Archiv der Kategorie: Filmkatzen

Cat_Calendar (5) vom 8. Februar 2013: James Dean

Heute wird an den 82. Geburtstag von James Dean (8.2.1931 – 30.9.1955) erinnert, dessen Leben von einem kleinen Siamkater völlig umgekrempelt wurde. Ein ausführlicher Artikel in drei Teilen über James Dean und seinen Kater Marcus ist hier zu finden:

https://katerpaul.wordpress.com/2012/01/14/james-dean-und-sein-siamkater-marcus-13/

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Der vermutlich früheste Film mit einer Katze aus dem Jahr 1903

George Albert Smith (1864-1959) begeisterte sich 1896 nach einem Besuch von Filmvoführungen der Gebrüder Lumière so sehr über das neue Medium, dass er noch im gleichen Jahr eine Filmkamera erwarb und mit dem Drehen eigener Filme begann. Er entwickelte sich schnell zu einem der bedeutendsten britischen Filmpioniere. Smith gilt als einer der Erfinder des szenischen Filmschnitts und trug wesentlich dazu bei, den unsichtbaren Schnitt als wichtigste Montagetechnik des Films zu begründen und zu entwickeln.

um 1900, Quelle: http://www.victorian-cinema.net/gasmith.htm, Rechtsinhaber unbekannt

 

Bereits 1901 drehte er den Kurzfilm The Little Doctor und The Sick Kitten. Zwei Jahre später entstand ein Remake von ihm unter dem Titel Sick Kitten, der die Handlung des ersten Films stark verkürzte. Hier der knapp einminütige Film in voller Länge:

In einem etwas größeren Format ist auf YouTube ein Ausschnitt dieses Films zu sehen:

Meines Wissens hat es vorher keinen Film gegeben, in dem eine Katze eine Rolle spielte. Ich danke an dieser Stelle herzlich dem Kunstwissenschaftler Heinz-Werner Lawo, der mich auf George Albert Smith und Sick Kitten aufmerksam gemacht hat.

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James Dean und sein Siamkater Marcus (3/3)

Beulah Roth ist beileibe nicht die einzige, die sich über die starke Zuneigung von James Dean zu seinem Kater Marcus geäußert hat. Wesentlich früher als sie, schon ein Jahr nach James Deans Tod, erzählte William Bast, einer seiner besten Freunde, die Geschichte dieser ungewöhnlichen und unerwarteten Zuneigung in seinem Erinnerungsbuch James Dean. A Biography so: »In den darauffolgenden Wochen schenkte er Marcus sein ganzes Herz. Er kümmerte sich viel um sein Wohlergehen und eilte in den Mittagsstunden aus dem Aufnahmeatelier heim, um das Tierchen zu füttern und bei ihm zu sein. Abends ging er nie aus, ohne zuerst für Marcus zu sorgen. Er kam jetzt sogar früher nach Hause, um seinen kleinen Freund nicht zu lange allein zu lassen. Und so brachte ein schieläugiges, gelbbraunes Fellknäuel das erstaunliche Wunder zustande, den unberechenbaren James Dean zu zähmen.«

Die Umstellung seines Lebens machte James Dean allerdings nicht nur Freude. Beulah Roth erinnert sich an ein Gespräch mit ihm, in dem er sich darüber beklagt, daß das Zusammenleben mit Marcus ihm viel abverlangt:

»Die einzige Klage, die ich von ihm hörte, bezog sich darauf, daß er jetzt immer so früh aufstehen mußte.«

›Weißt Du, ich liebe es auszuschlafen‹, sprach er mich an.

›Dann schlafe doch aus‹, antwortete ich. ›Du kannst es Dir ja erlauben.‹

›Wie soll ich das mit Marcus machen?‹ insistierte er. ›Weißt Du, manchmal frage ich mich, ob er es wert ist. Er weckt mich jeden Morgen in der Frühe. Hättest Du mir nur nicht zu ihm geraten.‹

›Du kannst ihn jederzeit weggeben‹ sagte ich prüfend.

›Ihn weggeben?‹ sagte Jimmy.

›Ja‹, antwortete ich. ›Ich kenne jemanden, der sehnt sich nach einen kleinen Siamkater. Sehr verantwortungsbewußte Menschen. Gib ihn in ein gutes Heim.‹

›Bist Du nicht mehr richtig im Kopf?‹

›Das ist es nicht, Jimmy. Ich versuche nur, einen Ausweg für Dich zu finden.‹

›Das klingt aber nicht so.‹

›Ich denke ja nur, wenn Du Marcus wirklich loswerden willst … ‹

›Ihn weggeben?‹ Seine Stimme bebte. ›Lieber würde ich sterben. Ich liebe ihn mehr als alles auf der Welt.‹

»Ich denke, das war einfach die Wahrheit. In seiner schrecklichen Einsamkeit war der einzige Freund, den er wirklich hatte, ein kleiner Siamkater.«

James Deans Einsamkeit, die alle spürten, die ihn näher kannten, war auch Nicholas Ray nicht verborgen geblieben. Die Zuneigung, die James Dean zu Marcus entwickelt hatte, muß den Regisseur von Denn sie wissen nicht, was sie tun stark beeindruckt haben. Um eine Charakterisierung von James Dean gebeten, verglich er ihn mit dem Wesen einer Katze: »Manchmal zieht sie sich vollkommen zurück, die Welt scheint ihr zu mächtig zu sein und sie wird unruhig, verdrossen und unnahbar. Dann gibt es wiederum Tage, an denen sie um Sympathie und Aufmerksamkeit geradezu bettelt. Es ist eine Kreatur, die nie ganz domestiziert wurde und immer noch atavistische Erinnerungen an ein freies und leichteres Leben hat. Mit der Welt, in der sie leben muß, kommt sie nicht wirklich zu Rande, sie will sie manchmal ganz verlassen, kommt jedoch zurück, weil es eine andere Welt nicht gibt.«

Am 29. September 1955 – es ist ein Donnerstag und die Dreharbeiten zu Giganten sind seit einer Woche beendet – bringt James Dean Marcus zu einer Freundin. Janette Miller hat sich bereit erklärt, Marcus das Wochenende über zu versorgen. Am nächsten Tag will Dean nach Salinas fahren, um dort mit seinem neuen Porsche an einem Autorennen teilzunehmen. Janette freut sich auf Marcus, denn sie liebt Katzen. Bevor sich James Dean von Janette und Marcus verabschiedet, schreibt er noch eine Anweisung zur Fütterung des Katers auf die Rückseite eines gebrauchten Briefumschlages:

1 Teelöffel weißes Karo-Sirup

1 große Büchse Kondensmilch

Die gleiche Menge abgekochtes oder destilliertes Wasser

1 Eidotter

verrühren und kühlen

Füttere ihn nicht mit Fleisch oder Tiefgekühltem

Ein Tropfen Vitaminlösung jeden Tag

Bringe Marcus in der nächsten Woche zu Dr. Cooper in der Melrose zum Impfen.

