre Haare nicht so lang und dicht wie die heutigen Züchtungen. Gut vier Jahre musste Galiani warten, bis sich sein Traum erfüllte. Am 14. Mai 1774 konnte er Madame d’Epinay folgendes berichten: »Ich bin endlich in den Besitz einer Angorakatze gelangt; sie ist gestern aus Marsaille eingetroffen. Wenn sie am Leben bleibt und mir nicht gestohlen wird, habe ich drei Freunde in Neapel (denn ich habe schon zwei Katzen) … « Und ein gutes Jahr später bekam seine Angorakatze Gesellschaft, wie Galiani am 29. Juli 1775 an Madame d’Epinay schrieb: »Gestern habe ich aus Marseille eine Angorakatze für meinen Angorakater erhalten; wünschen Sie mir Glück dazu, denn ich bin auf dem Gipffel der Wonne. Es wird in Neapel eine Angorarasse geben, und die geistreichen Leute werden zum mindesten wissen, mit wem sie den Abend verbringen sollen … « Offenbar hatte niemand sonst in Neapel eine Angorakatze und Galiani machte sich Hoffnungen auf eine neue Katzendynastie in der Stadt.

Von Nachkommen dieser beiden Katzen ist zwar nichts bekannt geworden, doch Galianis Freude an den schönen Tieren blieb ungetrübt. Er lernte von ihnen sogar die Katzensprache, wie er in einem Brief an Madame de Belsunce vom 11. Mai 1776 berichten konnte: » … Sie war mein Lehrer in der Katzensprache gewesen, und obgleich ich sie nicht sprechen konnte, weil die Aussprache schwieriger war als die englische, verstand ich sie doch so ziemlich.« Mit dem Erlernen der Katzensprache ist der Neapolitaner nicht allein geblieben. Der französische Komponist Maurice Ravel (1875-1937) lebte in seinem Haus am Wald von Rambouillet mit einer großen Familie siamesischer Katzen zusammen, die sich von allen anderen Katzenrassen durch ihre eindringlichen Stimmen und ihre besonders ausgeprägte Erzählfreude unterscheiden. Ravel war mit den Stimmen seiner Katzen sehr vertraut, er hörte ihnen gern zu und sprach häufig mit ihnen. »Er war überzeugt davon«, schrieb die amerikanische Journalistin Helga Dudman, »daß er die Katzensprache verstand und die Katzen wiederum seine Antworten begriffen. Diese Überzeugung äußerte er häufig in Briefen an Freunde, in denen er diese auch über die Launen und Streiche der Katzen auf dem laufenden hielt. Auch der deutsche Schriftsteller Ernst Jünger (1895-1998) hat oft über die Kommunikation mit seinen Katzen nachgedacht – allerdings mit einem anderen Ergebnis: »Ich bemühe mich, zu erraten, was es [das Kätzchen Amanda] gerade denkt. Wozu eigentlich? Wir beide kennen den Text – was sollen die Übersetzungen? Die Sympathie reicht tiefer als jeder Gedanke hinab.« An einer anderen Stelle faßte er diesen Gedanken noch radikaler: »Unser Verhältnis ist perfekt. Es dürfte nichts fehlen und nichts (etwa, daß sie sprechen könnten) hinzukommen.«

Doch lange währte Galianis Freude an der Angorakatze nicht. In einem Brief an Madame de Belsunce vom 18. Juli 1777 zeigte er sich untröstlich über den Tod der Katze: »Das größte Unglück, das mir begegnen konnte und das mein Herz am tiefsten fühlt, wurde mir eben gemeldet, als ich Ihren Brief öffnete. Meine Anorakatze war von einer Terrasse in den Hof hinabgestürzt und tot auf dem Platze geblieben. Dieser Schlag ist ein Blitzschlag für mich. Ohne Spaß und ohne Übertreibung! Alle Dinge sind mir nach diesem Verlust gleichgültig geworden … Verlangen Sie von mir keinen längeren Brief. Kann man schreiben, wenn man seine Katze verloren hat?« Ein Jahr später gestand er seiner anderen Pariser Freundin am 13. Juni 1778 dieses: »Es ist nicht der Tod [meiner Katze], der mich bekümmert, darüber bin ich zur Vernunft gekommen. Ich sehe ein, dass er eine ganz natürliche Sache ist, und dass ich und wir alle ihn als solche nehmen sollten. Aber es ist die Todesart, die plötzliche und unvorhergesehene Art meines Verlustes, die mich untröstlich macht. Mit einem Wort: Wenn ich sie für zwei Stunden ins Leben zurückrufen könnte, wenn ich mit ihr sprechen, die Ursache ihrer Verzweiflung und Gedanken und letzten Willensäußerungen erfahren könnte, und wenn sie endlich wieder einschliefe, ich glaube, ich wäre zufrieden und getröstet, wie wenn es sich um eine Abreise handelte … Aber sie hat mich so plötzlich verlassen, dass ich wahrhaftig nicht weiß, ob sie sich selbst herabgestürzt hat, oder ob man sie heimtückischerweise herabgestürzt hat, und diese letztere Besorgnis, diese Ungewissheit sind das Schrecklichste von allem.« Fast 200 Jahre später hat ein anderer Autor den Tod seiner Angorakatze ebenfalls in einem Brief mitgeteilt. Taki, die Katze von Raymond Chandler, starb am 14. Dezember 1950. Am 10. Januar 1951 beantwortete Chandler die Weihnachtsgrüße seines Freundes James Sandoe kurz so: »Dank für Ihren Brief und die Weihnachtskarte. Ich habe in diesem Jahr nichts verschickt. Wir waren ein bißchen mitgenommen vom Tod unserer schwarzen Angorakatze. Wenn ich sage, ein bißchen mitgenommen, dann ist das konventionelle Distanz. In Wirklichkeit war es eine Tragödie für uns.«

