Wenn Menschen Gott spielen

In der ersten Druckausgabe des bisherigen online-Magazins Pfotenhieb findet sich ein sehr lesenswerter Artikel über die Zucht von Wildkatzenhyriden. Lesenswert deshalb, weil er sich für ein Katzenmagazin außergewöhnlich kritisch mit der planvollen Kreuzung von Haus- mit Wildkatzen auseinandersetzt.

Wovon ist hier die Rede? Auf der Suche nach immer neuen Zuchtsensationen sind Katzenzüchter vor einiger Zeit auf die Idee gekommen, Hauskatzen mit Wildkatzen zu verpaaren, um sogenannte Wildkatzenhybriden zu schaffen. Die Bengal (Kreuzung der wilden südostasiatischen Bengal- oder Tigerkatze mit Hauskatzen) oder die Savannah (Kreuzung des afrikanischen Servals mit einer Hauskatze) sind beispielsweise längst von vielen Katzenzuchtverbänden als eigenständige Rassen anerkannt.

In jüngster Zeit plante ein deutsch-österreichisches Zuchtprojekt die Kreuzung aus dem afroasiatischen, wilden Karakal mit einer Maine Coon-Katze. Karakat (oder Caracat) ist der Name dieser absurden Schöpfung. Man sollte sich in diesem Zusammenhang einmal dieses faszinierende Video über das Jagdverhalten des Karakal anschauen:

Pfotenhieb beschreibt in dem oben erwähnten Artikel sehr ausführlich die Gefahren dieser (und anderer) Hybridenzucht: Durch den Größenunterschied der verschiedenen Arten kann das Austragen eines Hybriden leicht zum Tod der kleineren Mutterkatze kommen. Die unterschiedliche Tragedauer der an der Zucht beteilgten, verschiedenen Arten kann zu einem unreif geborenen Hybridenkitten ohne Saugreflex führen. Wissenschaftlich bewiesen sei ferner die häufig vorkommene Sterilität der Nachkommen. Und außerdem kann das genetisch vorhandene Wildkatzenwesen auch von inzwischen gezähmten Elterntieren weitervererbt werden. Warum, so fragt man sich, kommen also Menschen auf die Idee, so unterschiedliche Arten miteinander zu verpaaren?

Der Kommentar zu einem ganz anders gearteten Zuchterfolg in der Welt vom 2. Dezember 1998 gibt darauf eine Antwort: »Eine Züchterin aus Hessen hatte damit geworben, taube Katzen zu verkaufen. Diese seien geduldiger im Umgang mit Kindern. Das Amtsgericht Kassel verurteilte sie wegen einer vorsätzlichen Qualzucht zu 500 Mark Geldbuße. Tiere sind dem Menschen gleichwertige göttliche Geschöpfe, befand einst der heilige Franz von Assisi, der Schutzpatron der Tiere. Doch seit der Mensch begann, wilde Tiere zu zähmen, hat er den Ehrgeiz, selbst Gott zu spielen und seine tierischen Hausgenossen nach seinen Vorstellungen zu formen. Dabei fasziniert ihn gerade das Extreme und Abnorme. Auf die natürlichen Bedürfnisse der Tiere wird keine Rücksicht genommen.«

Sehr ausführlich hat sich Anika Abel auf ihrem Blog Haustiger mit der Karakat-Zucht beschäftigt: http://bit.ly/A73GTG

Zum Thema Zuchtkatzen und Qualzucht sei auf drei Artikel in diesem Blog verwiesen:

https://katerpaul.wordpress.com/2012/01/20/uber-katzenzucht-13/

https://katerpaul.wordpress.com/2012/01/20/uber-katzenzucht-23/

https://katerpaul.wordpress.com/2012/01/22/uber-zuchtkatzen-33/

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