Keine 24 Stunden nachdem er Marcus zum Abschied gestreichelt hatte, ist James Dean tot, gestorben an einem Genickbruch, den er bei einem von ihm nicht verschuldeten Autounfall mit seinem Rennwagen auf dem Weg nach Salinas erleidet. Über den Verbleib von Marcus gibt es keine gesicherten Nachrichten.

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James Dean und sein Siamkater Marcus (2/3)

Wie James Dean zu seinem Kater Marcus kam

Die ein Jahr jüngere Liz Talor gehörte zu den wenigen, mit denen sich James Dean während der Dreharbeiten zu seinem dritten Film Giganten anfreundete. Ihr konnte er sich wenigstens ein Stück weit anvertrauen. Er ezählte ihr auch von seiner tiefen Zuneigung zu Louis XIV., dem Siamkater seiner Freunde Beulah und Sanford Roth – und wohl deshalb kam sie eines Tages auf die Idee, sich für ihn nach einem Siamkater umzuschauen. Gegen Ende Juli rief sie ihn am Ende eines Drehtages in ihre Garderobe und überreichte ihm einen kleinen Siamkater als Geschenk. James Dean soll sprachlos vor Glück gewesen sein. Er gab seinem Kater den Namen Marcus.

Obwohl diese Geschichte in fast allen Biographien über James Dean erzählt wird, sind Zweifel an deren Wahrheitsgehalt angesagt. Denn Beulah Roth erzählt in ihrem Erinnerungsbuch The Cosmopolitan Cat die Geschichte, wie James Dean und Marcus zueinander fanden, ganz anders: »Es existierte ein dünner, trennender Vorhang zwischen Jimmy und der Welt. Diesen Vorhang gab es zwischen ihm und Katzen nicht. Wohl deshalb fällte er eines Tages die Entscheidung, daß er auch einen Kater haben wollte – einen, der so ähnlich wie nur möglich wie Louis sein sollte. Er bat mich, ihm bei der Suche nach einem Siamesen zu helfen. Also hockten wir uns über die Anzeigenseiten verschiedener Zeitungen und schließlich fanden wir ein vielversprechendes Angebot aus Venice – Venice in Kalifornien, so ist es gewesen. Jimmy und ich fuhren sofort dorthin und fanden in einem typisch kalifornischen Bungalow eine ältere Dame mit lila Haaren, die mit einem spanischen Kamm hochgesteckt waren. Sie trug ein Batikkleid, und schnell wurden wir mit ihr einig über den Kauf eines der schönsten Siamkätzchen, das man sich nur wünschen kann.«

Sicherlich, die Geschichte mit Liz Taylor ist wesentlich glanzvoller. Die Taylor hatte schon als Kinderstar und romantische Schönheit in Hollywood Karriere gemacht. In Giganten aber sollte sie erstmals die Schauspielpersönlichkeit voll entfalten, die sie zu einem Weltstar werden ließ. James Dean war ebenfalls auf dem Weg zum Olymp. Während der Dreharbeiten zu Giganten verhandelte seine Agentin mit Warner Brothers über einen Vertrag, der zehn Kinofilme umfassen sollte und für jeden Film eine Gage von einhunderttausend Dollar vorsah, ein für diese Zeit fast unvorstellbares Honorar. In Giganten spielte James Dean alle anderen Darsteller an die Wand, auch Rock Hudson, der tobend darauf reagierte. Eine bessere Human Story wie die mit dem Siamkätzchen hätten sich die PR-Verantwortlichen von Warner Brothers nicht ausdenken können. Zwei angehende Weltstars, verbunden durch eine ungetrübte Freundschaft und einen kleinen Siamkater. Trotzdem – glaubwürdiger ist der Bericht von Beulah Roth. Er ist genau beschrieben, detailreich und nachvollziehbar. Und warum sollte Beulah Roth, acht Jahre nach Deans Tod, als die Taylor-Geschichte längst in aller Munde war, eine Unwahrheit erfinden? Vielleicht haben Liz Taylor und James Dean diese PR-trächtige Version ja auch zusammen ausgeheckt? Das würde zumindest James Deans Naturell entsprechen. Wie dem auch sei: James Dean muß seinen Kater abgöttisch geliebt haben. Auch darüber berichtet Beulah Roth: »Anschließend [nach dem Kauf von Marcus] rief Jimmy mich drei oder vier Mal am Tag an, um mich dies und jenes in Bezug auf den kleinen Kater zu fragen. Keine Mutter hat sich je besser um ihr Kind gekümmert, als Jimmy um Marcus. Er gab ihm exakt die richtige Menge Futter, maß ihm die Temperatur, prüfte mit einem Lineal, ob sein Wachstum richtig vonstatten ging, untersuchte die Katzenkiste, um sicher zu sein, daß Marcus keine Würmer hatte und ging mit ihm regelmäßig zum Tierarzt, wo er ihn festhielt, wenn Marcus seine Spritzen bekam. Er richtete ihm ein Bett her, um Marcus schließlich in seinem eigenen schlafen zu lassen. Jimmy liebte Marcus, er sorgte sich um ihn, verwöhnte ihn, kümmerte sich unablässig um das Wohlergehen seines kleinen Kater. Dieser Junge, der jedes Mädchen auf der Welt haben konnte, dem jede Tür offenstand – er gab einem kleinen Siamkater den Vorzug.«

Teil 3 siehe hier: https://katerpaul.wordpress.com/2012/01/16/james-dean-und-sein-siamkater-marcus-33/

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James Dean und sein Siamkater Marcus (1/3)

James Dean und der Siamkater Louis XIV.

