Cat_Calender (1) vom 2. Februar 2013: James Joyce

James Joyce um 1918. Diese Fotografie war dem Subskriptionsprospekt für »Ulysses« beigegeben. Foto: C. Ruf, Zürich

James Joyce um 1918. Diese Fotografie war dem Subskriptionsprospekt für »Ulysses« beigegeben. Foto: C. Ruf, Zürich

Heute denkt Kater Paul an den 131. Geburtstag von James Joyce (2.2.1882 – 13.1.1949), den Autor des Jahrhundertwerkes Ulysses, der ein sehr abergläubiger Katzenfreund war. In ihrem Erinnerungsbuch Shakespeare and Company – Ein Buchladen in Paris beschreibt die Buchhändlerin und Verlegerin des Ulysses, Sylvia Beach, über James Joyce:

»Seine abergläubischen Vorstellungen wurden von seiner Familie geteilt. Zwei Nonnen auf der Straße zu sehen, bedeutete Unglück (ein Taxi, in dem er saß, stieß bei einer dieser Gelegenheiten mit einem anderen Fahrzeug zusammen); Zahlen und Daten brachten Glück oder Unglück. Ein Schirm, der im Haus aufgespannt wurde, ein Herrenhut auf dem Bett hatten eine böse Vorbedeutung, schwatze Katzen hingegen eine gute … Joyce hatte sie gern um sich, und als einmal ein Kätzchen seiner Tochter aus dem Küchenfenster fiel, war er darüber ebenso außer sich wie das junge Mädchen.«

Sylvia Beach berichtet in diesem Buch weiter, dass James Joyce mit der »kohlrabenschwarzen Katze von Shakespeare and Company mit Namen Lucky durchaus einverstanden war. Da Joyce nie Handschuhe trug, konnte Luckys Appetit auf Handschuhfinger ihm auch nicht so unangenehm sein wie den Leuten, die ein tadelloses Paar auf einen der Tische gelegt hatten und es mit abgenagten Fingern wiederfanden. Man konnte Lucky nicht beibringen, was das für eine Missetat war. Ich konnte lediglich mit einem Schild vor der Gefahr für Handschuhe – und auch für Hüte – warnen. Ich war tief beschämt, als Lucky den Kopf eines sehr schönen neuen Hutes von Hemingway bearbeitete. Auch kamen einmal Freunde zum Tee, und Lucky fraß die Finger sämtlicher im Schlafzimmer abgelegter Handschuhe auf. Mrs. Joyce war ganz hysterisch vor Kummer über irgendwelche fremden Handschuhe. Erst beim Nachhausegehen entdeckte sie, daß sie auch unter den Opfern war.«

In der Buchhandlung gab es auch einen Hund, Teddy. »Wann immer Joyce in die Buchhandlung kam, musste ich Teddy natürlich schleunigst entfernen«, schreibt Sylvia Beach an anderer Stelle. »Armer Joyce! Es freute ihn gar nicht, als Adrienne und ich uns ein Auto anschafften – er fand, die Benützung eines Wagens sollte nur Beamten gestattet sein – und nun gab es auch noch diesen ›bösen Hund‹ bei Shakespeare and Company. Joyce wusste mit Teddy nichts anzufangen … «

Dass James Joyce ein großer Katzenliebhaber war kann man auch dem Roman Ulysses entnehmen. In seinem Hauptwerk spielt die Katze Pussi eine zentrale Nebenrolle. Hier nur eine kleine Textpassage aus dem zweiten Kapitel: »Mr. Bloom beobachtete neugierig, freundlich, die geschmeidige schwarze Gestalt. Sauberer Anblick: der Glanz ihres glatten Fells, der weiße Knubbel unter dem Knauf ihres Schwanzes, die grünen blitzenden Augen. Er bückte sich zu ihr hinab, die Hände auf den Knien. – Milch für das Pussilein, sagte er. – Mrkgnau! schrie die Katze. Die sollen nun dumm sein. Dabei verstehen sie besser, was wir sagen, als wir sie verstehn. Die da versteht haarscharf alles, was sie verstehen will.«

Außerdem hat Joyce seinem Enkelsohn 1936 zwei Briefe geschrieben, in denen sich jeweils eine Katzengeschichte befand: Die Katze und der Teufel und Die Katzen von Kopenhagen. Während Die Katze und der Teufel bereits in zahlreichen (auch deutschsprachigen) Anthologien erschienen ist, wurden Die Katzen von Kopenhagen im vergangenen Jahr erstmals in Dublin in einer bibliophilen Ausgabe mit einer Auflage von nur 200 Exemplaren veröffentlicht.

Joyce

Bibliophile Erstausgabe der Erzählung in 200 Exemplaren. Dublin 2012. Foto: Detlef Bluhm

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