Archiv der Kategorie: KunstKatzen

Zwei Frauen malen »Katzen und ihre Frauen«: Helen Allingham und Berthe Morisot

Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts entstanden zwei wunderschöne, dabei sehr unterschiedliche Gemälde zum Thema Katzen und Frauen. Beide gemalt von Künstlerinnen, die sich damals hoher Wertschätzung erfreuen durften: Helen Allingham und Berthe Morisot.

Helen Allingham (1848-1926) | Das Treppenhaus | um 1890

Helen Allingham (1848-1926) | Das Treppenhaus | um 1890

Helen Allingham mochte Katzen offenbar sehr gern, jedenfalls hat sie viele Bilder gemalt, auf denen Katzen zu sehen sind. Meistens stellen ihre Gemälde ländliche Idyllen dar, romantisierte Cottages oder Tischszenen, oft zusammen mit Frauen und Kindern. Ihr Aquarell Das Treppenhaus hat eine andere Anmutung: Fast sachlich ist die vielleicht nur flüchtige Begegnung zwischen einer Katze und einer Frau auf der imposanten Treppe eines herrschaftlichen Hauses dargestellt. Beide schauen sich an. Sie verharren. Die Katze sitzt, und die Frau hat ihre linke Hand auf das Treppengeländer gelegt. Wie ist das Verhältnis der beiden zueinander? Wir wissen es nicht, doch vielleicht wollte Helen Allingham genau diese Spannung erzeugen.

Berthe Morisot (1841-1895) | Junges Mädchen mit Katze | 1892

Berthe Morisot (1841-1895) | Junges Mädchen mit Katze | 1892

Berthe Morisot gehörte zum engsten Kreis der Impressionisten in Frankreich, nahm 1874 an der ersten Impressionisten-Ausstellung teil und auch an vielen folgenden. Sie heiratete 1877 Eugène Manet, den Bruder Édouard Manets, mit dem sie freundschaftlich eng verbunden war. Pierre-Auguste Renoir malte 1887 ihre Tochter Julie Manet mit einer Katze im Arm. Wie viele Impressionisten nahm sich auch Berthe Morisot des Motivs Frau und Katze an. Hier  schaut ihr junges Mädchen den Betrachter direkt an, konzentriert sich nicht so mütterlich beglückt auf die Katze, wie bei vielen inpressionistischen Bildern. Ihr Gesichtsausdruck wirkt eher nachdenklich. Das geheime Einverständnis zwischen ihr und ihrer Katze bedarf keiner besondern Betonung, es ist einfach vorhanden.

Mein neues Buch Katzen und ihre Frauen – Bilder einer besonderen Freundschaft unternimmt einen Streifzug durch die Geschichte der europäischen Malerei vom vierzehnten Jahrhundert bis in die Gegenwart. In ihm werden 50 Gemälde vorgestellt, die alle Zeiten überdauert haben, aber auch Künstlerinnen und Künstler, die längst in Vergessenheit geraten sind. Weitere Informationen zu dem Buch, das Mitte Juli erscheint, gibt es hier: http://bit.ly/20KEWLj

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Katzen und ihre Frauen – Porno und Selfie

Was wir heute nicht einmal als schlüpfrig empfinden galt im achtzehnten Jahrhundert als pornographisch – wie diese Toilettenszene des französischen Malers Francois Boucher. Das Wort Toilette leitet sich übrigens aus dem französischen toile (Tuch) ab und ist ab dem sechzehnten Jahrhundert als Bezeichnung für ein kleines, auf einem Tisch ausgebreitetes Tuch gebräuchlich, auf dem man Waschzeug und Gegenstände der Haar- und Körperpflege abstellte. Später fand es für das Kämmen und die Garderobe einer Dame Verwendung. Toilettenszenen zeigen also Momente der Verwandlung von der privaten in die öffentliche Person.

Die Rokoko-Dame auf dem Gemälde mit ihrem Schönheitsfleck an der rechten Schläfe befestigt gerade ihren Seidenstrumpf mit einem roséfarbenen Band und gibt dabei den Blick weit über ihr Knie hinaus frei. Sie sitzt mit weit gespreizten Beinen auf einem Stuhl. Auf dem Boden zwischen ihren Beinen liegt ein rotbrauner Kater mit aufgeregt peitschendem Schwanz und grazil ausgestrecktem Hinterlauf. Er spielt nachlässig mit einem Wollknäuel. Eine Freundin oder Schwester, in jedem Fall eine Gleichrangige, lenkt den Blick der Hausdame mit neckischer Geste auf einen Hut. Vielleicht ist die gezeigte Kopfbedeckung ihr Vorschlag für die Einladung zu einem erotischen Plaisir, zu dem der geoffnete Brief auf dem Kaminsims einladen könnte.

