James Dean und sein Siamkater Marcus (2/3)

Wie James Dean zu seinem Kater Marcus kam

Die ein Jahr jüngere Liz Talor gehörte zu den wenigen, mit denen sich James Dean während der Dreharbeiten zu seinem dritten Film Giganten anfreundete. Ihr konnte er sich wenigstens ein Stück weit anvertrauen. Er ezählte ihr auch von seiner tiefen Zuneigung zu Louis XIV., dem Siamkater seiner Freunde Beulah und Sanford Roth – und wohl deshalb kam sie eines Tages auf die Idee, sich für ihn nach einem Siamkater umzuschauen. Gegen Ende Juli rief sie ihn am Ende eines Drehtages in ihre Garderobe und überreichte ihm einen kleinen Siamkater als Geschenk. James Dean soll sprachlos vor Glück gewesen sein. Er gab seinem Kater den Namen Marcus.

Obwohl diese Geschichte in fast allen Biographien über James Dean erzählt wird, sind Zweifel an deren Wahrheitsgehalt angesagt. Denn Beulah Roth erzählt in ihrem Erinnerungsbuch The Cosmopolitan Cat die Geschichte, wie James Dean und Marcus zueinander fanden, ganz anders: »Es existierte ein dünner, trennender Vorhang zwischen Jimmy und der Welt. Diesen Vorhang gab es zwischen ihm und Katzen nicht. Wohl deshalb fällte er eines Tages die Entscheidung, daß er auch einen Kater haben wollte – einen, der so ähnlich wie nur möglich wie Louis sein sollte. Er bat mich, ihm bei der Suche nach einem Siamesen zu helfen. Also hockten wir uns über die Anzeigenseiten verschiedener Zeitungen und schließlich fanden wir ein vielversprechendes Angebot aus Venice – Venice in Kalifornien, so ist es gewesen. Jimmy und ich fuhren sofort dorthin und fanden in einem typisch kalifornischen Bungalow eine ältere Dame mit lila Haaren, die mit einem spanischen Kamm hochgesteckt waren. Sie trug ein Batikkleid, und schnell wurden wir mit ihr einig über den Kauf eines der schönsten Siamkätzchen, das man sich nur wünschen kann.«

Sicherlich, die Geschichte mit Liz Taylor ist wesentlich glanzvoller. Die Taylor hatte schon als Kinderstar und romantische Schönheit in Hollywood Karriere gemacht. In Giganten aber sollte sie erstmals die Schauspielpersönlichkeit voll entfalten, die sie zu einem Weltstar werden ließ. James Dean war ebenfalls auf dem Weg zum Olymp. Während der Dreharbeiten zu Giganten verhandelte seine Agentin mit Warner Brothers über einen Vertrag, der zehn Kinofilme umfassen sollte und für jeden Film eine Gage von einhunderttausend Dollar vorsah, ein für diese Zeit fast unvorstellbares Honorar. In Giganten spielte James Dean alle anderen Darsteller an die Wand, auch Rock Hudson, der tobend darauf reagierte. Eine bessere Human Story wie die mit dem Siamkätzchen hätten sich die PR-Verantwortlichen von Warner Brothers nicht ausdenken können. Zwei angehende Weltstars, verbunden durch eine ungetrübte Freundschaft und einen kleinen Siamkater. Trotzdem – glaubwürdiger ist der Bericht von Beulah Roth. Er ist genau beschrieben, detailreich und nachvollziehbar. Und warum sollte Beulah Roth, acht Jahre nach Deans Tod, als die Taylor-Geschichte längst in aller Munde war, eine Unwahrheit erfinden? Vielleicht haben Liz Taylor und James Dean diese PR-trächtige Version ja auch zusammen ausgeheckt? Das würde zumindest James Deans Naturell entsprechen. Wie dem auch sei: James Dean muß seinen Kater abgöttisch geliebt haben. Auch darüber berichtet Beulah Roth: »Anschließend [nach dem Kauf von Marcus] rief Jimmy mich drei oder vier Mal am Tag an, um mich dies und jenes in Bezug auf den kleinen Kater zu fragen. Keine Mutter hat sich je besser um ihr Kind gekümmert, als Jimmy um Marcus. Er gab ihm exakt die richtige Menge Futter, maß ihm die Temperatur, prüfte mit einem Lineal, ob sein Wachstum richtig vonstatten ging, untersuchte die Katzenkiste, um sicher zu sein, daß Marcus keine Würmer hatte und ging mit ihm regelmäßig zum Tierarzt, wo er ihn festhielt, wenn Marcus seine Spritzen bekam. Er richtete ihm ein Bett her, um Marcus schließlich in seinem eigenen schlafen zu lassen. Jimmy liebte Marcus, er sorgte sich um ihn, verwöhnte ihn, kümmerte sich unablässig um das Wohlergehen seines kleinen Kater. Dieser Junge, der jedes Mädchen auf der Welt haben konnte, dem jede Tür offenstand – er gab einem kleinen Siamkater den Vorzug.«

Teil 3 siehe hier: https://katerpaul.wordpress.com/2012/01/16/james-dean-und-sein-siamkater-marcus-33/

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Filmkatzen

3 Antworten zu “James Dean und sein Siamkater Marcus (2/3)

  1. Pingback: James Dean und sein Siamkater Marcus (1/3) | Kater Paul

  2. Inspirierender Blogpost.Ich habe ein paar frische Denkanstoesse bekommen. Freue mich schon auf neue Beitraege zum Thema.

  3. pragerschwalbe

    sehr gut!katzen sind die geilste tiere!liebe grüsse aus prag

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