Louis XIV., der Kater von Beulah und Sanford Roth. © by Sanford Roth

Anfang der 50er Jahre bereiste der Fotograf Sanford Roth mit seiner Frau Beulah viele Länder Europas, um zahllose Künstler und Wissenschaftler zu porträtieren und mit Aldous Huxley ein Buch über Paris zu schreiben, das 1953 erschien. Dabei wurden sie von ihrem Siamkater Louis XIV. begleitet, der bei allen Foto-Terminen dabei war und oft mit den Künstlern fotografiert wurde. Mitte Juli 1955 wurde Sanford Roth von Warner Brothers als Standfotograf für den Film Giganten verpflichtet. Über seine erste Begegnung mit dem Hauptdarsteller James Dean berichtete er folgendes: »Ich bemerkte einen jungen Mann, der mit einem Lasso spielte. Er sah aus, als ob er sich mit Pferden und Vieh auskannte. Es war Jimmy Dean. Er beobachtete mich, als ich mich ihm näherte.« Nachdem Roth sich vorgestellt hatte, fragte James Dean sofort, ob er der Sanford Roth wäre, der gemeinsam mit Aldous Huxley ein Buch über Paris verfaßt habe. Roth bejahte und James Dean lud sich noch für den gleichen Abend bei dem Ehepaar zum Essen ein. »Eines Tages rief mich mein Mann aus dem Studio der Warner Brothers an«, schrieb Beulah Roth 1963 in ihrem Buch The Cosmopolitan Cat über diesen Tag. »›Hast Du etwas dagegen, wenn ich einen jungen Mann zum Essen mitbringe? Er arbeitet bei den Giganten mit. Was gibt es eigentlich?‹ ›Curry-Huhn mit Chutney. Und wenn es ein junger Mann ist, wird er es nicht mögen. Von wem redest Du überhaupt?‹ ›Jimmy Dean.‹ ›Ich schluckte und beeilte mich, eine Gesichtsmaske aufzulegen.‹«

Sanford und Beulah Roth waren zu diesem Zeitpunkt etwa doppelt so alt wie James Dean, der am 8. Februar 1955 seinen vierundzwanzigsten Gerburtstag gefeiert hatte. Er drehte gerade mit Giganten nach Jenseits von Eden und Denn sie wissen nicht, was sie tun seinen dritten Kinofilm. Denn sie wissen nicht, was sie tun war noch nicht einmal in die Kinos gekommen. Dean sollte die Uraufführung nie erleben. Sie fand am 27. Oktober 1955 statt, genau vier Wochen nach seinem tragischem Unfalltod.

An ihrem ersten gemeinsamen Abend erlebten Sanford und Beulah Roth in ihrer Wohnung in West Hollywood zunächst einen mürrischen, unfreundlich und abwesend wirkenden jungen Mann, der wie ein ungezogenes Kind ständig an dem Essen herummäkelte. »Jemandem, dessen Gaumen an Chilisauce und Hamburger, Pizza und Tacos gewöhnt war, mußte ein Curry-Huhn höchst exotisch erscheinen«, berichtete Beulah Roth. »Er haßte das Curry, die Gewürze, besonders das indische Huhn mit Kokos. ›Kokosnuß und Fleisch?‹ staunte er ungläubig.« Der Abend hätte vermutlich ein katastrophales Ende genommen, wenn nicht plötzlich Louis XIV. aufgetaucht wäre. Der Siamkater hatte das Ehepaar Roth auf seinen langen Reisen rund um den Globus begleitet und ist auf vielen Portraits zu sehen, die Sanford Roth aufgenommen hat. Die Katzenliebhaberinnen Anna Magnani und Colette, Albert Einstein, Jean Cocteau, Marc Chagall, Blaise Cendrars, Georges Braque, Igor Strawinsky, Giorgio de Chirico, Paul Newman und viele andere ließen sich mit Louis XIV. ablichten, später auch James Dean. Nach einer Sitzung mit Pablo Picasso verbreitete sich  die Nachricht, daß Louis XIV. der einzige Kater war, der jemals über Pablo Picassos Palette stolziert war und dem der Maler anschließend eigenhändig die Pfoten gesäubert habe. James Dean, über dessen Beziehung zu Katzen vor seinem ersten Besuch bei Sanford und Beulah Roth nichts bekannt ist, freundete sich sofort mit Louis XIV. an. Beulah Roth hat den Beginn dieser Freundschaft sehr ausführlich und genau beschrieben: »Louis XIV. rettete den Abend, indem er auf den Schoß des Jungen sprang. Jimmy hielt ihn sehr fest. Ich wunderte mich darüber, aber gottseidank rückte Louis nicht aus, sondern schurrte – die beiden wurden augenblicklich Freunde. Von dieser Zeit an war Jimmy ein ständiger Gast, mal geladen, mal nicht, doch stets willkommen. Ich kann nicht sagen, ob er wegen meines Mannes zu uns kam oder meinetwegen. Oder doch, ich kann. Er hatte uns gern, doch seine Liebe galt unserer Katze Louis, und wir gelangten zu dem Schluß, daß er Louis’ Gast war. Louis war ein großzügiger Gastgeber. Er ließ Jimmy auf seinem Thron sitzen. Der Thron war und ist ein venezianischer Stuhl aus dem 18. Jahrhundert, der unter der achtlosen Behandlung durch die Katze arg gelitten hatte. Dort, in unbequemer Stellung, einen gefährlich ächzenden Stuhl unter sich, schlief Jimmy mit Louis auf dem Schoß ein. Sie träumten gemeinsam.«

James Dean und Louis XIV. © by Sanford Roth

An seinem ersten Abend bei Sandfort und Beulah Roth ging James Dean erst um fünf Uhr in der Frühe. Und obwohl Beulah Roth in ihrer gerade zitierten Schilderung ihre eigene Beziehung zu Jimmy zugunsten der des Katers stark unter den Scheffel stellte, zählte auch das Ehepaar Roth schnell zu seinen engsten Freunden. Sie erzählten von ihren Reisen und Begegnungen mit europäischen Künstlern, diskutierten über Kunst und Schauspielerei und planten gemeinsame Reisen nach Europa – gleich nach Beendigung der Dreharbeiten zu Giganten wollten sie losfahren. James Dean spielte bei seinen zahlreichen Besuchen lange mit dem Kater, und in Sanford und Beulah Roth hatte er elterliche Freunde gefunden, trotz ihres wesentlich höheren Alters jugendliche, anregende Geister, die seinen Horizont erheblich erweiterten. Obwohl die Freunde viele Gemeinsamkeiten verband, blieb ein tiefer Graben zwischen ihnen bestehen. Beulah Roth hat ihn so beschrieben: »Allzu oft ist James Dean als Meteor bezeichnet worden, als sonderbare Mischung aus Kind, deutschem Doggenbaby und Poet. Er war all dies und war es wiederum nicht. Wenn er lachte, so lachte er halblaut in sich hinein, als wäre ihm jede Übertreibung peinlich. Von seinem Privatleben wußte ich fast nichts. Er war die verschlossenste Person, die ich je kennengelernt habe. Er besaß scheinbar wenig enge persönliche Kontakte.«