Francois Boucher (1703-1770) | Die Morgentoilette | Öl auf Leinwand | 1742

Francois Boucher (1703-1770) | Die Morgentoilette | Öl auf Leinwand | 1742

Bei der Betrachtung des Gemäldes von Giavanni Reder drängt sich der Eindruck auf, der Kater Armellino hätte den italienischen Maler selbst beauftragt – so herrlich selbstbewusst ist er in dem Portrait seiner selbst (also: Selfie) dargestellt. Doch das Bild wurde von der römischen Dichterin Alessandra Forteguerra in Auftrag gegeben.

Giovanni Reder (1693- nach 1764) | Bildnis des Katers Armellino | Öl auf Leinwand | um 1750

Giovanni Reder (1693- nach 1764) | Bildnis des Katers Armellino | Öl auf Leinwand | um 1750

Weder von der Dichterin noch von dem Maler ist heute viel bekannt. Ihren nachhaltigen Ruhm verdanken die beiden vor allem diesem Gemälde, das als erstes Katzenportrait der europäischen Kunstgeschichte gilt. Ganz ohne Zweifel einmalig wird dieses Gemälde durch ein Sonett, das Alessandra Forteguerra bei dem Priester und Dichter Sperandio Bertazzi in Auftrag gegeben hatte und in das Gemälde einfügen ließ. Es trägt den Titel Sonett anlässlich eines Kusses, den eine schöne und hochgestellte Dame einem Kater gab. So frivol wie sein Titel beginnt auch das Sonett: »Dieser liebenswerte Kater, eingemeißelt in die Leinwand, | kostete den liebevollen Kuss der schönen Göttin. | Und seitdem nach der Natur ein Portrait von ihm gefertigt wurde, | bewacht man ihn gut und sehr eifersüchtig.« Die Liebe der Dichterin zu ihrem Kater muss wirklich sehr groß gewesen sein, denn Bertazzi schließt das Sonett mit den Zeilen: »Und wisse, dass Amor es nur mir gestattet, | innig zu küssen und den gegebenen | liebevollen Kuss aufzunehmen, um die Leidenschaft zu vertiefen.« Man kann wohl annehmen, dass sich nach der Fertigstellung des Gemäldes einige Eifersuchtsszenen im Haus der Dichterin zugetragen haben.

Mein neues Buch Katzen und ihre Frauen – Bilder einer besonderen Freundschaft unternimmt einen Streifzug durch die Geschichte der europäischen Malerei vom vierzehnten Jahrhundert bis in die Gegenwart. In ihm werden 50 Gemälde vorgestellt, die alle Zeiten überdauert haben, aber auch Künstlerinnen und Künstler, die längst in Vergessenheit geraten sind. Weitere Informationen zu dem Buch, das Mitte Juli erscheint, gibt es hier: http://bit.ly/20KEWLj

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Katzen und ihre Frauen – Die Geburt einer besonderen Freundschaft

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In der Ruinensiedlung Deir el Medina, nur einen guten Kilometer südlich vom Tal der Könige entfernt im Wüstensand gelegen, befindet sich das ursprünglich prächtig ausgestattete Grabmal des ägyptischen Bildhauers Ipuy und seiner Frau Dua-meres. Die Wandmalereien in seinem Innern aus dem Jahr 1275 v. Chr. sind inzwischen stark verwittert, aber der britische Ägyptologe Norman de Garis Davies hat in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Auftrag der Ägypten-Expedition des Metropolitan Museum of Art detailgenaue Kopien aller Fresken angefertigt. Auf einem Bild sehen wir sitzend Ipuy, hinter ihm seine Frau. Rechts sind deren Kinder dargestellt, die zu Ehren ihrer Eltern Opfergaben darbringen. Im Zentrum des Fresko ist ziemlich klein ein Kätzchen auf dem Schoß des Bildhauers zu erkennen. Verspielt greift es mit einer Tatze nach seinem Gewand. Die Mutterkatze unter dem Stuhl ist der Frau zugeordnet. Frau und Katze bilden eine Einheit. Die Katze schaut den Betrachter als einzige Bildfigur direkt an und zieht deshalb unsere Aufmerksamkeit auf sich. Als wäre sie ihrer Sonderstellung bewusst, ist ihr Schwanz nervös aufgerichtet. Das Fresko Ipuy und seine Frau ist eines der frühesten Bilder der Kunst zum Thema Frauen und Katzen. Unzählige sollten im Lauf der nächsten drei Jahrtausende folgen.

