Petrarcas Katze

Francesco Petrarca (*Arezzo 1304, † Arquà 1374) war ein  italienischer Schriftsteller der Frührenaissance, von dem dieser bemerkenswerte Satz überliefert wird: »Die Menschheit läßt sich grob in zwei Gruppen einteilen: in Katzenliebhaber und in vom Leben Benachteiligte.«

»Petrarcas Nachtwache«, Kupferstich von Jacob Wilhelm Mechau, 1785

Auf dem hier abgebildeten Kupferstich aus dem Buch Über die Einsamkeit (1785) von Johann Georg Zimmermann sehen wir in der unteren linken Bildecke Petrarcas berühmte Katze.

Nach Petrarcas Tod soll dessen Schwiegersohn Petrarcas Katze mumifiziert haben. Der deutsche Schriftsteller Graf August von Platen fand bei seinem Besuch in Petrarcas Haus in Arquà zwar keine Katzenmumie, aber das Skelett einer Katze vor und schrieb dazu 1858 dieses Epigramm: »Heil dir, kleines Skelett, das einst die unsterblichen Rollen | Eines unsterblichen Manns gegen die Mäuse geschuützt.« Heute kann man in der Casa del Petrarca wieder eine Katzenmumie anschauen, die in einer verglasten Wandnische ausgestellt ist.

Vollständige Ansicht vom Wandgrab der Katze des Petrarca. Entnommen aus: Achim Aurnhammer, Petrarcas Katze, Manutius Verlag Heidelberg 2005

Detailansicht, Foto privat

Die zwei lateinische Epigramme unterhalb der Katze stammen von Antonio Querenghi (1546-1633) und lauten in der deutschen Übersetzung so:

»Der toskanische Dichter entbrannte in zweifacher Liebe. | Mir galt die feurigste Glut, Laura [Petrarcas Frau] kam erst danach. | Wie? Du lächelst? Verdiente sich jene des Trefflichen Liebe | Durch ihrer Schönheit Reiz, war es die Treue bei mir.| Und wenn jene den heiligen Schriften Rhythmus und Geist gab, | war ich der Grund dafür, daß keine Maus sie fraß.

Lebend hielt ich die Mäuse stets fern von der heiligen Schwelle, | daß nur den Schriften des Herrn durch sie kein Unheil geschah. | Auch noch nach meinem Tod jage ich ihnen zitternde Angst ein, | und im entseelten Leib lebt meine Treue wie einst.«

In der gedruckten Fassung dieser Epigramme aus dem Jahr 1616 findet sich noch eine dritte Strophe, ein Dialog zwischen dem Betrachter des Grabes und der Katze selbst:

»Katze, du Liebling uns’res toskanischen Dichters, was hegst du | so lange nach seinem Tod noch dieses heilige Haus? | Ich fahre fort, die herrlichen Schriften des Herrn zu bewahren, | denn meine Miene erfüllt Mäuse mit Schrecken und Angst.«

Die heute ausgestellte Katze stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert, kann also nicht die des Dichters sein. Eine ebenfalls sehr freie Darstellung der mumifizierten Katze Petrarcas zeigt ein Kupferstich von Hieronymus David aus dem Jahr 1635.


Wie auch immer, das heutige Grab von Petrarcas Katze ist ein wichtiges Denkmal, es erinnert an die Katze als Verteidigerin der Bücher. Diese Aufgabe der Katze wurde schon von vielen Dichtern besungen. So dichtete der Schriftsteller, Bibliothekar und Träger des Literaturnobelpreises Anatole France (1844-1924) diese Ode an seinen Kater Hamilkar: »Hamilkar, Hamilkar, 0 schlafsüchtiger Fürst der Bücherburg, nächtlicher Wächter! Gleich der göttlichen Katze, die in Heliopolis zur Nacht des großen Kampfes gegen die Gottlosen stritt, verteidigst du die Bücher, die der alte Weise für den Preis einer bescheidenen Barschaft und eines nimmermüden Eifers erwarb, wider die häßlichen Nager. … Denn du vereinst in deiner Person den furchtbaren Anblick eines tartarischen Kriegers mit der lässigen Grazie einer orientalischen Frau. Schlummere, heroischer und wollüstiger Hamilkar, in Erwartung der Stunde, da die Mäuse im Mondstrahl tanzen, vor den ›Acta Sanctorum‹ der gelehrten Bollandisten!«

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2 Kommentare

Eingeordnet unter KunstKatzen

2 Antworten zu “Petrarcas Katze

  1. Guter Blog, gefaellt mir sehr gut. Auch schoene Themen.

  2. kaspar hauser

    Laura war nicht Petrarcas Frau!

    Petrarcas Katze

    Petrarca liebte Lauren sehr
    Mich, seine Katze, dennoch mehr!
    Sie war nur schön, ich treu!
    Sie schaffte, daß er Lieder schrieb;
    Durch meine stillen Taten blieb
    Sein Buch von Mäusen frei.

    Johann Christoph Friedrich Haug – Petrarcas Katze

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