Katzen und Frauen in der Malerei (3)

Das erste Katzenportrait der Kunstgeschichte

Giovanni Reder (1693 – nach 1764) Bildnis des Katers Armellino | um 1750 | Öl auf Leinwand

Giovanni Reder (1693 – nach 1764) Bildnis des Katers Armellino | um 1750 | Öl auf Leinwand

Das Bild stammt zwar von einem Mann, es gehört dennoch in die Reihe dieser Bilder, wie Ihr gleich lesen könnt. Giovanni Reder portraitierte auf diesem Gemälde Armellino, den Kater der römischen Dichterin Alessandra Forteguerra, die das Bild in Auftrag gegeben hatte. Es handelt sich um die früheste bildliche Katzendarstellung auf der eine Katze portraitiert, also als Individuum um ihrer selbst willen gemalt worden ist. Das Sonett rechts neben dem Kater hat der Priester und Dichter Sperandio Bertazzi verfasst und überschrieben mit dem Titel Sonett anlässlich eines Kusses, den eine schöne und hochgestellte Dame einem Kater gab. So frivol wie sein Titel beginnt auch das Sonett: »Dieser liebenswerte Kater, eingemeißelt in die Leinwand, | kostete den liebevollen Kuß der schönen Göttin. | Und seitdem nach der Natur ein Porträt von ihm gefertigt wurde, | bewacht man ihn gut und sehr eifersüchtig.« Die Liebe der Dichterin zu ihrem Kater muss wirklich sehr groß gewesen sein, denn Bertazzi schließt das Sonett mit den Zeilen: »Und wisse, dass Amor es nur mir gestattet, | innig zu küssen und den gegebenen | liebevollen Kuss aufzunehmen, um die Leidenschaft zu vertiefen.« Vermutlich waren Giovanni Reder und Bertazzi schlichtweg eifersüchtig auf den Kater.

Eine impressionistische Katze

Berthe Morisot (1841 – 1895) Junges Mädchen mit Katze | 1892 | Öl auf Leinwand

Berthe Morisot (1841 – 1895) Junges Mädchen mit Katze | 1892 | Öl auf Leinwand

Berthe Morisot zählt zu den bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit. In wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen erhielt sie, wie damals üblich, Privatunterricht in den verschiedenen Künsten. Als 1860 der schon berühmte Camille Corot als Privatlehrer engagiert wurde, warnte er die Mutter, dass sein Unterricht ihre Tochter zu einer Malerin machen würde, und nicht zu einer unbedeutenden, talentierten Amateurin. Er sollte Recht behalten. Berthe Morisot entwickelte einen eigenen impressionistischen Malstil, und ihre Bilder wurden auf vielen Ausstellungen mit großem Erfolg gezeigt. Durch ihre freundschaftliche und künstlerisch befruchtende Beziehung zu Éduard Manet lernte sie dessen Bruder Eugène kennen, den sie 1877 heiratete. 1887 malte Renoir ihre Tochter Julie mit einer Katze auf dem Schoß.

Junge Mädchen mit Katzen waren zwar ein beliebtes Bildmotiv jener Zeit. Das kaum erkennbare Lächeln des Mädchens und die schmalen, aufmerksamen Augen der Katze verleihen dem Bild von Berthe Morisot in Verbindung mit dem auffällig pastosen Farbauftrag aber eine sehr eigene, besondere Atmosphäre, die von einem stillen Einverständnis zwischen dem Mädchen und der Katze geprägt ist.

Tilla Durieux und ihre Perserkatzen

Anonym | Tilla Durieux mit ihren Perserkatzen | um 1924 | Originalpostkarte

Anonym | Tilla Durieux mit ihren Perserkatzen | um 1924 | Originalpostkarte

Die Theaterschauspielerin Tilla Durieux war in den zwanziger Jahren der Star schlechthin. »Auf dem Sezessionsfest im Februar teilte sich die Menge in zwei Flittergitter, als sie den Saal betrat« schrieb Else Lasker-Schüler 1913 in ihrem Buch Gesichte. »Aber als es Mitternacht war, tanzte sie, auf einer Perle des Sekts rollend, mit leuchtenden Augen im bunten Spiel der Masken.« Die Durieux wurde gemalt von Renoir und Liebermann, Kokoschka und Corinth, Slevogt und Orlik, Barlach schuf eine Plastik, die Berliner Bohéme lag ihr zu Füßen. Die rare Privataufnahme um 1924 zeigt Tilla Durieux mit ihren beiden Perserkatzen, die sie abgöttisch liebte.

Wenn man sich diese Perser genau anschaut fällt übrigens auf, dass die Kopfform beider Tiere der einer normalen Hauskatze sehr ähneln. Heutige Perserkatzen haben wesentlich kleinere Ohren, eine drastisch kürzere, hochgezogene Nase, ihre Kopfform ist breiter und runder, die Wangen sind voller, der Nacken massiger. Ganz abgesehen vom Haarkleid. Das ist bei den heutigen Persern so lang, dass es die Katze allein kaum noch pflegen kann. Diese Veränderung der Art ist das Ergebnis einer Züchtung durch den Menschen hin auf ein fragwürdiges Schönheitsideal, das erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Katze mit sich bringt.

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