Das Thema Katzen und Frauen in der europäischen Malerei

In der europäischen Kunstgeschichte beginnt die Darstellung der Beziehung zwischen Frauen und Katzen im vierzehnten Jahrhundert mit Gemälden sakralen Inhalts. Aber schon kurz darauf, zu Beginn der Hochrenaissance um 1500, entstehen erste Gemälde, auf denen Katzen als Individuen, als Freundin und Begleiterin der Frau und mit ihr in trauter Zweisamkeit gemalt werden. Wenig später dominieren Bilder, die Frauen und Katzen in alltäglichen Situationen zeigen, also in der Küche, am Esstisch und auf dem Hof. Erst in der Blütezeit des Barock, ab etwa 1750, kehren die Malerinnen und Maler wieder zurück zur Darstellung der innigen persönlichen Beziehung zwischen Frauen und Katzen. Es entstehen viele Doppelportraits. In der impressionistischen Malerei und dem wenig später einsetzenden Stil des Expressionismus erlebt das Motivpaar Frau und Katze seine Hochzeit. Nahezu alle bedeutenden Malerinnen und Maler dieser beiden Kunstepochen haben mindestens ein Bild zu diesem Thema hinterlassen. Dies gilt auch für die Jahrzehnte bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Weltbrand erlischt die Begeisterung der Künstlerinnen und Künstler für das Thema Frau und Katze spürbar. Die Kunstgeschichte der vergangenen siebzig Jahre kann nicht annähernd so viele Gemälde zu diesem Motivpaar verzeichnen wie in dem vorangegangenen Jahrhundert – obwohl gerade in der jüngeren Zeit einige Meister- und Hauptwerke zu diesem Thema entstanden sind.

Mein neues Buch unternimmt einen Streifzug durch die Geschichte der europäischen Malerei vom vierzehnten Jahrhundert bis in die Gegenwart. In ihm werden 50 Gemälde vorgestellt, die alle Zeiten überdauert haben, aber auch Künstlerinnen und Künstler, die längst in Vergessenheit geraten sind.

Weitere Informationen zu »Katzen und ihre Frauen – Bilder einer besonderen Freundschaft« gibt es hier: http://bit.ly/20KEWLj

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Katzen und ihre Besitzer

Zu ihrem konzeptionellen Fotografieprojekt »Katzen und ihre Besitzer« kam die Fotografin Sandra Ratkovic durch ein »unfreiwilliges« Selbstporträt mit Katze. Bei dessen Anfertigung sprang ihre Katze einfach frech ins Bild. Das so entstandene Selbstporträt mit Katze war der Ausgangspunkt einer konzeptionellen Porträtserie von Katzen und ihren Menschen. Sandra Ratkovic fragte bekannte und fremde Katzenbesitzer, auf die sie aufmerksam wurde, ob sie Teil der Porträtserie werden wollten. Die Resonanz war durchweg positiv.

Die hier abgebildeten Porträts zeigen den Schauspieler Sebastian, den Goldschmied und Galeristen Ichiro und die Grafikerin Sibylle mit ihren Katzen. Aufgenommen wurden die Bilder bei Hausbesuchen. Die Bilder wurden nach strengen formalen Regeln aufgenommen.

Im Gegensatz zu den häufig gesehenen und oft kitschig anmutenden Tier-Mensch-Porträts zeigt die Fotografin nur einen engen Ausschnitt, verzichtet bewusst auf die Ablichtung der menschlichen Gesichter.

Es geht vielmehr um die Beziehung zwischen den Katzen und »ihren« Menschen, die Berührungspunkte und die Verbindung. Gezeigt durch vertraute Gesten, inniges Miteinander oder eine vertraute Bewegung im Vorbeihuschen.

