Charles Dickens (1812-1870) und das neue Aufbau-Haus

Gestern Abend wurde mit über 600 Gästen der Einzug des Aufbau-Verlages in sein neues Haus bis in die späte Nacht gefeiert und heute früh ging es gleich weiter: Ab 11:00 Uhr wurde in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, das gesamte Aufbau-Haus mit allen Mietern (und auch für sie) feierlich eröffnet.

Klaus Wowereit bei seiner humorvollen und sehr freudigen Ansprache zur Eröffnung des Aufbau-Hauses.

Was das mit Katzen zu tun hat? Nun, auch die meisten Mieter des Aufbau-Hauses werden diese Frage kaum beantworten können. Deshalb soll hier ausführlich darauf eingegangen werden.

Die Gäste der Feier erhielten nämlich das druckfrische und wunderschön gestaltete Buch »Unser Vater Charles Dickens« von Mary und Charlie Dickens als Geschenk. Kernstück des Buches sind die Memoiren der Tochter Mary (Mamie) Dickens, die 1897 unter dem Titel »My Father as I Recall Him« veröffentlicht worden sind.

Und in diesem Buch ist nicht nur die Rede von der Beziehung Charles Dickens zu seinen Kindern, sondern auch von der erstaunlichen Geschichte, die sich zwischen Charles Dickens und Williamina, der Katze seiner Tochter Mary, abgespielt hat:

»Wegen unserer Vögel waren Katzen im Haus verboten, doch ein Freund aus London schenkte mir ein weißes Kätzchen – Williamina –, und sie und ihre zahlreichen Nachkommen fanden in Gad’s Hill ein glückliches Heim. Sie wurde zum Liebling der ganze Familie und zeigte eine besondere Zuneigung zu meinem Vater. Ich erinnere mich, dass sie uns mit einem Wurf Kätzchen beglückte und eine Ecke im Arbeitszimmer meines Vaters als Nest erwählte. Sie brachte eines nach dem anderen aus der Küche an den von ihr gewählten Platz. Mein Vater rief mich, sie fortzubringen, und sagte, er könne nicht erlauben, dass die Kätzchen in seinem Zimmer blieben. Ich gehorchte, doch Williamina brachte eins nach dem anderen zurück. Wieder wurden sie fortgetragen. Beim dritten Mal setzte sie sich nicht in die Ecke*, sondern legte sie allesamt zu Füßen meines Vaters, gesellte sich dazu und sah ihn mit derart flehenden Augen an, dass er nicht länger widerstehen konnte und ihnen zu bleiben erlaubte. Als die Kätzchen älter wurden, waren sie immer lebhafter, kletterten die Vorhänge hoch, tobten um den Schreibtisch und tollten hinter den Bücherregalen herum. Doch er beschwerte sich nie, und sie lebten glücklich im Arbeitszimmer, bis die Zeit kam, eine andere Bleibe für sie zu finden. Eines der Kätzchen behielten wir. Da es fast taub war, blieb es namenlos und wurde wegen der Zuneigung zu meinem Vater von den Dienern die Katze des Masters genannt. Sie war immer bei ihm, pflegte ihm im Garten wie ein Hund nachzugehen und saß bei ihm, wenn er schrieb. Eines Abends gingen alle außer Vater auf einen Ball, und als wir aufbrachen, ließen wir den Master und seine Katze im Salon zurück. Der Master las an einem kleinen Tisch, auf dem eine brennende Kerze stand. Plötzlich ging die Kerze aus. Mein Vater, den sein Buch sehr interessierte, zündete die Kerze wieder an, streichelte die Katze, die ihn, wie er bemerkte, auffällig schwärmerisch ansah, und setzte seine Lektüre fort. Ein paar Minuten später, als das Licht schwächer wurde, blickte er gerade rechtzeitig auf, um zu sehen, wie das Pelztier absichtlich die Kerne mit der Pfote löschte, wonach es ihn flehentlich ansah. Dieser zweite und unmissverständliche Hinweis wurde nicht ignoriert, und der Stubentiger erhielt eine Streicheleinheit, nach der er verlangte. Als wir uns am nächsten Morgen beim Frühstück trafen, war Vater ganz besessen von dieser Geschichte.«

[* Vermutlich weil sie dachte, dass sie an diesem Platz nicht erwünscht war. Dass sie grundsätzlich in diesem Zimmer nicht bleiben sollte, konnte sich die Katze natürlich überhaupt nicht vorstellen. Anm. von Kater Paul]

Die hier erzählte Geschichte trug sich 1856 oder später zu, in diesem Jahr bezog Dickens mit seiner Famile Gad’s Hill Place, das Haus, das Mary Dickens in ihrem Text erwähnt. Wer jemals die Freude hatte, mit aufwachsenden Kätzchen zusammenzuleben, wer beobachten durfte, wie sie im gemeinsamen Spiel ihre täglich wachsenden Fähigkeiten erproben, der kann sich gut vorstellen, dass Charles Dickens oft in seinem Arbeitszimmer sass und den Kätzchen beim Spielen zuschaute, anstatt an einem neuen Werk zu arbeiten. Denn junge Katzen rauben einem viel Zeit, indem sie uns durch ihren Anblick reichlich beschenken.

 

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2 Kommentare

Eingeordnet unter KunstKatzen

2 Antworten zu “Charles Dickens (1812-1870) und das neue Aufbau-Haus

  1. Lorry

    Och, wie süß 😀
    Ich hab zuhause ja ein kleines Fläschenbaby (nicht mehr ganz so Baby mittlerweile, hehe, ist schon zwei Jahre alt 🙂 ), aber der Kater ist auch wie ein kleiner Schoßhund, läuft mir überall hin nach, liegt nachts neben mir, begrüßt mich, wenn ich komme, redet mit mir … 🙂
    Katzen sind einfach einmalig!
    Würd ihn um nix gegen ein anderes Haustier tauschen 😀

    Und Katzen sind teils auch wirklich total auf Personen versessen… mein Katerchen hasst es, wenn wir ihm das Profender Spot-on rauf geben… Geruch oder Gefühl, ich weiß es nicht.
    Jedenfalls hat das das letzte Mal meine Mum gemacht, weil sie die anderen zuhause auch gleich entwurmt hat und er hat rumgezickt wie ein Irrer und Ergebnis war, dass meine arme Mum nen riesen Fahrer über den Arm hatte.
    Diesmal selbes Spiel von vorne, dann kam ich grade zu der Zeit heim, nehm ihn hoch, er schnurrt wie immer, Mum gibt Profender drauf, nicht mal gezappelt… lol.

  2. Pingback: Cat_Calendar (4) vom 7. Februar 2013: Charles Dickens | Kater Paul

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