Wer alle Äußerungen Galianis über seine Katzen lesen und dabei einen der klügsten, scharfsinnigsten und gleichzeitig witzigsten Autoren des 18. Jahrhunderts kennenlernen möchte, dem sei dringend dieses Buch empfohlen, das von seinem Verleger Wolfgang Hörner herausgegeben wurde, dem ich sehr dankbar bin, dass er mich auf einen der größten Katzenfreunde dieser Zeit aufmerksam gemacht hat.

Galiani

Und hier, last but not least, ein Foto von Wolfgang Hörner – mit Kater Gustav.

Hörnerkater

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Schiffskatzen

»Vielleicht wird einmal noch das Hohelied eines seltsamen, geheimnisvollen Tiervolkes gesungen, das Lied von den Schiffskatzen.« (Gustav Schenk, 1905-1969) JA, es wird, hier ist es:

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Dies ist, in aller Bescheidenheit, ein einzigartiges Buch. Die weltweit erste chronologisch und systematisch erzählte Geschichte der Schiffskatze, die vor etwa 3.000 Jahren auf der Bildfläche erschien. Auf den Schiffen der Phönizier hat sich die in Ägypten domestizierte Hauskatze im gesamten Mittelmerraum verbreitet, bevor sie später auf interkontinentalen Seefahrten die gesamte Erde kolonisierte.

Ohne Katzen sähe die Weltkarte heute anders aus;  ohne sie wären die großen See-Expeditionen und Entdeckungsfahrten kaum möglich gewesen: Auf den wochenlangen Fahrten über den Atlantik waren die Schiffskatzen lebenswichtige Begleiter, denn sie schützten die Lebensmittelvorräte vor Ratten und Mäusen. Noch bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein war deshalb ihre Anwesenheit auf Handels- und Kriegsschiffen, Expeditionen und Passagierfahrten selbstverständlich. Eine französische Versicherung forderte sogar die Anwesenheit einer Katze an Bord des Schiffs, andernfalls ging der Versicherungsschutz verloren. Die Tradition, eine Katze mit an Bord zu nehmen, wird bis heute vielerorts beibehalten.
Dieses Buch hat die Geschichte der Schiffskatzen rekonstruiert und erzählt von ihrem Leben an Bord, von wagemutigen Landgängen, abenteuerlichen Expeditionsreisen und riskanten Rettungsaktionen über Bord gegangener Schiffskatzen. Es erscheint Mitte Juli im Insel Verlag als Taschenbuch mit etwa 170 Seiten und knapp zehn Abbildungen zum Preis von ca. € 8,-

Doch heute wird erst einmal das Eintreffen der Satzfahnen mit einem Festessen gefeiert, diese Zutaten werden gleich verarbeitet:

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Und so sehen meine Korrekturen der Satzfahnen aus – sie halten sich in Grenzen:

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Abschied von Maumau

Jeder Katzenfreund hat das wohl schon erlebt: Wenn die Katze stirbt, schnürt einem die Trauer das Herz zusammen. Sophie Westarp hat ein animiertes E-Book publiziert, das sich diesem Thema voller Gefühl, aber ohne falsches Pathos nähert. Ein Kinderbuch, das Erwachsene gleichermaßen anspricht und berührt. Mit einfühlsamen Texten, die gemeinsam mit den Bildern helfen wollen, die Trauerarbeit zu bewältigen. Ein schönes Buch zu einem sehr, sehr traurigen Anlass.