Die Bilder wurden bereits in der imago Fotokunst Galerie in Berlin-Mitte ausgestellt. Wer mehr über Sandra Ratkovic erfahren möchte: http://www.sandra-ratkovic.com

Ichiro

Sebastian

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Sibylle

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Die Sieger des Kater-Paul-Katzenfotowettbewerbs stehen fest!

Der vierte Fotowettbewerb von Kater Paul stand unter dem Motto »Tablet, Toaster, Traktor & Co. – Katzen und Technik«. In der Jury saßen Jim Baker, Detlef Bluhm, Christiane Gass, Annika Joscht, Kilian Kissling, Ruth Klinkenberg und Diana Marossek. Nach einer spannenden, sich bis in den späten Abend hinziehenden Jurysitzung, stand das Ergebnis fest. Der 1. Preis geht an Lothar Hensel für sein beeindruckendes Traktorbild:

(c) Lothar Hensel

(c) Lothar Hensel

Über den 2. Preis für die Mieze auf dem Staubsauger darf sich Sandra Ilgaz freuen:

(c) Sandra Ilgaz

(c) Sandra Ilgaz

Den 3. Preis vergab die Jury an Wilfried Keßeler für die nachdenkliche Katze an der Tastatur:

(c) Wilfried Keßeler

(c) Wilfried Keßeler

Schließlich vergab die Jury noch einen Sonderpreis, der an Viola Bürke für die Katze am Geschirrspüler ging:

(c) Viola Bürke

(c) Viola Bürke

Allen Siegerinnen und Siegern herzlichen Glückwunsch und allen Einsendern ein freudiges Dankeschön!

PS: Einige Tage nach nach dieser Bekanntmachung werden alle Wettbewerbseinsendungen von diesem Blog gelöscht.

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Katzen und Frauen in der Malerei (3)

Das erste Katzenportrait der Kunstgeschichte

Giovanni Reder (1693 – nach 1764) Bildnis des Katers Armellino | um 1750 | Öl auf Leinwand

Giovanni Reder (1693 – nach 1764) Bildnis des Katers Armellino | um 1750 | Öl auf Leinwand

Das Bild stammt zwar von einem Mann, es gehört dennoch in die Reihe dieser Bilder, wie Ihr gleich lesen könnt. Giovanni Reder portraitierte auf diesem Gemälde Armellino, den Kater der römischen Dichterin Alessandra Forteguerra, die das Bild in Auftrag gegeben hatte. Es handelt sich um die früheste bildliche Katzendarstellung auf der eine Katze portraitiert, also als Individuum um ihrer selbst willen gemalt worden ist. Das Sonett rechts neben dem Kater hat der Priester und Dichter Sperandio Bertazzi verfasst und überschrieben mit dem Titel Sonett anlässlich eines Kusses, den eine schöne und hochgestellte Dame einem Kater gab. So frivol wie sein Titel beginnt auch das Sonett: »Dieser liebenswerte Kater, eingemeißelt in die Leinwand, | kostete den liebevollen Kuß der schönen Göttin. | Und seitdem nach der Natur ein Porträt von ihm gefertigt wurde, | bewacht man ihn gut und sehr eifersüchtig.« Die Liebe der Dichterin zu ihrem Kater muss wirklich sehr groß gewesen sein, denn Bertazzi schließt das Sonett mit den Zeilen: »Und wisse, dass Amor es nur mir gestattet, | innig zu küssen und den gegebenen | liebevollen Kuss aufzunehmen, um die Leidenschaft zu vertiefen.« Vermutlich waren Giovanni Reder und Bertazzi schlichtweg eifersüchtig auf den Kater.

Eine impressionistische Katze

Berthe Morisot (1841 – 1895) Junges Mädchen mit Katze | 1892 | Öl auf Leinwand

Berthe Morisot (1841 – 1895) Junges Mädchen mit Katze | 1892 | Öl auf Leinwand

Berthe Morisot zählt zu den bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit. In wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen erhielt sie, wie damals üblich, Privatunterricht in den verschiedenen Künsten. Als 1860 der schon berühmte Camille Corot als Privatlehrer engagiert wurde, warnte er die Mutter, dass sein Unterricht ihre Tochter zu einer Malerin machen würde, und nicht zu einer unbedeutenden, talentierten Amateurin. Er sollte Recht behalten. Berthe Morisot entwickelte einen eigenen impressionistischen Malstil, und ihre Bilder wurden auf vielen Ausstellungen mit großem Erfolg gezeigt. Durch ihre freundschaftliche und künstlerisch befruchtende Beziehung zu Éduard Manet lernte sie dessen Bruder Eugène kennen, den sie 1877 heiratete. 1887 malte Renoir ihre Tochter Julie mit einer Katze auf dem Schoß.

