Die fliegende Helikopter Katze des Bart Jansen

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Der mit Einzelausstellungen bisher außerhalb der Niederlande nicht in Erscheinung getretene und weder in der deutschen noch in der niederländischen Wikipedia verzeichnete Künstler Bart Jansen hat medial in den letzten Tagen international durch eine umstrittene Installation Aufsehen erregt. Er nutzte seine (nach eigener Aussage) bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Katze, um aus ihrem Fell einen flugfähigen Helikopter mit vier Rotoren zu bauen. Nähere Informationen dazu hat Spiegel-online am 4. Juni 2012 veröffentlicht:

»Der niederländische Künstler Bart Jansen hat eine etwas ungewöhnliche Art, seiner toten Hauskatze die letzte Ehre zu erweisen: Aus dem abgezogenen Fell des Tieres konstruierte er einen Helikopter. Genauer gesagt einen Quadrocopter. An jede der vier ausgestreckten Pfoten des Katers montierte der Modellflugpilot Arjen Beltman in seinem Auftrag einen Rotor, das Ganze ist auf einem Gestell aus Plastik montiert. ›Respektvoll‹ gegenüber seiner toten Katze sei das, heißt es im Begleittext zu einem Video. Das Tier mit dem Namen Orville Wright – in Anlehnung an einen der beiden Wright-Brüder – sei von einem Auto überfahren worden, und nun sei es ›halb Katze, halb Maschine‹. Zu Lebzeiten war Orville verrückt nach Vögeln, künftig soll er mit ihnen fliegen können. Orvillecopter nennt Jansen sein Kater-Kunstwerk. Die Meinungen über den fliegenden Kater gehen auseinander. Unter dem YouTube-Video des ersten Testflugs kommentierte ein Nutzer namens JoergDD2DX: ›Ausgestopfte Katze … Bart, du bist einfach nur pervers, aber kein Künstler!‹ Auch anderswo wird geschimpft. In einem Forum für Modellhubschrauber schreibt ein User namens Crizz: ›Ich weiß nicht, was der sich eingeworfen hat, aber irgendwo hörts auch mal auf. Vielleicht sieht man als nächstes den Piloten selber zum Quad umgebaut … ‹ Auf einer ähnlichen Plattform kann ein User diese Aufregung nicht verstehen. ›So leid es mir auch tut, ich seh da jetzt nichts so abartiges. Die Katze war tot und wäre somit sowieso entsorgt worden. So hat sie wenigstens einen letzten Sinn‹, schreibt er. Auf Twitter resümiert User AndiH gelassen: ›Bevor da kein ausgestopfter Blauwal als Quadrocopter fliegt, ist das doch alles Killefitz.‹ Tatsächlich ist die Kunst mit toten Tieren nichts Neues. Für Faszination und Empörung sorgte schon die Künstlerin Iris Schieferstein; der Fotokünstler Magnus Mohr schuf Werke aus getrockneten toten Fliegen. Der fliegende Orville ist nun im Rahmen einer Kunstausstellung in der St. Art Gallery in Amsterdam zu sehen. Als nächstes soll der Orvillecopter einen stärkeren Antrieb bekommen.«

Hier das Video der fliegenden Katze mit einem Interview des Bart Jansen:

Soweit also der skurrile Sachstand, der viele Fragen aufwirft. Zunächst einmal auf dem Feld der Kunst. Kunst mit toten Tieren ist, wie der Spiegel zu Recht anmerkt, nicht neu. Da wären dann noch ergänzend die Kunstobjekte von Damien Hirst zu ergänzen: beispielsweise sein in Formaldehyd eingelegter Tigerhai mit dem Titel The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living (Die physische Unmöglichkeit des Todes in der Vorstellung eines Lebenden) aus dem Jahr 1991. Insofern ist der Orvillecopter unter kunstgeschichtlichen Aspekten wohl lediglich als epigonal zu bewerten. Aber das hilft bei der Bewertung des Orvillecopter nicht viel weiter.