Erhältlich ist Abschied von Maumau bespielsweise hier: http://www.abschiedvonmaumau.de/

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Katze als Türöffner

Ich habe selbst schon erlebt, wie mein längst verstorbener schwarzer Kater Shano einmal eine Tür öffnete. (Und auf diesem Blog darüber schon berichtet: http://bit.ly/19a1r4a) Aber diese Katze ist einfach genial: Einen runden Türverschluss zu öffnen, das schlägt alles, was ich bisher gesehen habe:

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Dorofej, der Kater von Dmitrij Medwedjew

Dorofej, Foto: RIA Novosti

In den letzten Tagen erhielt die Welt Kenntnis von Dorofej, dem Kater des russischen Staatsoberhauptes Dmitrij Medwedjew. Dorofej ist eine männliche Neva Masquarade– eine bisher nicht als eigenständige Rasse anerkannte, in Petersburg gezüchtete Variante der sibirischen Katze. Ihren Namen verdankt sie neben dem Newa-Fluss ihrer maskenhaften Zeichnung im Gesicht. Dorofej soll also Anfang dieser Woche aus seinem Zuhause, derPräsidentenresidenz Gorki bei Moskau, ausgebüchst und fieberhaft von der Polizei gesucht worden sein. Am vergangenen Mittwoch gab Medwedjew dann via Twitter Entwarnung: »Aus Dorofejs Umfeld verlautete, dass er nirgendwohin verschwand. Aber danke für die Anteilnahme!« Inzwischen ist Dorofej längst zu einem Star auf Twitter avanciert. Dabei hagelte es politische Anzüglichkeiten. So vermutete ein Twitterer, Dorofej hatte wohl demonstrieren wollen, was Unabhängigkeit sei. Der Kater, der aus einem Petersburger Tierheim stammt, wo Swetlana Medwedewa ihn 2004 als zwei Monate altes Kätzchen adoptierte, war schon 2008 in die Schlagzeilen geraten, als er sich mit dem Kater von Michail Gorbatschow um eine Katze balgte und unterlag.

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Zappa, der Kater aus dem Zwiebelfisch

Der Zwiebelfisch ist seit Jahrzehnten weit über Berlin hinaus bekannt. Die 1967, also in den Jahren der Studentenunruhen gegründete und mit Plakaten und Originalwerken berühmter Künstler vollgehängte Kneipe am Savignyplatz ist seit eh und je ein Treffpunkt der (West-)Berliner Bohéme und schließt erst in den frühen Morgenstunden.

Im »Zwiebelfisch« am Westberliner Savignyplatz

Eines Tages beschloß Kater Zappa die Kneipe zu wechseln. Das ist nun schon acht Jahre her. Davor verkehrte er in einer gegenüberliegenden Gaststätte, wo es ihm wohl nicht mehr gefiel. Denn seitdem ist er der treueste Stammgast im Zwiebelfisch, in dem oft kein Sitzplatz freibleibt. In diesen Stunden, so auch gestern Abend, liegt der Geräuschpegel im roten Bereich, was Kater Zappa aber nicht zu stören scheint. Er sitzt dann oft auf einem hohen Podest an der Wand (siehe Foto) und schaut sich gelassen das muntere Treiben um ihn herum an oder läßt sich geduldig fotografieren.

Zappa, der Kater aus dem »Zwiebelfisch«

Wie man sieht, versteht es Kater Zappa, sich sehr fotogen in Szene zu setzen. Er läßt sich auch gern ein wenig streicheln. Bei Hunger oder Durst findet er seine entsprechende Versorgungsstation direkt neben dem Tresen. Wenn die letzten Gäste den Zwiebelfisch verlassen haben, ist auch seine Schlafenszeit angebrochen, die er in der Kneipe verbringt. Tagsüber begibt sich Zappa in der näheren Umgebung auf Inspektionstour. Längere Aufenthalte sind regelmäßig in einem Einrichtungsgeschäft und einer Apotheke eingeplant. Doch wenn im Zwiebelfisch der Trubel beginnt, findet sich Zappa wieder in der Kneipe ein. Man könnte ja was verpassen! Zehn Jahre ist Zappa inzwischen alt. Dem längst legendären Stammgast seien hiermit noch viele lange Nächte im Zwiebelfisch am Savignyplatz gewünscht!

