Cat_Calendar (9) vom 29. März 2013: Ernst Jünger

Enst Jünger mit Siamkatze. Quelle: blog.stuttgarter-zeitung.de

Enst Jünger mit Siamkatze. Quelle: blog.stuttgarter-zeitung.de

Ernst Jünger (* Heidelberg 29.3.1895, † Wilflingen 17.2.1998), deutscher Schriftsteller, hat sich vor allem in seinem monumentalen Tagebuchwerk (Siebzig verweht und Strahlungen) immer wieder über Katzen geäußert, »die sich seit Jahrzehnten bei mir ablösen«. Vor allem Siamkatzen hatten es ihm angetan. Über die »Prinzessin Li- Ping« heißt es in Strahlungen II: »Das Tierchen ist beigefarben; Kopf, Schwanz und Beine sind wie mit chinesischer Tusche angeraucht. Es steckt grazile Erlesenheit in ihr, fernöstliche Geschmeidigkeit mit Anklängen von Bambus, Seide, Opium.« Betrachtet man Jüngers Lebensalter und die Tatsache, daß er die längste Zeit seines Lebens mit Katzen zusammengelebt hat, wundert es nicht, daß in seinen Tagebüchern auch viel vom Sterben seiner Katzen zu lesen ist: »Gestern abend bei der Rückkehr aus Laon fand ich Amanda sehr krank mit zwei toten und drei lebenden Kätzchen im Korb. Es war niemand zu Haus; ich heizte den Ofen und hüllte das Tierchen in warme Tücher ein. Es schnurrte noch ein wenig zum Dank. Heute morgen fand ich es tot, immer noch mit dem noblen Kopf. Es kann nicht viel gelitten haben, denn es lag noch in dem Tuch, in das ich es wickelte.«

Doch es gibt auch hocherfreuliche und zeitlich passende Anlässe, über die berichtet wird: »Heute zum Hochzeitstage brachte Amanda drei prächtige Junge zur Welt. Das ist galant! Mit Erfolg fremd gegangen: die Tierlein, die sich wie ein Ei dem andern gleichen, sind getigert und gestromt.«

Ernst Jünger hat oft über die Kommunikation mit seinen Katzen nachgedacht. »Ich bemühe mich, zu erraten, was es [das »Tierchen« Amanda] gerade denkt. Wozu eigentlich? Wir beide kennen den Text – was sollen die Übersetzungen? Die Sympathie reicht tiefer als jeder Gedanke hinab.« An einer anderen Stelle faßte er diesen Gedanken noch radikaler: »Unser Verhältnis ist perfekt. Es dürfte nichts fehlen und nichts (etwa, daß sie sprechen könnten) hinzukommen.« Ein engverwandtes Thema ist die von vielen Schriftstellern immer wieder gespürte Abwesenheit von Katzen, die zwar körperlich anwesend sind, deren Geist jedoch in anderen Regionen zu schweifen scheint. »Auch die Katze hat ihre Launen – dann nimmt sie, wenn ich sie streichle, kaum Notiz von mir. Doch weiß ich ein unfehlbares Mittel, sie zu ermuntern: ich schmiege den Kopf auf ihr Fell. Sogleich beginnt sie zu schnurren, wie von einem elektrischen Zustrom berührt. Das Behagen überträgt sich auf mich.« Beim Thema Katze konnte der an sich ernste Denker aber auch in harmlose Albernheit verfallen. So hat er mit scheinbar großer Belustigung gern folgenden Witz kolportiert: »Zwei Katzen treffen sich: Ich trinke heute abend Milch! sagt die eine. Ich werde Wein trinken, sagt die andere, denn ich habe gehört: Wer Wein trinkt, wacht am Morgen mit einem Kater auf.«

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Cat_Calendar (9) vom 29. März 2013: Ernst Jünger

  1. Sehr schön! [kleine Korrektur: Wilflingen, nicht Wilfingen]

  2. Pingback: Ernst Jünger und die Katzen | Juenger || Wordpress

  3. Pingback: Ernst Jünger: Hommage an die Katzen | Denkstil

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