Darf man Katzen essen?

Schon die Fragestellung wird vermutlich viele Gemüter erhitzen. Die Antworten, die darauf gegeben werden müssen, noch mehr. Aber der Reihe nach. Dass der Verzehr von Katzen in weiten Teilen Südchinas sowie in Vietnam und Korea üblich (und erlaubt) ist, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Als vor über einem Jahr durch die Weltpresse ging, dass der chinesische Milliardär Long Liyuan nach dem Genuss eines Katzen-Eintopfs, der in Kanton als Delikatesse (!) gilt, verstorben war, wurde dieses unappetitliche Thema breit diskutiert. Hier auf diesem Blog habe ich darüber berichtet: https://katerpaul.wordpress.com/2012/01/05/milliardar-krepiert-nach-einem-katzen-eintopf/

Nun liegen die genannten Länder weit weg und langsam rührt sich auch dort der Widerstand gegen den Verzehr von Katzen und Hunden, deren Haltung als Haustier sich immer mehr verbreitet. In unseren Breitengraden aber, werden die meisten nun denken, ist das überhaupt kein Thema. Weit gefehlt! Im Februar 2010 löste der in Italien sehr prominente TV-Koch Beppe Bigazzi einen handfesten Skandal aus, als er in der Sendung Prova del cuoco (Die Kochprüfung) ein Rezept mit Katzenfleisch vorstellte und dazu sagte, er habe diese Speise mehrfach probiert und sei begeistert von dem Ergebnis. Der Fernsehsender Rai Uno suspendierte den Fernsehkoch nach landesweiten Protesten zwar umgehend, aber das Berlusconi-Blatt Il Giornale diffamierte die Tierschützer daraufhin als »Friedensarmee, kämpferischer als ein Trupp CIA-Killer.« Und der Enologe und Weinpromoter Fausto Maculan sprang seinem Freund Bigazzi mit dieser Bemerkung bei: »Ich stehe zu Bigazzi und werde bei der ersten Gelegenheit Katzenfleisch essen. Ich bin überzeugt, dass es exquisit schmeckt.« Im venezianischen Dialekt existiert sogar der Spottname Mangiagatti (Katzenfresser) für die Landsleute, bei denen heute noch Katzen im Kochtopf landen.

Nicht nur räumlich näher als Italien liegt uns die Schweiz. Und dort ist der Verzehr von Katzen sogar ausdrücklich gestattet. Als im letzten Jahr durch die Presse ging, dass es beispielsweise in den ländlichen Regionen der Kantone Jura und Tessin immer noch üblich ist, Katzen zu essen, erkärte der Präsident des Schweizer Tierschutzverbandes Heinz Lienhard dem Online-Medium Blick.ch: »Es ist nicht verboten, sein eigenes Tier zu essen. Anders ist es beim Handel. Der Metzger darf dieses Fleisch nicht verkaufen.« Katzenesser verstoßen in der Schweiz also nicht gegen das Gesetz. Die Regierung in Bern ist vom Verein Europäischer Tier- und Naturschutz zwar aufgefordert worden, »zum Schutz von Katzen und Hunden endlich deren Verzehr zu verbieten«, aber bis auf den heutigen Tag untätig geblieben. »Offenbar tut man sich schwer, eine ländliche Tradition zu verbieten«, vermutet Blick.ch, »die jetzt wieder auflebt.«