Der Druck der Dreharbeiten, die damit verbundenen Eifersüchteleien und Zerwürfnisse, sein kometenhafter Aufstieg zum Megastar und die laufenden Vertragsverhandlungen, die aus ihm einen der bestbezahlten Schauspieler dieser Zeit machen sollten, förderten James Deans innere Konflikte in einem Umfang zutage wie das sprudelnde Öl in dem Film Giganten. Edna Ferber, Autorin des millionenfach verkauften Bestsellers Giganten, diagnostizierte bei ihm eine »Erfolgsvergiftung«. Bis auf wenige Ausnahmen mied er den persönlichen Kontakt zu den anderen Schauspielern und dem Drehteam, das er durch sein oft unverständliches Verhalten verärgerte. Die fünfzehn Jahre ältere Schauspielerin Mercedes McCambridge, die in Giganten die Rolle der Luz Benedict verkörperte und eine lange Schlüsselszene mit ihm drehte, hatte folgenden Eindruck von James Dean: »Er kam mir vor wie eine Sommerblume im tiefsten Winter. Man konnte die Einsamkeit in ihm praktisch fühlen, und sie überrollte einen wie eine alles verschlingende Woge. Trotzdem war er wie wild darauf, gestreichelt zu werden.«

2. Teil: Wie James Dean zu seinem Kater Marcus kam

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Halle Berry und ihr Kater Play-Doh

Bei den Dreharbeiten zu ihrem Film »Catwomen« war Halle Berry so fasziniert von einem ihrer feliden Filmpartner, dass sie ihn zu sich aufnahm und seitdem mit »Play-doh« zusammenlebt. Wie die New York Post 2005 schrieb, wurde Berry kurz danach in Beverly Hills dabei beobachtet, wie sie für 70 Dollar Anchovis kaufte. Berrys Katze soll verrückt nach dieser spanischen Fischspezialität sein.

Halle Berry und Play-Doh in der Filmszene, in der sie zur Catwomen wird. © by Rex Features

In einem Interview hat Halle Berry gesagt, dass sie vor den Dreharbeiten nie etwas mit Katzen zu tun hatte: »I used to be a dog person. I had dogs my whole life. And in making this movie, I learned to really respect and love cats from the research and work I did with them.« Während sie sich auf ihre Rolle vorbereitete, erlag sie rettungslos dem Kater: »I studied him very much thinking, I’m going to study him and give him back, but I fell so in love in like, one week, that I’m now a cat person. I couldn’t imagine my life without him. I always thought they were majestic and beautiful and sexy and sleek. Mysterious. But I’ve always lived with people who had allergies to cats, so I never could entertain the idea of getting one, because I would have been living alone. And now that I do live alone, it’s a great time to get a cat.«

Halle Berry und Play-Doh. © by Rex Features

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Katzen in neuen Filmen

Auf den Filmfestspielen in Berlin und Oberhausen gab es eine Reihe von Filmen, in denen Katzen eine mehr oder weniger gewichtige Rolle spielen. Hier eine Auswahl:

Une vie de chat heißt ein unbedingt sehenswerter Animationsfilm über eine Katze, die bei der Tochter einer Polizistin wohnt und nachts mit einem Einbrecher auf Raubzug geht. Ob der Film jemals in unsere Kinos kommt ist ungewiß. Dieser Trailer ist einfach toll:

In The Future geht es um die Sinnkrise eines jungen Paares, die aus Ratlosigkeit und innerer Leere beschließen, ein Kätzchen namens Pfötchen zu adoptieren, das die Erzählstimme des Films ist. Sie finden Pfötchen verletzt auf der Straße und bringen die Katze in ein Tierhospital. Dort muss Pfötchen aber nach 30 Tagen abgeholt werden, sonst wird sie eingeschläfert. Die beiden schaffen es in ihrer Selbstbezogenheit natürlich nicht, die Katze abzuholen. Die einzig glaubhafte und sympathische Figur (Alexander Schimmelbusch in der Berliner Morgenpost) des Films muss sterben. Das hier eingestellte Video ist das offizielle Berlinale-Portrait der Regisseurin Miranda July:

In dem koreanischen Film Kommt Regen. kommt Sonnenschein spielt ebenfalls eine Katze eine Rolle in einer Paarkrise.Aber auch diese Katze kann das Paar nicht aus der Sinn- und Ehekrise befreien. Immerhin darf die Katze hier überleben. Was die Kritiker aber nicht daran hinderte, den Film als lähmend zu empfinden.

Eine kleine Schockwelle hat der Film Then I’ll take your cat von Joanna Rytel auf den Oberhausener Kurzfilmtagen ausgelöst. Nach dem Abspann war erst mal Stille. Der in Oberhausen sonst übliche freundliche Applaus wurde vertagt, jeder schaute den Nachbarn verstohlen an: Soll man jetzt lachen? Hörbar ausatmen, schimpfen, doch klatschen? Die FAS stellte diese Fragen ohne eine Antwort geben zu können. Der Film bricht ein Tabu. Man sieht minutenlang, wie ein Mensch und eine Katze Zungenküsse austauschen. Das hier gezeigte kurze Video wird (wie der Film selbst) nicht unumstritten bleiben können und wird manchen schockieren: http://catalogue.nimk.nl/site/?page=%2Fsite%2Fart_play.php%3Fid%3D9812

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Fritz the Cat

Vor fast 40 Jahren kam »Fritz the Cat« in Amerika in die Kinos. Nur ein Grund, um wieder einmal auf diesen Film hinzuweisen.

