Cat_Calendar vom 25. Oktober: Peter Rühmkorf

Peter Rühmkorf 2004 | Foto: Ottoerich

Peter Rühmkorf 2004 | Foto: Ottoerich

Peter Rühmkorf (1929-2008) zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Er wäre heute 85 Jahre alt geworden. Rühmkorf hat 1980 mit Auf Wiedersehen in Kenilworth ein von Albert Schindehütte kongenial illustriertes Katzenmärchen geschrieben, in dem der Geist von Schloss Kenilworth die Schlosskatze in ein Menschenmädchen und den Verwalter des englischen Anwesens in einen Kater verwandelt. Nach der ungewollten Transformation erwachen die beiden in Rom bzw. Indien. Auf Wiedersehen in Kenilworth ist die einzige Erinnerung an ihr altes Leben, die ihnen bleibt, und der beherrschende Wunsch, der sie antreibt …

Der FAZ gab Rühmkorf ein Interview, das dort am 4. Oktober 1985 unter dem Titel Warum lassen Sie Ihre Katze nicht mitreden, Herr Rühmkorf? erschienen ist. Darin erweist sich Peter Rühmkorf als genauer Beobachter des Verhältnisses zwischen Mensch und Katze. Beispielsweise bei der Beantwortung dieser Frage: »Wer weiß mehr über wen, Sie über die Katze oder die Katze über Sie?« Rühmkorf: »Zunächst einmal sind wir beide Haustiere. Ich arbeite den ganzen Tag in der Wohnung, die Katze hat auch irgendwie hier zu tun, das schafft dann ein Klima von wettbewerblicher Koexistenz. Die Katze meint wohl, mich ziemlich genau zu kennen, das heißt, sie hält mich für berechenbar. Andererseits halte ich sie für nicht ganz so unberechenbar, wie sie sich selber einschätzt. Das führt dann gelegentlich zu diesen Ich-kenne-dich- besser-Wettkämpfen.« Die besagte Katze war übrigens ein Kater mit Namen Micio, er lief dem Ehepaar Rühmkorf 1969 in Italien zu – und blieb. In Peter Rühmkorfs 2004 veröffentlichter Ausgabe seiner Tagebücher von 1971 bis 1972 wird er mehrfach erwähnt. Unter dem 19. Juni 1972 findet sich dieser Eintrag: »Nach einem kleinen Elbauf-und-Elbabgang eigentümlicherweise Federflaum in der Küche entdeckt, aufgelesen, betrachtet u. auf einmal bemerkt, dass es graubraune Haarbüschel waren. Als sich Micio, stillmaunzend, an meine Hosenbeine schmiegte, sah ich auf einmal den wahren Grund der Bescherung. Beinah bloßliegender Muskel wie bei einem enthäuteten Karnickelbraten. Mein kleiner niedlicher Pazikatz. Hat solche gefährliche Krallen, richtige Rundnadeln, aber nutzt sie im Kriegs- bzw. Ernstfall gar nicht. Wie der Vater – so der Kater.«

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