James Dean und sein Siamkater Marcus (3/3)

Beulah Roth ist beileibe nicht die einzige, die sich über die starke Zuneigung von James Dean zu seinem Kater Marcus geäußert hat. Wesentlich früher als sie, schon ein Jahr nach James Deans Tod, erzählte William Bast, einer seiner besten Freunde, die Geschichte dieser ungewöhnlichen und unerwarteten Zuneigung in seinem Erinnerungsbuch James Dean. A Biography so: »In den darauffolgenden Wochen schenkte er Marcus sein ganzes Herz. Er kümmerte sich viel um sein Wohlergehen und eilte in den Mittagsstunden aus dem Aufnahmeatelier heim, um das Tierchen zu füttern und bei ihm zu sein. Abends ging er nie aus, ohne zuerst für Marcus zu sorgen. Er kam jetzt sogar früher nach Hause, um seinen kleinen Freund nicht zu lange allein zu lassen. Und so brachte ein schieläugiges, gelbbraunes Fellknäuel das erstaunliche Wunder zustande, den unberechenbaren James Dean zu zähmen.«

Die Umstellung seines Lebens machte James Dean allerdings nicht nur Freude. Beulah Roth erinnert sich an ein Gespräch mit ihm, in dem er sich darüber beklagt, daß das Zusammenleben mit Marcus ihm viel abverlangt:

»Die einzige Klage, die ich von ihm hörte, bezog sich darauf, daß er jetzt immer so früh aufstehen mußte.«

›Weißt Du, ich liebe es auszuschlafen‹, sprach er mich an.

›Dann schlafe doch aus‹, antwortete ich. ›Du kannst es Dir ja erlauben.‹

›Wie soll ich das mit Marcus machen?‹ insistierte er. ›Weißt Du, manchmal frage ich mich, ob er es wert ist. Er weckt mich jeden Morgen in der Frühe. Hättest Du mir nur nicht zu ihm geraten.‹

›Du kannst ihn jederzeit weggeben‹ sagte ich prüfend.

›Ihn weggeben?‹ sagte Jimmy.

›Ja‹, antwortete ich. ›Ich kenne jemanden, der sehnt sich nach einen kleinen Siamkater. Sehr verantwortungsbewußte Menschen. Gib ihn in ein gutes Heim.‹

›Bist Du nicht mehr richtig im Kopf?‹

›Das ist es nicht, Jimmy. Ich versuche nur, einen Ausweg für Dich zu finden.‹

›Das klingt aber nicht so.‹

›Ich denke ja nur, wenn Du Marcus wirklich loswerden willst … ‹

›Ihn weggeben?‹ Seine Stimme bebte. ›Lieber würde ich sterben. Ich liebe ihn mehr als alles auf der Welt.‹

»Ich denke, das war einfach die Wahrheit. In seiner schrecklichen Einsamkeit war der einzige Freund, den er wirklich hatte, ein kleiner Siamkater.«

James Deans Einsamkeit, die alle spürten, die ihn näher kannten, war auch Nicholas Ray nicht verborgen geblieben. Die Zuneigung, die James Dean zu Marcus entwickelt hatte, muß den Regisseur von Denn sie wissen nicht, was sie tun stark beeindruckt haben. Um eine Charakterisierung von James Dean gebeten, verglich er ihn mit dem Wesen einer Katze: »Manchmal zieht sie sich vollkommen zurück, die Welt scheint ihr zu mächtig zu sein und sie wird unruhig, verdrossen und unnahbar. Dann gibt es wiederum Tage, an denen sie um Sympathie und Aufmerksamkeit geradezu bettelt. Es ist eine Kreatur, die nie ganz domestiziert wurde und immer noch atavistische Erinnerungen an ein freies und leichteres Leben hat. Mit der Welt, in der sie leben muß, kommt sie nicht wirklich zu Rande, sie will sie manchmal ganz verlassen, kommt jedoch zurück, weil es eine andere Welt nicht gibt.«

Am 29. September 1955 – es ist ein Donnerstag und die Dreharbeiten zu Giganten sind seit einer Woche beendet – bringt James Dean Marcus zu einer Freundin. Janette Miller hat sich bereit erklärt, Marcus das Wochenende über zu versorgen. Am nächsten Tag will Dean nach Salinas fahren, um dort mit seinem neuen Porsche an einem Autorennen teilzunehmen. Janette freut sich auf Marcus, denn sie liebt Katzen. Bevor sich James Dean von Janette und Marcus verabschiedet, schreibt er noch eine Anweisung zur Fütterung des Katers auf die Rückseite eines gebrauchten Briefumschlages:

1 Teelöffel weißes Karo-Sirup

1 große Büchse Kondensmilch

Die gleiche Menge abgekochtes oder destilliertes Wasser

1 Eidotter

verrühren und kühlen

Füttere ihn nicht mit Fleisch oder Tiefgekühltem

Ein Tropfen Vitaminlösung jeden Tag

Bringe Marcus in der nächsten Woche zu Dr. Cooper in der Melrose zum Impfen.

Keine 24 Stunden nachdem er Marcus zum Abschied gestreichelt hatte, ist James Dean tot, gestorben an einem Genickbruch, den er bei einem von ihm nicht verschuldeten Autounfall mit seinem Rennwagen auf dem Weg nach Salinas erleidet. Über den Verbleib von Marcus gibt es keine gesicherten Nachrichten.

Advertisements

4 Kommentare

Eingeordnet unter Filmkatzen

4 Antworten zu “James Dean und sein Siamkater Marcus (3/3)

  1. Tolle Ausfuehrungen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr auseinandersetzen! Bin gespannt auf neue Beitraege!

  2. Pingback: James Dean und sein Siamkater Marcus (2/3) | Kater Paul

  3. A. S.

    Bitte ändern Sie die Jahreszahl von 1995 auf 1955 ab. (Tippfehler)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s