In den 1960er Jahren entstand mit der amerikanischen Hippie-Bewegung eine neue Art von Comic. Es erschienen Serien für Erwachsene, die sich mit den Themen Vietnamkrieg, Drogen, Rockmusik, Sexualität usw. beschäftigten. Diese im kulturpolitischen Untergrund kursierenden Comics in meist kleinen Auflagen nannten sich zur Abgrenzung vom Mainstream Comix. Anfang 1968 gab Robert Crumb (* 1943) die erste Ausgabe von Zap Comix heraus, dem Zentralorgan der Bewegung. Robert Crumb wurde zur Ikone des Antiestablishments und seine Hauptfigur Fritz the Cat zum Kultstar des Underground. 1972 entstand mit Fritz the Cat der erste Trickfilm, der nur für Erwachsene zugelassen wurde. Selten hat ein Zeichner das Wesen der Katze so ernst genommen und gleichzeitig übersteigert wie Robert Crumb mit Fritz the Cat. Dessen unkontrollierbare Geilheit, seine radikale Ablehnung jeglicher Autorität, die Verachtung aller Konventionen und Verweigerung der Integration in ein bürgerliches Leben sowie das hedonistische Grundprinzip seines Handelns sind zwar völlig überzeichnet, finden sich aber als (heute positiv bewertete) Eigenständigkeit im Wesen der Katze wieder.

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Katzen im Kino

Heute stelle ich Euch in einem längeren Artikel acht DVD’s aus meiner Filmothek vor, in denen wir die Hauptrolle oder wenigstens eine tragende Nebenrolle spielen – als Anregung für einen feliden Fernsehabend. Meistens dienen wir ja im Film nur als dramaturgisches Accessoire, um eine Stimmung zu verdeutlichen oder in spannenden Momenten einen Schreck zu erzeugen; wenn beispielsweise in einem dunklen Flur plötzlich eine fauchende Katze ihren kleinen Auftritt hat. In diesen Filmen ist es anders, ganz anders:

In Harry und Tonto, einen wunderbaren Realfilm, spielt der Kater Tonto wirklich die Hauptrolle. Die Geschichte, die der Film erzählt, ist schnell wiedergegeben. Harry ist Rentner und muß mit seinem rotgestromten Kater Tonto seine New Yorker Wohnung räumen, weil das Mietshaus abgerissen wird. Sein Sohn Burt nimmt ihn in sein kleines Vororthäuschen auf, das er mit seiner Frau und zwei fast erwachsenen Kindern bewohnt. Aber Harry fühlt sich dort nicht wohl. Er besucht nacheinander erst seine Tochter Shirley in Chicago, fährt dann über Boulder in Colorado nach Las Vegas und landet schließlich in Los Angeles, wo er seinen zweiten Sohn Eddi trifft. Ein Road-Movie also, eine Reise quer durch Amerika von der Ost- zur Westküste, die Harry und Tonto gemeinsam unternehmen. Dabei dominiert die Erlebniswelt Katze und Mensch alle anderen Handlungsstränge, ohne jemals in Kitsch zu verfallen. Im Gegenteil: manchmal wird Harry richtig böse auf seinen Kater. Beispielsweise als die beiden im Bus nach Chicago fahren. Irgendwann ist Tontos Katzenkiste naß, und er weigert sich kreischend und fauchend, sein Geschäft auf der Menschentoilette des Busses zu erledigen. Harry muß den Fahrer überreden, in der Nähe einer Kleinstadt kurz anzuhalten, wo Tonto sofort hinter einen weitentfernten Busch rennt und sich weigert, zum Bus zurückzukehren. Also läßt sich Harry schimpfend sein Gepäck herausgeben und den Greyhound weiterfahren. Erst nach dessen Abfahrt kommt Tonto zurück – er mochte die Busfahrt nicht. Harry kauft sich gezwungernermaßen ein Auto, und Tonto nimmt schnurrend und zufrieden auf der Ablage über dem Handschuhfach Platz. Aber es sind vor allem die vielen kleinen Szenen, die das Zusammenleben zwischen Katze und Mensch so unspektakulär veranschaulichen: wie Tonto in seiner Kiste scharrt, Harry ihm nach einem Einkaufsbummel die Leine abnimmt, mit ihm spricht, ihm immer wieder Lieder vorsingt und anschließend fragt, wer der Sänger war, um ihn dann, wenn der Kater miaut, zu loben: »Richtig, Bing Crosby.« Typisch ist auch die Szene, in der sich Tonto un- gerührt und ungehindert auf einem Motelbett Hähnchenteile aus einer Kentucky-Fried-Chicken-Packung angelt und nach seiner Mahlzeit ein Schlachtfeld hinterläßt. Die beiden begegnen auf ihrem Trip durch die Staaten allerhand kuriosen Gestalten. Harry, ein ehemaliger Lehrer, blüht während dieser Reise sichtbar auf, kommt sogar in den Genuß eines erotischen Vergnügens mit einer Edelprostituierten. Tonto ist die konstante Bezugsperson in dem Personenkarussell, das sich auf der Reise dreht, und als der Kater zum Schluß des Films stirbt, bleibt Harry allein, aber mit der Hoffnung zurück, daß das Alter nicht in auswegloser Einsamkeit enden muß. Paul Mazursky ist durch seine Mutter auf die Idee zu dem Film gekommen, genauer durch deren roten Kater, den sie gern an einer Leine durchs New Yorker Greenwich Village führte. Der Regisseur hat nach eigenen Angaben lange Zeit seines Lebens mit Katzen zusammengelebt. Er sollte sogar Tonto nach Beendigung der Dreharbeiten als Geschenk erhalten, konnte aber den Kater nicht aufnehmen, weil seine Frau nach der Geburt ihres Kindes eine Katzenallergie entwickelt hatte. Über die Dreharbeiten zu Harry & Tonto hat sich Mazursky ausführlich geäußert. So erzählte er, daß Art Carney, der die Rolle des Harry verkörperte und dafür 1974 mit dem Oscar für die beste männliche Hauptrolle ausgezeichnet wurde, Katzen eigentlich haßte. »Genau deshalb spielte Art seine Rolle ohne jegliche Sentimentalität. Und die Katze mochte ihn, mehr und mehr.« Fragt sich nur, welche Katze, denn man weiß ja, daß man einen Spielfilm mit einer Katzenhauptrolle unmöglich mit nur einer Katze drehen kann. Um so erstaunlicher ist Mazurskys Auskunft, daß er mit lediglich zwei Katzen ausgekommen ist, und eine der beiden war Tonto, die »Hauptkatze«. »Eigentlich hätte Tonto den Oscar gewinnen müssen«, meinte der Regisseur, ohne damit die schauspielerisch beeindruckende Leistung von Art Carney herabwürdigen zu wollen. Mit zwei Tricks hat die für den Film engagierte Tiertrainerin geholfen, Tonto (fast) immer in die richtige Position zu bringen. Zum einen hat sie seine Schwäche für Leber ausgenutzt. In einer Szene sollte Harry auf einem Stuhl sitzend den Kater ganz beiläufig am Kopf kraulen. Also hat man diesen Stuhl mit kleinen Leberstückchen präpariert und Tonto so angelockt. Dann war der Kater verrückt nach einem kleinen, roten Spielzeug, dem er sofort hinterhersprang. Diese Trumpfkarte wurde beispielsweise in einem Motel auf dem Bett ausgespielt. Zum Schluß des Films, als Tonto stirbt, mußte man sich allerdings medizinischer Hilfe bedienen. Der Kater bekam eine Betäubungs- spritze. Das äußerst agile Tier wäre sonst wohl kaum so ruhig liegengeblieben. Diese unspektakulär leisen Aufnahmen sind in der Sparsamkeit ihrer Worte und Bilder sehr anrührend. Mazursky hat berichtet, dass vor allem das japanische Publikum überraschend emotional reagiert hat: »Als wir den Film in Tokio zeigten, weinten die Menschen in dieser Szene so laut, daß man nichts anderes mehr hören konnte. Japaner lieben Katzen, und sie liebten diesen Film.«