Junge Mädchen mit Katzen waren zwar ein beliebtes Bildmotiv jener Zeit. Das kaum erkennbare Lächeln des Mädchens und die schmalen, aufmerksamen Augen der Katze verleihen dem Bild von Berthe Morisot in Verbindung mit dem auffällig pastosen Farbauftrag aber eine sehr eigene, besondere Atmosphäre, die von einem stillen Einverständnis zwischen dem Mädchen und der Katze geprägt ist.

Tilla Durieux und ihre Perserkatzen

Anonym | Tilla Durieux mit ihren Perserkatzen | um 1924 | Originalpostkarte

Anonym | Tilla Durieux mit ihren Perserkatzen | um 1924 | Originalpostkarte

Die Theaterschauspielerin Tilla Durieux war in den zwanziger Jahren der Star schlechthin. »Auf dem Sezessionsfest im Februar teilte sich die Menge in zwei Flittergitter, als sie den Saal betrat« schrieb Else Lasker-Schüler 1913 in ihrem Buch Gesichte. »Aber als es Mitternacht war, tanzte sie, auf einer Perle des Sekts rollend, mit leuchtenden Augen im bunten Spiel der Masken.« Die Durieux wurde gemalt von Renoir und Liebermann, Kokoschka und Corinth, Slevogt und Orlik, Barlach schuf eine Plastik, die Berliner Bohéme lag ihr zu Füßen. Die rare Privataufnahme um 1924 zeigt Tilla Durieux mit ihren beiden Perserkatzen, die sie abgöttisch liebte.

Wenn man sich diese Perser genau anschaut fällt übrigens auf, dass die Kopfform beider Tiere der einer normalen Hauskatze sehr ähneln. Heutige Perserkatzen haben wesentlich kleinere Ohren, eine drastisch kürzere, hochgezogene Nase, ihre Kopfform ist breiter und runder, die Wangen sind voller, der Nacken massiger. Ganz abgesehen vom Haarkleid. Das ist bei den heutigen Persern so lang, dass es die Katze allein kaum noch pflegen kann. Diese Veränderung der Art ist das Ergebnis einer Züchtung durch den Menschen hin auf ein fragwürdiges Schönheitsideal, das erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Katze mit sich bringt.

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Katzen und Frauen in der Malerei (2)

Heute erscheint der zweite Teil meiner österlichen Betrachtungen zum Thema Katzen und Frauen in der Malerei. Morgen erscheint dann Teil 3. Wenn Euch schöne Bilder zu diesem Thema einfallen, gebt mir einfach als Kommentar eine Nachricht. Vielen Dank im voraus!

Vorsicht vor der Katze!

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Judith Leyster (1609-1660)
Lachendes Kinderpaar mit Katze | 1629 | Öl auf Leinwand

Judith Leyster zählt zu den bedeutendsten Vertretern der holländischen Genremalerei des siebzehnten Jahrhunderts und war damals (so wie heute wieder) berühmter als ihr Mann, der Maler Jan Miense Molenaer. Vor ihrer Hochzeit im Jahr 1636 unterhielt sie ein eigenes Atelier und hatte mehrere Schüler. In dieser Zeit entstanden auch die meisten ihrer Bilder. Nach ihrem Tod geriet sie in Vergessenheit, bis 1893 im Louvre auf einem Bild ihre Signatur unter der falschen von Frans Hals entdeckt wurde.

Spielende Kinder mit Katzen gehören zu den typischen Motiven dieser Zeit. (Ihr Mann hat ein sehr ähnliches Bild gemalt.) Bei dem Gemälde von Judith Leyster fällt der Gegensatz zwischen der überbordenden Fröhlichkeit der Kinder und der vorsichtig abwartenden Haltung der Katze auf, die vermutlich unversehens in die Höhe gehoben wurde und in diesem Moment nicht recht weiß, wie ihr geschieht. Bildszenen dieser Art transportieren oft moralisierende Botschaften. Vorsicht, nicht übertreiben, scheint das Bild zu sagen. Der kleinen Katze könnte das Spiel schnell zu viel werden. Dann kann sich die Samtpfote unversehens in scharfe Krallen verwandeln. Wie bei einem anderen Bild von Jan Miense Molenaer, auf dem sich die Katze umdreht und einem mit ihr spielenden Jungen die Brust blutig kratzt.