Und wie sieht die rechtliche Situation in Deutschland aus? Als Mitglied der Europäischen Union ist Deutschland an die Verordnung 853/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates gebunden. Darin wird bestimmt, was (zum Verzehr zugelassenes) Fleisch im juristischen Sinn überhaupt ist. Katze und Hund zählen eindeutig nicht dazu. Die Umsetzung dieser europäischen Richtlinie in nationales Recht wird bei uns in der sogenannten Tier-LMHV geregelt. In deren § 2 wird »schlachten« als »Töten von Huftieren, Geflügel, Hasentieren oder Zuchtlaufvögeln durch Blutentzug« definiert. Auch hier tauchen Katzen nicht auf. Man darf Katzen nach deutschem Recht also weder schlachten, noch Fleisch aus Ihnen gewinnen. Auch nicht als Einzelperson mit privater Tierhaltung für den eigenen Gebrauch, wie auf einem Bauernhof in der Schweiz. Da man in Deutschland aus Katzen kein rechtkonformes Lebensmittel gewinnen darf, würde im Fall privater Schlachtung einer Katze das deutsche Tierschutzgesetz greifen, in dessen § 1 es heißt: »Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.« Dass einem Tier durch Tötung Schaden zugefügt wird, kann wohl als unbestritten gelten. Und der Verzehr einer Katze kann nicht als vernünftiger Grund für deren Tötung herhalten. Insofern darf man in Deutschland wie in vielen anderen europäischen Ländern Katzen (glücklicherweise) nicht essen.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Katzenklo

3 Antworten zu “Darf man Katzen essen?

  1. Prrrt.
    Wozu die Aufregung? Das halte ich für eine doppelte Moral.
    Was ist mit all den anderen Tieren, die ihr Menschen täglich fresst, die für euch sterben müssen – denen ihr also nach § 1 „Leid zufügt“?
    Auch ich „deutsche Katze“ fresse übrigens Rindsfleisch aus der Dose, das anderswo als heilige Kuh verzehrgeschützt ist.
    Wenn mir eine Maus unterkommt, bin ich nicht gerade Pazifist.
    Fressen und gefressen werden – so ist das eben.
    Natürlich würde ich als göttergleich verehrte Luxusmiez es nicht angemessen finden, im Kochtopf meines Personals zu landen – aber wenn es ihr schmeckt oder sie vor dem Verhungern rettet?
    Ich möchte – wie andere Futtertiere auch – nur nicht tierquälerisch gehalten werden und – wenn es denn schon sein muss – bitte angstfrei und schmerzlos sterben dürfen.

  2. Löhmer

    Bin froh und glücklich das in Deutschland Katzen und Hunde nicht zum Verzehr zugelassen sind. Wir haben sehr viel Freuide an unseren Tieren und möchten sie nicht missen.

  3. Jörg Radant

    Was man ißt ist ja nunmal eine Frage der Einstellung und Ethik!
    Es spricht, vom gesundheitlichen Aspekt her gesehen, nichts dagegen Hunde und Katzen als Nahrungsmittel zuzubereiten und zu essen.
    Was ich nicht richtig finde, ob in der Schweitz oder in China oder sonst wo, daß jedermann sine Hauskatze schlachten darf, oder freilaufende Katzen als Lebensmittel zubereitet werden.
    Hier ist der Gesetzgeber gefordert ordnende gesetzliche Grundlagen zu schaffen; auch in Deutschland! Man sollte die Zubereitung von Katzen und deren Verzehr nicht grundsätzlich ächten. Das widerspricht den Gesetzen gegen Diskriminierung und Unterdrückung.
    Folgende Regelungen wären denkbar:
    Es werden Züchter authorisiert die Tiere zu züchten
    Jeder Zuchtbetrieb der Hunde oder Katzen als Nahrungsmittel züchtet erhält eine Zuchtzwingernummer.
    Jedes geborene Tier erhält eine Exemplarnummer.
    Vor der Schlachtung sind Zuchtzwingretrnummer und Exemplarnummer dem Veterinäramt mitzuteilen.
    Küchen und Schlachtbetriebe die Hunde und Katzen als Nahrungsmittel schlachten, verarbeiten und vermarkten müssen authorisiert sein.
    So kann die Verarbeitung von Katzen als Nahrung sichergestellt und kontrolliert werden.
    Damit nicht die Katze deines Nachbarn auf deinem Tisch als Weihnachtsessen landet!

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