Katzen und Frauen in der Malerei (2)

Heute erscheint der zweite Teil meiner österlichen Betrachtungen zum Thema Katzen und Frauen in der Malerei. Morgen erscheint dann Teil 3. Wenn Euch schöne Bilder zu diesem Thema einfallen, gebt mir einfach als Kommentar eine Nachricht. Vielen Dank im voraus!

Vorsicht vor der Katze!

2_Leyster

Judith Leyster (1609-1660)
Lachendes Kinderpaar mit Katze | 1629 | Öl auf Leinwand

Judith Leyster zählt zu den bedeutendsten Vertretern der holländischen Genremalerei des siebzehnten Jahrhunderts und war damals (so wie heute wieder) berühmter als ihr Mann, der Maler Jan Miense Molenaer. Vor ihrer Hochzeit im Jahr 1636 unterhielt sie ein eigenes Atelier und hatte mehrere Schüler. In dieser Zeit entstanden auch die meisten ihrer Bilder. Nach ihrem Tod geriet sie in Vergessenheit, bis 1893 im Louvre auf einem Bild ihre Signatur unter der falschen von Frans Hals entdeckt wurde.

Spielende Kinder mit Katzen gehören zu den typischen Motiven dieser Zeit. (Ihr Mann hat ein sehr ähnliches Bild gemalt.) Bei dem Gemälde von Judith Leyster fällt der Gegensatz zwischen der überbordenden Fröhlichkeit der Kinder und der vorsichtig abwartenden Haltung der Katze auf, die vermutlich unversehens in die Höhe gehoben wurde und in diesem Moment nicht recht weiß, wie ihr geschieht. Bildszenen dieser Art transportieren oft moralisierende Botschaften. Vorsicht, nicht übertreiben, scheint das Bild zu sagen. Der kleinen Katze könnte das Spiel schnell zu viel werden. Dann kann sich die Samtpfote unversehens in scharfe Krallen verwandeln. Wie bei einem anderen Bild von Jan Miense Molenaer, auf dem sich die Katze umdreht und einem mit ihr spielenden Jungen die Brust blutig kratzt.

Eine schwarze Katze als Wiedergängerin

Cecilia Beaux (1855-1942) Sita und Sarita | 1896 | Öl auf Leinwand

Cecilia Beaux (1855-1942) Sita und Sarita | 1896 | Öl auf Leinwand

Glücklicherweise blieb das malerische Talent von Cecilia Beaux nicht unentdeckt und wurde von ihrer Tante gefördert. Nach einem langen Studienaufenthalt in Europa lebte Cecilia Beaux ab 1900 in New York, wo sie als Porträtmalerin der Elite aus Wirtschaft, Kultur und Politik zu hohem Ansehen und beträchtlichem Wohlstand gelangte. Ihre dortigen Ausstellungen zählten zu den gesellschaftlichen Höhepunkten des New Yorker Kulturlebens.

Auf ihrem Bild Sita und Sarita sehen wir Sarah A. Lewitt, Sarita genannt, eine Verwandte der Künstlerin mit ihrer Katze Sita. Während die grüngrauen Augen der weißgekleideten Frau abwesend in die Ferne schweifen starrt die schwarze Katze den Bildbetrachter mit ihrer goldbraunen Iris direkt an. Saritas streichelnde Hand verweist auf die innige Beziehung zu ihrer Katze. Die Darstellung der Katze, deren Körperform im dunklen Bildhintergrund fast vollständig verschwindet, erinnert sehr an Éduard Manets Gemälde Olympia aus dem Jahr 1863. Auch auf diesem Bild sehen wir  eine schwarze Katze vor dunklem Hintergrund, die den Bildbetrachter mir ihren goldbraunen Augen direkt anschaut. Die Körperhaltung der beiden Katzen ist nahezu identisch. Wir wissen leider nichts Genaues über diese Duplizität, die schon aufgrund des Aufsehen erregenden Skandals, den Manet mit seiner nackten Olympia ausgelöst hatte, kaum zufällig sein dürfte.

Patricia Highsmith und ihre Siamkatzen

Patricia Highsmith (1921-1995) Sammy by Sammy | 1967 | Kohle auf Papier | © by Diogenes Verlag, Zürich

Patricia Highsmith (1921-1995) Sammy by Sammy | 1967 | Kohle auf Papier | © by Diogenes Verlag

Neben ihrem umfangreichen Romanwerk schrieb die amerikanische Autorin einige Gedichte und Erzählungen über Katzen. Die Katzenzuneigung der berühmten Schriftstellerin ist legendär. Der Zürcher Weltwoche vertraute sie in einem Interview am 21. April 1976 folgendes an: »Wenn ich in einer Straße eine hungernde Katze und ein hungerndes Kind anträfe, ich würde, wäre ich unbeobachtet, die Katze füttern.« Eine andere Interviewpartnerin empfing sie mit den Worten: »Ich habe gerade für meine Katzen Hasenbraten in Rahmsauce zubereitet. Das ist zweifellos ein Luxus – auf jeden Fall viel Arbeit für mich, aber ich mache das nur einmal in der Woche.« Ihre langjährige Lebensgefährtin Marijane Meaker überlieferte in einem Erinnerungsbuch dieses Erlebnis: »Als Kennedy seine berühmte Maxime verkündete: ›Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt‹, ging Pat in die Küche und fütterte die Katzen.« Das Verhältnis von Schriftstellern zu Katzen beschrieb Patricia Highsmith 1981 so: »Katzen geben Schriftstellern etwas, was Menschen ihnen nicht geben können: Sie leisten einem unaufdringlich Gesellschaft, stellen keine Forderungen und sind so friedlich und schillernd, wie eine ruhige, kaum bewegte See.« Patricia Highsmith lebte meistens mit Siamkatzen  zusammen, die sie immer wieder zeichnete.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter KunstKatzen

Eine Antwort zu “Katzen und Frauen in der Malerei (2)

  1. Vielen Dank für die schönen Beiträge zu Katzen in der Malerei. Das Bild von Patricia Highsmith ist toll, ich wusste gar nicht, dass sie auch Katzen gemalt hat.

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