Katzen und ihre Frauen – Die Geburt einer besonderen Freundschaft

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In der Ruinensiedlung Deir el Medina, nur einen guten Kilometer südlich vom Tal der Könige entfernt im Wüstensand gelegen, befindet sich das ursprünglich prächtig ausgestattete Grabmal des ägyptischen Bildhauers Ipuy und seiner Frau Dua-meres. Die Wandmalereien in seinem Innern aus dem Jahr 1275 v. Chr. sind inzwischen stark verwittert, aber der britische Ägyptologe Norman de Garis Davies hat in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Auftrag der Ägypten-Expedition des Metropolitan Museum of Art detailgenaue Kopien aller Fresken angefertigt. Auf einem Bild sehen wir sitzend Ipuy, hinter ihm seine Frau. Rechts sind deren Kinder dargestellt, die zu Ehren ihrer Eltern Opfergaben darbringen. Im Zentrum des Fresko ist ziemlich klein ein Kätzchen auf dem Schoß des Bildhauers zu erkennen. Verspielt greift es mit einer Tatze nach seinem Gewand. Die Mutterkatze unter dem Stuhl ist der Frau zugeordnet. Frau und Katze bilden eine Einheit. Die Katze schaut den Betrachter als einzige Bildfigur direkt an und zieht deshalb unsere Aufmerksamkeit auf sich. Als wäre sie ihrer Sonderstellung bewusst, ist ihr Schwanz nervös aufgerichtet. Das Fresko Ipuy und seine Frau ist eines der frühesten Bilder der Kunst zum Thema Frauen und Katzen. Unzählige sollten im Lauf der nächsten drei Jahrtausende folgen.

Das Thema Katzen und Frauen in der europäischen Malerei

In der europäischen Kunstgeschichte beginnt die Darstellung der Beziehung zwischen Frauen und Katzen im vierzehnten Jahrhundert mit Gemälden sakralen Inhalts. Aber schon kurz darauf, zu Beginn der Hochrenaissance um 1500, entstehen erste Gemälde, auf denen Katzen als Individuen, als Freundin und Begleiterin der Frau und mit ihr in trauter Zweisamkeit gemalt werden. Wenig später dominieren Bilder, die Frauen und Katzen in alltäglichen Situationen zeigen, also in der Küche, am Esstisch und auf dem Hof. Erst in der Blütezeit des Barock, ab etwa 1750, kehren die Malerinnen und Maler wieder zurück zur Darstellung der innigen persönlichen Beziehung zwischen Frauen und Katzen. Es entstehen viele Doppelportraits. In der impressionistischen Malerei und dem wenig später einsetzenden Stil des Expressionismus erlebt das Motivpaar Frau und Katze seine Hochzeit. Nahezu alle bedeutenden Malerinnen und Maler dieser beiden Kunstepochen haben mindestens ein Bild zu diesem Thema hinterlassen. Dies gilt auch für die Jahrzehnte bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Weltbrand erlischt die Begeisterung der Künstlerinnen und Künstler für das Thema Frau und Katze spürbar. Die Kunstgeschichte der vergangenen siebzig Jahre kann nicht annähernd so viele Gemälde zu diesem Motivpaar verzeichnen wie in dem vorangegangenen Jahrhundert – obwohl gerade in der jüngeren Zeit einige Meister- und Hauptwerke zu diesem Thema entstanden sind.

Mein neues Buch unternimmt einen Streifzug durch die Geschichte der europäischen Malerei vom vierzehnten Jahrhundert bis in die Gegenwart. In ihm werden 50 Gemälde vorgestellt, die alle Zeiten überdauert haben, aber auch Künstlerinnen und Künstler, die längst in Vergessenheit geraten sind.

Weitere Informationen zu »Katzen und ihre Frauen – Bilder einer besonderen Freundschaft« gibt es hier: http://bit.ly/20KEWLj

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