Eine  Hauptrolle spielt die Katze auch in Frühstück bei Tiffany (1960) von Blake Edwards, nach dem gleichnamigen Kurzroman von Truman Capote, einer der wenigen Filme, in dem der Charakter des tierischen Hauptdarstellers nicht als Symbol oder szenischer Gag instrumentalisiert wird. Das liegt in diesem Fall allerdings auch nahe, denn der namenlose, rotgestromte Kater der Protagonistin Holly Golightly (Audrey Hepburn) soll wie Holly selbst das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit verkörpern und somit eigentlich nur sich selbst spielen. Der Kater tritt ständig in Erscheinung. Er liebt es, Menschen un- vermittelt auf die Schulter zu springen, verfolgt die dramatische Comédie humaine gern vom höchsten Brett eines bücherleeren Regals aus und faucht, als der ihm eigentlich wohlbekannte Freund Hollys mit einer Gesichtsmaske durch das Fenster einsteigt. Gleich am Anfang des Films gibt es eine Schlüsselszene, in der Holly in Gegenwart ihres neuen Nachbarn – ein erfolglo ser Schriftsteller, der von ihr Fred genannt wird – laut über ihr Zusammenleben mit dem Kater nachdenkt: »Armer alter Kater. Armes Vieh, hast keinen Namen. Ich finde, daß ich kein Recht habe, ihm einen Namen zu geben. Wir gehören eigentlich gar nicht zusammen. Er ist mir mal über den Weg gelaufen. Und ich will auch gar keinen Besitz haben, bevor ich nicht richtig weiß, wo ich hingehöre.« In der literarischen Vorlage heißt es noch ergänzend: »Er ist unabhängig, und ich bin’s auch.« Zum Schluß des Films kommt es zu einer dramatischen Szene. Holly und Fred gestehen sich im strömenden Regen ihre Liebe ein, nachdem sie den pitschnassen, vorher verstoßenen Kater wiedergefunden haben, und zerdrücken ihn fast zwischen sich. (Wie hat der Kater das nur ausgehalten?)

Eine sehr ambivalente Rolle, die den Film aber bemerkenswert macht, spielt die Katze des Ehepaars Carey in dem Science-fiction-Film Die unglaubliche Geschichte des Mr. C. von Jack Arnold aus dem Jahr 1957. Während einer Bootsfahrt auf dem Meer kommt Scott Carey mit radioaktivem Nebel in Berührung, während sich seine Frau unter Deck aufhält. Kurz darauf beginnt er zu schrumpfen. Die Katze der Careys ist ein verschmustes und verspieltes Tier, das anfangs mehrfach in niedlichen Posen gezeigt wird. Als Scott nur noch einen Meter mißt, ändert sich das Verhältnis zwischen ihm und seiner Katze – sie be- achtet ihn kaum noch. Doch Scott schrumpft immer weiter, bis er schließlich in ein Puppenhaus einzieht, das im Wohnzimmer aufgebaut ist. Als er nur noch zehn Zentimeter groß ist, schlüpft die inzwischen draußen gehaltene Katze unbemerkt ins Haus und stöbert ihren miniaturisierten Mitbewohner, in dem sie nur noch eine willkommene Beute sieht, in seinem Puppenhaus auf. Es beginnt ein dramatischer Kampf um Leben und Tod, den Jack Arnold in fünf ungemein spannenden Filmminuten inszeniert. Kurz vor dem todbringenden Sprung der Katze gelingt es Scott, die Elektroschnur einer Tischlampe zu ergreifen und die Lampe von der Tischkante zu zerren. Der Aufprall verscheucht die Katze für einen Moment, aber schnell nimmt sie die Verfolgung wieder auf. Zwar kann sich Scott in den Keller retten (er fällt tief in einen Wäschekorb am Fuß der Kellertreppe), doch als seine Frau nach Hause kommt und das von der Wand abgerückte Puppenhaus, die am Boden liegende Tischlampe sowie ein kleines, blutgetränktes Teil seiner Kleidung und die Katze sieht, kann sie nur einen Schluß ziehen. In der nächsten Szene wird in den Fernsehnachrichten sein Tod gemeldet. Darin heißt es: »Careys Tod erfolgte auf ungewöhnliche Weise und ebenso völlig unerwartet. Er kam durch den Angriff einer Katze um.« Scott wird seine Frau nicht wiedersehen. Im Keller muß er noch den Kampf gegen eine Spinne überstehen, bevor er durch einen engen Maschendraht ins Freie und in eine ungewisse Zukunft gelangt.