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Kater erbt 12 Millionen Euro

Diesmal in Rom. Tommasio heißt nach zahlreichen Medienberichten der schwarze Kater, ein ehemaliger Streuner, der sich nun über eine Millionenerbschaft freuen kann. Der Spiegel hat sich die Mühe gemacht, diese Geschichte gründlich zu recherchieren und herausgefunden, dass die kürzlich verstorbene Witwe eines Bauunternehmers tatsächlich ihrem Kater ein Millionenvermögen an Bargeld und Immobilien vermacht hat. Den Kater hatte sie vor etwa vier Jahren in einem Müllcontainer eines römischen Parks als hilfloses Junges gefunden und zu Hause aufgepäppelt.

Geschichten wie diese gehen immer wieder um die Welt, und man wundert sich, wie viele reiche Tiere es gibt. Da sind zum Beispiel auch die fünfundzwanzig Katzen des Ende Januar 2000 in Lugano verstorbenen O.W. Fischer. Nach einer Meldung im Hamburger Abendblatt vom 4. Februar 2004 hat der Schauspieler ihnen stolze zwölf Millionen Euro vermacht. Bei anderen Tieren ging es um noch viel mehr Geld. In Kapstadt beispielsweise lebt Kalu. Sie zählt zu den reichsten Geschöpfen unseres Planeten und besitzt ein Immobilienvermögen von über sechzig Millionen Euro. Kalu ist eine Schimpansin. Doch auch diese unglaubliche Summe wurde noch getoppt – das reichste Tier der Welt treffen wir auf den Bahamas an: Gunther iv. ist ein Schäferhund. Als seine Besitzerin, die deutsche Gräfin Karlotta Liebenstein, 1992 auf den Bahamas verstarb, hinterließ sie dessen Vater (also Gunther iii.) nach Berichten zahlreicher Medien sagenhafte fünfundsechzig Millionen Dollar. Diese Nachricht ging allerdings erst durch die Weltpresse, als die Erbverwalter des Schäferhundes im Sommer 2000 für 7,5 Millionen Dollar ein nicht unbedeutendes Anwesen erwarben. »Madonnas Luxusvilla wird die nobelste Hundehütte der Welt« titelte die Welt belustigt. Der offizielle Käufer der Villa, die Gunther Corporation, verwaltete zu diesem Zeitpunkt bereits ein Gesamtvermögen von über zweihundert Millionen Dollar. Gunther iv. – so sein Pressesprecher – würde bei seinen Aufenthalten in Miami im früheren Schlafzimmer der Pop-Diva residieren.

Diese und ähnliche Meldungen vermitteln auf den ersten Blick den Eindruck, als würde den Tieren das Geld tatsächlich gehören – was blanker Unsinn ist. Selbst im land der unbegrenzten möglichkeiten können Tiere nicht als Erben eingesetzt werden. Das gilt erst recht für Deutschland. Zwar hat eine Reform des Bürgerlichen Gesetzbuches in unserem Land 1990 die Rechtsstellung der Tiere, also auch der Haustiere, in einem Punkt entscheidend verbessert, aber das hatte keine Änderung des bis dato geltenden Erbrechts zur Folge. Doch der Reihe nach. Schon immer galt im Deutschen Recht die Auffassung des alten römischen Rechts, wonach Tiere den Sachen zugerechnet werden. Erst 1990 wurde im Bürgerlichen Gesetzbuch der § 90a eingeführt. Darin heißt es juristisch knapp: »Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.« Zwar werden Tiere seitdem nicht mehr als Sachen angesehen, aber der Status einer eigenen Rechtsfähigkeit wird ihnen (noch) nicht zugestanden. Und nur Personen oder Organe (Firmen, Vereine, Stiftungen usw.) mit eigener Rechtsfähigkeit können erben. Tiere dagegen gehören zum Vermögen des Verstorbenen und werden nach wie vor an die Erben vererbt. Detaillierte Informationen zum Erbrecht in Bezug auf Haustiere findet Ihr auf diesem Blog hier: Link

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Erbrecht bei Haustieren

Wie in dem Artikel »Katze erbt fast 12 Millionen« (Link) schon angesprochen wurde, herrschen landläufig sehr abenteuerliche Vorstellungen über das Vererben von Vermögen an Katzen und andere Haustiere. Deshalb soll an dieser Stelle einmal ein etwas trockener Artikel zum Thema »Erbrecht« in Bezug auf Tiere für Klarheit über die diesbezüglichen Rechtsverhältnisse in Deutschland sorgen. Denn Tiere können nach deutschem Recht nicht als Erbe eingesetzt werden. Eine entsprechende testamentarische Verfügung macht sogar das ganze Testament unwirksam.