Machen wir also einen kleinen Umweg: Wer das Lenin-Mausuleum in Moskau besucht hat und an dem im Halbdunkel präsentierten, einbalsamierten Leichnam des russischen Revolutionäres vorbeidefiliert ist, kann sich kaum eines gewissen Schauderns erwehren. Zumal bekannt ist, dass die Einbalsamierung und öffentliche Präsentation des Leichnams nicht Lenins Idee, sondern die des damaligen Politbüros war. Übrigens gegen den Willen seiner Witwe. (Da Lenin selbst von diesem Plan nichts wissen konnte, konnte er sich auch nicht dafür oder dagegen aussprechen.) Bis heute werden immer wieder Stimmen laut, dem Leichnam Lenins endlich seine letzte Ruhe zukommen zu lassen. Ich denke es gehört zum archetypischen Inventar der Menschheit, den Verstorbenen ihre letzte Ruhe zu gewähren, einen Leichnam nicht gegen den Willen des Verstorbenen für irgendwelche Zwecke zu nutzen. Leichenschändungen (wie vor einiger Zeit in Afghanistan) provozieren deshalb auch einen weltweiten Aufschrei.

Tiere können nun einmal in Bezug auf die Verwendung (und Verwertung) ihres Leichnams nicht befragt werden. Insofern bin ich der Meinung, dass es pietätlos ist, den Leichnam von Haustieren (bleiben wir der Einfachheit halber bei diesem Beispiel) in ein sogenanntes Kunstwerk zu verwandeln und dieses dann auch noch auf dem Markt anzubieten – im Falle des Orvillecopter immerhin für 12.000,- Euro. Den Leichnam eines geliebten Haustieres in Bargeld umzumünzen, hat einen für mich jedenfalls schrecklichen Beigeschmack.

Noch ein Gedanke: Es mag ja sein, dass der Kater zu Lebzeiten tatsächlich auf den ungewöhnlichen Namen Orville hörte. Angesichts der späteren Verwendung seines Leichnams als Flugobjekt erscheint dies aber als sehr merkwürdiger Zufall. Es sei denn, der Künstler hat schon zu Lebzeiten des Katers daran gedacht, ihn nach seinem Tod in das entsprechende Kunstobjekt zu verwandeln. Aber das ist natürlich reine Spekulation.

Es bleiben also einige Fragen offen und viele kontroverse Diskussionen. Und plötzlich ist ein Name in der Welt, den vorher niemand kannte. Aber vielleicht wollte Bart Jansen ja genau das bezwecken.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Katzenklo

6 Antworten zu “Die fliegende Helikopter Katze des Bart Jansen

  1. Ich finde das unsagbar schrecklich, das arme Tier als Helikopter umzubauen. Ich bin so schon kein Fan von Tierausstopfung nach dem Tod etc. und das geht echt zu weit. Wie kommt man nur auf so eine dämliche Idee? Sowas müsste verboten werden. Das Tier soll seinen Frieden finden.. Wahrscheinlich ist das seine Interpretation zu „Mit der Seele in den Himmel steigen“

    Grausam!!

    • Sylke

      schaurig! Wenn man Tiere, besonders seine Katze liebt, macht man das nicht aus ihr…ich kann gar nicht hinsehen. Es sollte verboten werden! Oder möchte Herr Jansen auch nach seinem Tot nackt als Flugobjekt oder ähnliches für alle zu sehen sein?
      Sylke

  2. Maike

    Pervers und gleichzeitig öde, da nicht mal originell. Sowas habe ich schon viel zu oft gesehen, hier ist noch ein Beispiel aufgeführt: http://www.maikegrunwald.com/artikel/kultur-a-entertainment/89-galerie-der-geschmacksverirrungen.html.
    Nur traurig, dass solch fantasieloses Heischen nach Aufmerksamkeit immer wieder funktioniert.

  3. Dieter

    Mein Gott, ich finde daran nichts perverses. Pervers ist , wie wir Deutschen Fleisch produzieren, und mit Tieren, die wir essen, umgehen bzw. halten. Jeder, der mal im Heimatmuseum war, hat dort auch schon einen ausgestopften Adler , Hirsch, oder sonstiges gesehen. Und ? Furchtbar aufgeregt ? Als pervers empfunden ? Die Katze ist mit ihrer Seele ohehin woanders, und findets vielleicht cool, so wiedergeboren zu werden. Also, Balle flach halten, und vor der eigenen Fleischkonsum-Haustür kehren.

  4. Dani

    Ich finde es respektlos und unästhetisch wie hier mit einem toten Tier umgegangen wird. Stellt Euch vor man würde die verstorbene Oma als Helikopter umbauen. Ginge ja auch gar nicht, oder ?
    PS.: Bin Vegetarier und bin ebenfalls über die Fleischproduktion in Deutschland entsetzt. Das ist natürlich noch viel viel schlimmer als das hier. Aber gerade nicht Thema.

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