In Kriminalfilmen spielen Katzen öfter eine Rolle, als man soi denkt. Besonders hervorzuheben ist hier Der Tod kennt keine Wiederkehr (The Long Goodbye) von Robert Altman aus dem Jahr 1973. Die Verfilmung des Romans Der lange Abschied von Raymond Chandler mit Elliott Gould als Philip Marlowe beginnt mitten in der Nacht. Marlowe liegt angezogen und schnarchend auf dem Bett. Sein rotgestromter Kater maunzt laut, und als das nichts nutzt, springt er von einer Kommode auf dessen Brust und reißt damit den Privatdetektiv aus seinem Schlaf: »Mein Gott, du hast Hunger.« Während der Kater lebhaft in der Küche über Anrichten und Schränke tobt, bereitet ihm Marlowe, da kein Katzenfutter mehr im Haus ist, eine aus Resten improvisierte Mahlzeit zu, die der Kater nach skeptischem Beschnuppern vorwurfsvoll vom Tisch auf den Boden befördert. Resigniert zieht sich Marlowe das Jackett an. »Um drei Uhr morgens gehe ich los und besorg diesem Mistvieh noch ’n spezielles Futter. Ich muß ja bescheuert sein.« Im Supermarkt ist natürlich das einzige Katzenfutter, das der Kater mag, ausverkauft. »Ja, das ist nicht da im Augenblick«, erläutert ein farbiger Verkäufer. »Nehmen Sie doch dieses hier. Ist doch sowieso alles dieselbe Scheiße.« Marlowe schaut den Verkäufer konsterniert an. »Ah, was Sie nicht sagen. Sie haben wohl keine Katze?« Der Verkäufer zieht genervt die Schultern hoch. »Was soll ich mit einer Katze? Ich habe eine Mieze.« »So, haha. Er hat ’ne Mieze und ich ’ne Katze.« In seiner Wohnung angekommen, sperrt Marlowe den Kater erst einmal aus der Küche aus. Dann öffnet er eine Dose und füllt den Inhalt in eine leere Büchse, die des Katers Lieblingsfutter enthalten hat. Danach verstaut er seinen Betrug wieder in der Papiertüte. Aber der Kater fällt auf die anschließende Vorstellung nicht herein. Unter Protestmiauen springt er vom Tisch und verschwindet durch eine Katzentür aus Pappe mit der handgeschriebenen Aufschrift »El Porto del Gato«. Marlowe folgt dem Kater auf die Veranda, um ihn zu rufen. In diesem Moment bekommt er überraschenden Besuch von seinem alten Freund Terry Lennox, der Marlowe bittet, ihn an die mexikanische Grenze zu chauffieren. Als Marlowe morgens wieder in Los Angeles eintrifft und die Suche nach seiner Katze fortsetzt, möchten zwei Polizisten mit ihm reden. Er erklärt, daß er jetzt keine Zeit habe, er suche seine Katze. »Vergessen Sie die verdammte Katze, Marlowe, und kommen Sie«, antwortet ein Detektiv. »Ich soll die verdammte Katze vergessen, sagt er«, murmelt Marlowe mißlaunig vor sich hin. »Diese Katze bedeutet mir verdammt viel, und jetzt soll ich sie vergessen. Muß ja was verdammt Wichtiges sein.« Die Katze bleibt für immer verschwunden. Zum Schluß des Films spürt er Terry Lennox, der sich als Mörder entpuppt hat, in Mexiko auf. Sein alter Freund hatte Marlowe entsetzlich hinters Licht geführt und durch seinen Besuch daran gehindert, seine Katze zu finden. »Du bist eben der geborene Verlierer«, stellt Lennox zynisch fest, als Marlowe erkennt, daß er von seinem Freund eiskalt benutzt worden ist. »Ja, ich hab sogar meine Katze verloren«, antwortet Marlowe und erschießt den Mörder, den keine staatliche Gerechtigkeit mehr zur Strecke bringen würde. Es sind die letzten Worte, die in diesem Film gesprochen werden.

In dem Action-Thriller Assassins (Die Killer) von 1995, dessen eruptive Brutalität und schauspielerische Darstellung irgendwo zwischen Menschenverachtung und Parodie changieren, spielt neben Sylvester Stallone, Antonio Banderas und Julianne Moore eine weiße Katze mit graugetigerten Flecken die vierte Hauptrolle. Der Film erzählt die Geschichte des überdrüssigen Profikillers Robert (Stallone), der noch einen letzten Job erledigen und sich dann für immer zurückziehen möchte. Er soll die Computer-Hackerin Elektra töten und ihr eine Diskette mit brisantem Material abnehmen. Von Elektra ist nichts weiter als ihr Internet-Logo bekannt – zwei riesige, grüne Katzenaugen. Elektras Katze heißt Pearl und ist eine Maine Coone. Die ebenfalls grünäugige Elektra mietet in einem Hotel zwei Zimmer unter dem Namen Cats. Dort wartet sie mit Pearl auf vier Männer, denen sie die Diskette für 40000 us-$ verkaufen möchte. Unterdessen bestellt sie viel Kaffee und Thunfisch in Dosen. Mit Ben tritt noch ein zweiter Profikiller auf (Banderas), der krankhaft von der Idee besessen ist, Robert zu töten und damit zur Nummer eins seines Berufsstandes aufzusteigen. In dem Hotel kommt es zu einer mörderischen Schießerei, und Elektra kann mit Robert und Pearl fliehen. Sie mißtraut Robert (zunächst aus gutem Grund) und kann ihm entkommen. Dabei muß sie ihre Katze bei Robert zurücklassen. Der findet in Elektras Auto eine Werbetüte ihres Tierfutterhändlers und sucht diesen mit Pearl auf. Dort nennt man ihm bereitwillig die Adresse der Besitzerin des Tieres. Auch Ben findet das Haus, in dem Elektra wohnt. Im Hotel hatte sie einige Fotos verloren, die Pearl vor ihrem Wohnhaus zeigen. In ihrer Wohnung kommt es zur nächsten Schießerei, und wieder können Elektra, Pearl und Robert zusammen fliehen. In ihrem Unterschlupf freundet sich Robert mit der Katze an, und auch er und Elektra kommen sich näher. Sie werden Geschäftspartner. Robert erkennt den wahren Wert der Diskette und erhöht ihren Preis auf 20 Millionen us-$. Elektra staunt nicht schlecht, wollte sie doch von ihrem Erlös vor allem der Katze einen Kater kaufen. Der turbulente Showdown des Films findet in der Karibik statt. Natürlich besiegt Robert den bis zum fanatischen Wahnsinn getriebenen Ben, und natürlich überleben Robert, Elektra und Pearl, und natürlich haben sie zum Schluß auch das Geld. Der Film endet mit dem Satz: »Und jetzt kaufen wir für Pearl einen Kater.« Er ist beileibe kein cineastisch erwähnenswertes Werk, doch die Katze ist mehr als schmückendes Beiwerk, ihr wird felide Eigenwilligkeit zugestanden. Beispielsweise wenn Elektra, vom Killer gehetzt und in Todesgefahr, die Katze erst mühsam unter dem Hotelbett hervorlocken muß, bevor sie endlich ihr Leben retten kann.