Eine schwarze Katze als Wiedergängerin

Cecilia Beaux (1855-1942) Sita und Sarita | 1896 | Öl auf Leinwand

Cecilia Beaux (1855-1942) Sita und Sarita | 1896 | Öl auf Leinwand

Glücklicherweise blieb das malerische Talent von Cecilia Beaux nicht unentdeckt und wurde von ihrer Tante gefördert. Nach einem langen Studienaufenthalt in Europa lebte Cecilia Beaux ab 1900 in New York, wo sie als Porträtmalerin der Elite aus Wirtschaft, Kultur und Politik zu hohem Ansehen und beträchtlichem Wohlstand gelangte. Ihre dortigen Ausstellungen zählten zu den gesellschaftlichen Höhepunkten des New Yorker Kulturlebens.

Auf ihrem Bild Sita und Sarita sehen wir Sarah A. Lewitt, Sarita genannt, eine Verwandte der Künstlerin mit ihrer Katze Sita. Während die grüngrauen Augen der weißgekleideten Frau abwesend in die Ferne schweifen starrt die schwarze Katze den Bildbetrachter mit ihrer goldbraunen Iris direkt an. Saritas streichelnde Hand verweist auf die innige Beziehung zu ihrer Katze. Die Darstellung der Katze, deren Körperform im dunklen Bildhintergrund fast vollständig verschwindet, erinnert sehr an Éduard Manets Gemälde Olympia aus dem Jahr 1863. Auch auf diesem Bild sehen wir  eine schwarze Katze vor dunklem Hintergrund, die den Bildbetrachter mir ihren goldbraunen Augen direkt anschaut. Die Körperhaltung der beiden Katzen ist nahezu identisch. Wir wissen leider nichts Genaues über diese Duplizität, die schon aufgrund des Aufsehen erregenden Skandals, den Manet mit seiner nackten Olympia ausgelöst hatte, kaum zufällig sein dürfte.

Patricia Highsmith und ihre Siamkatzen

Patricia Highsmith (1921-1995) Sammy by Sammy | 1967 | Kohle auf Papier | © by Diogenes Verlag, Zürich

Patricia Highsmith (1921-1995) Sammy by Sammy | 1967 | Kohle auf Papier | © by Diogenes Verlag

Neben ihrem umfangreichen Romanwerk schrieb die amerikanische Autorin einige Gedichte und Erzählungen über Katzen. Die Katzenzuneigung der berühmten Schriftstellerin ist legendär. Der Zürcher Weltwoche vertraute sie in einem Interview am 21. April 1976 folgendes an: »Wenn ich in einer Straße eine hungernde Katze und ein hungerndes Kind anträfe, ich würde, wäre ich unbeobachtet, die Katze füttern.« Eine andere Interviewpartnerin empfing sie mit den Worten: »Ich habe gerade für meine Katzen Hasenbraten in Rahmsauce zubereitet. Das ist zweifellos ein Luxus – auf jeden Fall viel Arbeit für mich, aber ich mache das nur einmal in der Woche.« Ihre langjährige Lebensgefährtin Marijane Meaker überlieferte in einem Erinnerungsbuch dieses Erlebnis: »Als Kennedy seine berühmte Maxime verkündete: ›Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt‹, ging Pat in die Küche und fütterte die Katzen.« Das Verhältnis von Schriftstellern zu Katzen beschrieb Patricia Highsmith 1981 so: »Katzen geben Schriftstellern etwas, was Menschen ihnen nicht geben können: Sie leisten einem unaufdringlich Gesellschaft, stellen keine Forderungen und sind so friedlich und schillernd, wie eine ruhige, kaum bewegte See.« Patricia Highsmith lebte meistens mit Siamkatzen  zusammen, die sie immer wieder zeichnete.