Katzen gelten nach der Reform des § 90a BGB zwar nicht mehr als Sachen, eine eigene Rechtsfähigkeit, die sie zum Erben befähigen würde, ist ihnen allerdings (noch) nicht zuerkannt worden. Vielmehr fallen sie unter das Vermögen des Erblassers und sind damit Nachlaßgegenstände. Um die Versorgung seiner Katze über den eigenen Tod hinaus trotzdem abzusichern, gibt es mehrere Wege, die ein Katzenhalter beschreiten kann. Zum einen kann der Erblasser eine natürliche oder juristische Person als Erben einsetzen und diese durch eine Auflage (§ 1940 BGB) verpflichten, eine artgerechte Versorgung des Tieres zu gewährleisten und diese aus dem Nachlaß zu finanzieren. Ebenso kann er einen Erben unter der Bedingung (§ 2075 BGB) einsetzen, die Katze zu versorgen. Hierbei steht der Erbe unter einem größeren Druck, denn wenn er diese Bedingung nicht erfüllt, verliert er das gesamte Erbe. Zur Kontrolle der artgerechten Versorgung und Pflege der Katze kann der Erblasser eine Privatperson seines Vertrauens bestimmen, aber auch einen vom Amtsgericht bestellten Testamentsvollstrecker oder einen Tierschutzverein. Da diese Art der Überwachung in der Praxis nur eine unzureichende Lösung darstellt, ist es wichtig, daß der Erbe mit der Übernahme der Katze grundsätzlich einverstanden ist und eine tiergerechte Pflege gewährleistet werden kann.

Wer seine Katze einer bestimmten Person zukommen lassen will, ohne diese zum Erben zu machen, kann dies in Form eines Vermächtnisses (§ 1939 BGB) tun. Per Vermächtnis kann angeordnet werden, daß die Erben demjenigen, der die Katze weiterversorgt, eine bestimmte Geldsumme ausbezahlen müssen, ebenso kann auch ein Tierschutzverein mit der Versorgung der Katze beauftragt und mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Ein Vermächtnis hat den wesentlichen Vorteil, daß der Begünstigte nicht die manchmal notwendige und zeitraubende Einigung einer Erbengemeinschaft über die Aufteilung des Erbes abwarten muß, er kann sein Vermächtnis sofort einfordern. Der Erblasser kann aber auch bereits zu Lebzeiten mit der Person seines Vertrauens einen Schenkungsvertrag schließen.

Hat der Erblasser ein größeres Vermögen, das er seiner Katze und darüber hinaus dem Tierschutz zur Verfügung stellen will, besteht die Möglichkeit, durch sein Testament eine Stiftung von Todes wegen (§ 83 BGB) zu gründen, deren Zweck die lebenslange Versorgung der Katze ist. Da für die Anerkennung einer rechtsfähigen Stiftung eine Mindestkapitalausstattung notwendig ist, sollte neben der Versorgung der Katze noch ein weiterer Zweck, z. B. die Förderung des Tierschutzes, in die Zweckbestimmung der Stiftung aufgenommen werden. Nach den Vorschriften des Stiftungsrechts darf das Stiftungsvermögen zu keinem anderen Zweck als dem der unveränderlichen Stiftungssatzung eingesetzt werden.

Grundsätzlich ist jedem Tierhalter anzuraten, sich Gedanken über den Verbleib seines Tieres oder seiner Tiere zu machen. Denn wenn im Todesfall kein Testament bzw. kein offenkundiger Erbe vorhanden ist, wird das Tier zunächst in das örtliche Tierheim gebracht. Dort verbleibt es, bis die Erbfolge geklärt ist.

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Zum Jahreswechsel

Und hier am letzten Tag eines ereignisreichen Jahres die mit fast 60 Millionen Klicks auf YouTube wohl berühmteste Katze im Netz 2011: Die Hyan Cat.

Wer mehr über die Herkunft, Ikonographie und Wirkungsgeschichte dieser Katze erfahren möchte, sei auf den einschlägigen Wikipedia-Artikel verwiesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Nyan_Cat

Kater Paul wünscht allen Freunden ein ereignisreiches, gesundes, kreatives und glückliches Neues Jahr!

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2012

Manche Ereignisse des kommenden Jahres sollte man vermutlich so wie diese Katze von Sonja Blattner betrachten, sich also nicht auf den Augenschein verlassen, sondern andere Sinne aktivieren. Katzen verfügen ja bekanntlich über ein noch relativ unerforschtes Arsenal von Orientierungs- und Erkenntniswahrnehmungen, von denen Menschen nur träumen können.

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