Joachim Rágóczy – ein fast vergessener Maler und Katzenfreund

Joachim Rágóczy, Katzenskizze, Aquarell, um 1925, Privatbesitz

Dieses ausdrucksstarke Aquarell von Joachim Rágóczy (1895-1975) zählt zu einem vermutlich mehrere Tausend Katzenbilder umfassenden Werkes des heute (zu Unrecht) fast vergessenen Malers, der gemeinsam mit Hannah Höch, George Grosz und Karl Hubbuch – um nur einige zu nennen – bei Emil Orlik studierte, dem er bis zu dessen Tod 1932 als Privatsekretär und Assistent diente. Darin liegt paradoxerweise auch der Grund für Rágóczys geringer kunstgeschichtlicher Präsenz: Er blieb immer im Schatten seines Meisters, hat aber dennoch ein beträchtliches Werk geschaffen, das sich keinesfalls nur um Katzen drehte, die aber hier ausschließlich interessieren.

Foto: Engelhardt Hübschmann, 1927, entnommen aus: »Joachim Rágóczy 1895-1975«, Katalog der Galerie Bodo Niemann, 1989

Viel ist über das Verhältnis von Rágóczy zu Katzen nicht bekannt. Immerhin hat Hannes Schwenger in einem Textbeitrag zu dem o.g. Katalog der Galerie Bodo Niemann folgendes bemerkt: »Neue künstlerische Anregungen geben gelegentlich noch Reisen, die geliebten Katzen …« Und der Galerist Michael Bühnemann, der Rágóczy mehrfach ausgestellt hat, berichtet, dass Rágóczy einen erheblichen Teil seines Lebens mit Katzen zusammengewohnt hat. In Rágóczys Briefen von der Nord- und Ostsee an seine Frau Irma finden sich allerdings einige Andeutungen über Katzen. So sorgt er sich am 6. August 1930 aus Langballigau, einem kleinen Küstenort östlich von Flensburg, streng über das Sexualleben seiner daheimgebliebenen Katzen: »Wenn Minka jetzt mit ihrem eigenen Sohn anfängt, so muss Priebel kastriert werden. Solche Blutschanden dulde ich nicht.« Gut einen Monat später heißt es von dort in einem anderen Brief: »Ich habe, da es Sonntag ununterbrochen regnete, die kleine Dittmer gemalt, das Bild ist beinahe fertig und ist nicht schlecht geworden. Die Kleine ist jetzt elfeinhalb, ganz blond, rosa Kleid mit blaugestreifter Schürze, ich habe sie mit der Katze gemalt, die sie im Arm hält.« Nach dem genannten Ölbild entstand im gleichen Jahr dieser Farbholzschnitt:

Mädchen mit Katze (Langballig), Farbholzschnitt, um 1930, entnommen aus: »Joachim Rágóczy, Mitmachen kann ich da nicht – Malerbriefe von Ost- und Nordsee 1928-1939«, Museumsberg Flensburg, 2007

Am 18. September 1929 erzählte Joachim Rágóczy seiner Frau von einem nicht-alltäglichen Erlebnis: »Heute morgen – ich war schon halb acht Uhr auf – kam die Katze, als ich Wasser holte, schnurrend und sprang an mir hoch. Ich sah im Gras die Reste einer blutigen Mäusemahlzeit, die Katze freute sich so und hat mir dabei die Hände voll Mäuseblut beschmiert, dass Frau Möller ganz ängstlich fragte, was ich nur getan hätte.« Und am 13. August 1933 berichtet er aus Nidden von der Kurischen Nehrung: »Gestern abend, es regnete in Strömen, nahm ich mir einen Kater mit ins Zimmer, um ihn zu zeichnen.«

Katze, Farbholzschnitt, 1953, Foto: Privatarchiv Kater Paul

So bleiben neben wenigen Textbelegen vor allem die vielen Bilder, Aquarelle und Holschnitte, die Joachim Rágóczys Zuneigung zu Katzen belegen – und seine Vertrautheit mit ihnen, ohne die solche Potraits nicht hätten entstehen können.

Kater, Aquarell, 1930, Foto: Privatarchiv Kater Paul

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter KunstKatzen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s