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Katzen und Frauen in der Malerei (1)

Frau und Katze – eine innige Beziehung

Marguerite Gérard (1761 – 1837) Das Frühstück der Katze | 1814 | Öl auf Leinwand

Marguerite Gérard (1761 – 1837) Das Frühstück der Katze | 1814 | Öl auf Leinwand

Obwohl die französische Malerin Marguerite Gérard ein umfangreiches Werk hinterlassen hat und zu den bedeutendsten Vertreterinnen des Klassizismus gerechnet wird, ist sie heute fast nur noch Kunstwissenschaftlern bekannt. Dabei thematisiert ihr Gemälde Das Frühstück der Katze die Innigkeit der Beziehung zwischen Frau und Katze so anschaulich wie kaum ein anderes Bild der abendländischen Malerei. Und dabei spielt – was für eine brillante Idee! – der Hund in der Bildmitte dramaturgisch die entscheidende Rolle. Die damals in Frankreich sehr seltene und deshalb auch extrem teure Perserkatze hockt auf ihrem luxuriösen Schlafplatz und erhält ihr Frühstück in Form einer Milchmahlzeit »ans Bett« gebracht. Zum Füttern der Katze begibt sich die Herrin des Hauses in eine sehr unbequeme Hockstellung. Ihrem Gesicht sieht man aber an, dass sie diesen Dienst an der Katze freudig versieht. Weder Frau noch Katze nehmen Notiz von dem Hund, der mit verständnislosem Neid der Fütterung beiwohnt. Seine unbeachtete Anwesenheit verstärkt das Bild der innigen Vertrautheit zwischen Frau und Katze.

Die Katze der Autodidaktin

Suzanne Valadon (1867 – 1938) Louison und Raminou | 1920 | Öl auf Leinwand

Suzanne Valadon (1867 – 1938) Louison und Raminou | 1920 | Öl auf Leinwand

Suzanne Valadon, Tochter einer Wäscherin, wuchs auf dem Montmartre auf und versuchte sich bis zu ihrem Absturz vom Trapez als Akrobatin in einem Wanderzirkus. Bald darauf wurde sie Starmodell und Geliebte von Renoir, Toulouse-Lautrec und anderen Malern, sowie gefeierter Mittelpunkt der Bohème mit zahllosen Affären. Suzanne Valadon hat nie eine Kunstakademie von innen gesehen. Sie lernte, indem sie ihren Geliebten über die Schulter sah und zählt mit fast fünfhundert Gemälden und zahlreichen Zeichnungen und Drucken zu den bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit. Auf dem Ölbild sehen wir mit Raminou eine der berühmtesten unter ihrem eigenen Namen bekannt gewordenen Katzen der modernen Malerei. Auf mindestens fünf weiteren Ölgemälden taucht Suzanne Valadons rotgetigerte Hauskatze auf. Und immer steht sie im Zentrum der Bildaussage. Auch auf unserem  Bild lassen Louisons Haltung und Gesichtsausdruck keinen Zweifel daran, wer hier im Mittelpunkt steht.

Cat Woman

Wanda Wulz (1903-1984) Ich + Katze | 1932 | Fotografie | © by Alinari Archives, Museum of Photography, Florence.

Wanda Wulz (1903-1984) Ich + Katze | 1932 | Fotografie | © by Alinari Archives, Museum of Photography, Florence.

Wanda Wulz wurde in Triest geboren. Ihre Familie betrieb dort seit 1860 ein Foto-Studio, das sich in den zwanziger Jahren zum Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde entwickelte. Wanda Wulz war außergewöhnlich vielseitig interessiert. Neben der Fotografie erlernte sie das Fliegen, außerdem trat sie als One-Woman Jazz Band auf. Aus einem Foto ihres Katers Pippo und ihrem Selbstportrait entstand durch eine Doppelbelichtung des Bildpositivs (bei der das Negativ der Katze seitenverkehrt verwendet wurde) Ich + Katze. Kein anderes Bild der Kunstgeschichte hat die Symbiose von Katze und Frau so konsequent zu Ende gedacht wie die Fotografie von Wanda Wulz. Und hier sind die beiden Fotografien, aus denen die Doppelbelichtung entstand:

Self-Portrait | 1932 | © by Alinari Archiv, Museum of Photography, Florence.

Self-Portrait | 1932 | © by Alinari Archiv, Museum of Photography, Florence.

