Über Katzensteuer

In Zeiten großer wirtschaftlicher Schwiertigkeiten und Turbulenzen wundert es ein wenig, dass nicht längst von Seiten der Steuerverwaltung die Forderung nach Einführung einer Katzensteuer erhoben worden ist. Denn diese Idee taucht mit schöner Regelmässigkeit immer wieder einmal auf. Hundehalter fordern sie im Interesse einer Gleichbehandlung und Finanzpolitiker denken mit €-Zeichen in den Augen an die fast 220 Millionen, die die Hundesteuer jährlich einbringt. Bei der Erörterung dieser Frage darf allerdings nicht ausser acht gelassen werden, dass das Recht zur Einführung einer Katzensteuer keinesfalls beim Bund, sondern bei den Ländern, genauer bei den Gemeinden, liegt – jedenfalls heute.

Die Hundesteuer wurde erstmalig 1810 zur Finanzierung des Preußischen Heeres eingeführt, und auch eine Katzensteuer hat es, obwohl fast vergessen, in der Vergangenheit schon gegeben. Seit 1894 galt in Emmerzhausen (Westerwald): »Die erste Katze ist frei, die zweite kostet eine Reichsmark und die dritte Katze wird mit drei Reichsmark besteuert. Zwei Monate nach der Geburt werden die Katzen steuerpflichtig.« Diese Regelung wurde allerdings schon 1902 wieder aufgegeben. »Als Maßnahme im Kampf gegen unerwünschte Mitesser in den Notzeiten des Krieges« wurde im Oktober 1916 in Dresden eine Katzensteuer von zehn Reichsmark eingeführt. Auch diese Steuer hatte nicht lange Bestand.

Im Jahr 2003 ist Deutschland allerdings an der neuerlichen Einführung einer Katzensteuer mit Bravour vor- beigekommen: Mit nur einer Gegenstimme beschloß der Rat der schwäbischen Gemeinde Gäufelden den Antrag einer sich belästigt fühlenden Einwohnerin auf Erhebung einer Katzensteuer »nach gründlicher Diskussion« abzulehnen. Interessant sind die Entscheidungsgründe. So heißt es im offiziellen Protokoll der Sitzung, »eine Katzensteuer kann auch nicht ohne weiteres mit der Hundesteuer verglichen werden«, denn »die Hundesteuer soll dazu beitragen, die Hundehaltung einzudämmen und die damit verbundenen Belästigungen und Gefahren für die Allgemeinheit (z. B. Verschmutzung von Gehwegen, Kinderspielplätzen, Grünanlagen usw., Gefährdung von Kindern, Fußgängern, Lärmbelästigung) zu verringern.« Schon das Argument der Verschmutzung überzeugt, denn die Beseitigung von Hundekot verschlingt erhebliche Mittel. In Berlin beispielsweise sind jährlich über 20 000 Tonnen an »Hundehäufchen« zu entsorgen. Ein weiterer Beweggrund der ablehnenden Entscheidung war die Tatsache, dass »sich eben anders als bei Hunden nicht alle Katzen ohne weiteres einem bestimmten Haushalt zuordnen« lassen. »Ebenfalls von Bedeutung für die Entscheidung des Gemeinderats waren die zu erwartenden Verwaltungskosten. Bei einer Katzensteuer würde der Erhebungs- und Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag stehen.« Und dann heißt es in dem Protokoll abschließend und weise: »Die Abwehr der Katzen muss dem privaten Grundstückseigentümer überlassen bleiben. Es können nicht alle Probleme, auch wenn sie für den einzelnen sehr erheblich sind, durch Maßnahmen des Staates gelöst werden.« Der Rat der Gemeinde Gäufelden hat uns vom Glauben an die grundsätzliche Möglichkeit vernünftigen Verwaltungshandelns überzeugt.

Auch der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude hat sich sehr weise und überzeugend zum Thema der Katzensteuer geäußert: »Wenn Katzen etwas von steuerlichen Fragen verstünden, was getrost ausgeschlossen werden darf, wären sie allenfalls darüber befremdet, dass die Katzenhaltung nicht vergnügungssteuerpflichtig ist.«

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Curiositäten

Eine Antwort zu “Über Katzensteuer

  1. Bemerkenswerter Artikel. Würde gern mehr Beitraege zu der Thematik lesen.

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