Nach Dr. No sind zwischen 1963 und 1971 insgesamt sechs James-Bond- Filme erschienen. (Womit wir beim Spionagefilm angekommen sind.) Darin ist mit Ausnahme von Goldfinger der Superverbrecher Ernst Stavro Blofeld Bonds Gegenspieler. Doch in den ersten beiden Blofeld-Episoden (Liebesgrüße aus Moskau und Feuerball) bleibt das Gesicht des Chefs einer weltumspannenden Verbrecherorganisation verborgen. Er besitzt dennoch ein spezifisches Erkennungzeichen. Es ist eine auf seinem Schoß sitzende schneeweiße Angorakatze, die von dem Gangster beiläufig gestreichelt wird, während er seine heimtücki- schen Anweisungen erteilt. In Diamantenfieber, dem letzten Film mit Blofeld, hat diese Katze einen dramaturgisch bemerkenswerten Auftritt. Bond (Sean Connery) verschafft sich mit einer artistischen Kletterei Zutritt in die oberste Etage eines riesigen Hotelkomplexes. Dazu benutzt er eine Pistole, mit der er Halteklammern in die Fassade schießt. Im Innern des Gebäudes wird 007 entdeckt und muß seinen »richtigen« Revolver abgeben. Dann wird er in einen riesigen, futuristischen Raum geleitet, in dem er auf Blofeld und einen perfekten Doppelgänger stößt – und auf die aus den früheren Filmen schon bekannte Katze, die lässig in einem Ledersessel döst. Blofeld 1 und Blofeld 2 wissen natürlich nicht, daß Bond noch im Besitz der Pistole ist, mit der er sich seine Haken in die Fassade geschossen hat. Wir Zuschauer wissen allerdings, daß sich in dieser Pistole nur noch ein einziger Schuß befindet. Bond überlegt nun fieberhaft, wervon den beiden wohl der richtige Blofeld ist, und als er die Katze sieht, kommt ihm eine Idee. Er geht langsam auf sie zu und versetzt ihr plötzlich einen kräftigen Fußtritt. Seine Spekulation scheint aufzugehen. Die Katze springt erschrocken mit einem Riesensatz auf den Schoß ihres Herrn. Bond reißt blitzschnell seine Waffe hervor und tötet Blofeld. Doch in diesem Moment taucht hinter einer Wand eine zweite weiße Angorakatze auf. Sie trägt ein diamantenes Halsband und vertreibt fauchend das andere Tier. Man sieht deutlich, wer hier das Sagen hat. Mit provozierender Langsamkeit stolziert die Katze auf Blofeld zu und springt auf seinen Schreibtisch. Der richtige Blofeld lächelt Bond an. »Die Idee war an sich richtig.« Bond antwortet resigniert: »Aber es war die falsche Mieze.«

Nun eine abrupter Genre-Wechsel. Die grosse Stille von Philip Gröning aus dem Jahr 2005 zeigt in unspektakulären aber sehr eindringlichen Bildern das Leben der Mönche im Mutterhaus des Karthäuser-Ordens. Dieser fast dreistündige Film ist selbst eine große Stille, denn die Karthäuser sind ein Schweigeorden und der Regisseur mußte sich vor Drehbeginn verpflichten, keinerlei Musik außer die Gesänge der Mönche zu verwenden. Umso interessanter ist eine kleine, dreiminütige Szene, in der ein Mönch in den Dachstuhl des riesigen Klosters steigt, um die Klosterkatzen zu füttern. Sie kommen alle zu ihm und während er sie füttert sprciht er leise mit ihnen – was eigenlich verboten ist. Dieser Film ist eine Meditation …

Zum Schluß soll noch ein Ausflug in die Welt des Zeichentrickfilms unternommen werden. 1919 schufen der Produzent Pat Sullivan (1887 – 1933) und der Trickfilmer Otto Messmer (1892–1983) den Kurzfilm Feline Follies (Katzenverrücktheiten) mit dem Kater Master Tom als tragender Gestalt. Die Filmgesellschaft Paramount bestellte nach der erfolgreichen Vermarktung des Films weitere Folgen und taufte die Hauptfigur um. Unter dem Namen Felix the Cat entstanden zahlreiche kleine Filmkunstwerke, die zu den Höhepunkten surrealistischen Filmschaffens gehören und heute noch begeistern. Zu den prägenden Kennzeichen des Katers gehören sein Schwanz, der sich nach Felix’ Wünschen unmittelbar in ein Werkzeug verwandeln oder eine Stimmung ausdrücken kann, sowie sein leicht vorgebeugter, nachdenklicher Gang, die Hände auf dem Rücken ver- schränkt und den Kopf leicht gesenkt. Die später gedruckten Comic strips konnten an das filmische Vorbild nie richtig heranreichen. In den 1950er Jahren wurde Felix the Cat als Fernsehserie produziert, doch die künstlerische Qualität der in den 20er bis 40er Jahren geschaffenen Trickfilme blieb unerreicht. In der Frühzeit des Fernsehens spielte Felix für den Sender rca eine besondere Rolle: Von 1928 an wurde eine figürliche Nachbildung der Filmkatze mehr als zehn Jahre lang täglich zwei Stunden als Testbild ausgestrahlt, mit dem damals dieSendeanstalten die Feinabstimmung ihrer Bildauflösung vornahmen. Felix the Cat wurde damit zum ersten Star in der Geschichte des Fernsehens.

Zu diesem Artikel paßt hier auf meinem Blog auch diese Seite über den Western True Gritt: https://katerpaul.wordpress.com/2011/02/13/der-kater-general-sterling-price-in-%C2%BBtrue-grit%C2%AB/

Und wer noch viel mehr über Katzen im Film erfahren möchte, der sei auf dieses Buch meines Menschen verwiesen, das gerade im Insel-Verlag als Taschenbuch erschienen ist, und in dem man einen 14-seitigen Beitrag dazu findet: http://www.suhrkamp.de/buecher/das_grosse_katzenlexikon-detlef_bluhm_35353.html

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»Une vie de chat«

Auf der Berlinale hat eine Freundin von mir einen ganz, ganz großartigen
französischen Animationsfilm gesehen: Une vie de chat. Eine der
Hauptfiguren ist der Kater Dino, der ein Doppelleben führt (Kater der
Tochter eine Polizeikommisarin und Kater eines Einbrechers, den er auf
seinen Diebstouren begleitet). Hoffentlich kommt der Film bei uns ins Kino. Hier der Trailer:

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