The Cat Without Me | 1932 | © by Alinari Archiv, Museum of Photography, Florence.

The Cat Without Me | 1932 | © by Alinari Archiv, Museum of Photography, Florence.

Zum Thema Katzen und Frauen habe ich unlängst eine Anthologie im Insel Verlag herausgegeben (Insel Taschenbuch,  173 Seiten, € 8,-). Das Buch versammelt 25 Texte von Frauen über Katzen aus zwei Jahrhunderten und sei hier noch einmal wämstens empfohlen!

Katzen+Frauen

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Zum Tod von Hans Werner Henze

Der deutsche Komponist Hans Werner Henze (geboren am 1. Juli 1926) ist heute im Alter von 86 Jahren in Dresden gestorben.

Hans Werner Henze, 1960. Rechteinhaber: Bundesarchiv, B 145 Bild-F008277-0008 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Für das Buch Staats- und Familienleben der Thiere des französischen Zeichners und Karikaturisten Grandville hatte Honoré de Balzac 1842 eine Erzählung geschrieben, Die Herzensqualen einer englischen Katze. Im November 1977 sah Hans Werner Henze eine dramatische Fassung dieser Geschichte und entdeckte darin einen Opernstoff. Sechs Jahre später wurde Die englische Katze uraufgeführt. Über seine Arbeit an der Oper hat Henze ein Tagebuch geführt, das 1983 unter dem Titel Wie die englische Katze entstand veröffentlicht wurde. Darin verliert der Komponist zwar kein Wort über eigene Katzen, aber er notierte nach der Lektüre des Librettos von Edward Bond: »Von mir verlangt es ein offenherziges, volkstümliches Komponieren, aber nicht nur das, sondern auch die Widerspiegelung meiner eigenen katzenhaften Welt.« Drei Wochen nach dieser Eintragung, am 30. Juni 1979, schreibt Henze: »Ich denke, ich werde die geschlossenen Nummern in einem recht einfachen Stil komponieren und mit einer Art traditioneller Harmonie versehen, während Handlungs-Musik und Prosa in der mysteriösen Tonwelt der Katzen (die ich recht gut kenne) angesiedelt sein könnten.« Und dann erinnerte er sich bei dieser Gelegenheit daran, daß er »seinerzeit in der Oberschule zu Bünde i.W. von den Klassenkameraden ›Cat‹ gerufen wurde«. Mehr Hinweise zur Katze enthält das Tagebuch nicht, aber allein die selbstdiagnostizierte gute Kenntnis der »mysteriösen Tonwelt der Katzen« läßt auf eine große Vertrautheit des Komponisten mit Katzen schließen.

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Das Katzenpult der Olivetaner

© Copyright Photoservice Electa/Leemage

Dies ist das Chorpult in der Klosterkriche der Abtei Monte Oliveto Maggiore, die in der Toskana südlich von Siena liegt. Der den Benediktinern nahestehende Mönchsorden der Olivetaner existiert seit 1319, und die heute noch von Mönchen bewohnte Abtei Monte Oliveto Maggiore ist das Mutterhaus des Ordens.

Der Olivetanermönch Raffaele da Brescia (1479-1539) schuf dieses Chorpult im Jahr 1507. Das ist insofern erstaunlich, da nicht viele Jahre zuvor Papst Innozenz VIII. in seiner Bulle Summis desiderantes affectibus Katzen zu heidnischen Tieren erklärt hat, die mit dem Teufel im Bunde stehen. Die sogenannte Hexenbulle ebnete dann auch den Weg zur Hexenverfolgung im Mittelalter, aber auch zur Verfolgung und Verbrennung vieler Katzen, die damals als Hexentiere galten. Erstaunlich also, dass diese wunderbare Intarsienarbeit just zu dieser Zeit in einem italienischen Kloster entstand – und doch wieder nicht.

© Copyright Photoservice Electa/Leemage

Denn Katzen wurden in den Klöstern ganz anders bewertet (und behandelt) als in der offiziellen Kirche. Kein Wunder, sie schützten ja auch die Ernteerträge der Klöster vor den Ratten und Mäusen. Vom Beginn des christlichen Mönchtums bis heute haben Katzen in den Klöstern gelebt. Im Mutterhaus der Olivetaner leben heute noch die entfernten Nachkommen dieser Intarsien-Katze aus dem frühen 16. Jahrhundert.

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