Domenico Rea und sein Kater Fritz

Vor kurzem hat der Hanser Verlag  die ab 1985 in einer neapolitanischen Tageszeitung erschienenen Kolumnen von Domenico Rea erstmals in Deutsch herausgegeben. Der italienische Autor hat in ihnen und in Begleitung einiger Freunde Streifzüge durch das nächtliche Neapel unternommen; Spaziergänge durch die wirkliche Stadt, aber auch Wanderungen durch die Erinnerungen und Empfindungen der Protagonisten.

Immer mit dabei ist sein schwarzweißer Kater mit Namen Fritz, der auch allerhand erlebt: »Und während der ganzen Zeit mußte ich Fritz in Schach halten; er kämpfte mit einem Pekinesen, der auf dem Schoß der Dame neben mir saß. Der Pekinese, der beißen wollte, wurde zum Schweigen gebracht durch die Krallen meines Fritz, der sie weiter ausfahren konnte, als ich gedacht hatte.« Fritz liebt beispielsweise Privatbibliotheken. Es bereitet ihm große Freude, »auf den Bücherborden herumzulaufen und Proben seines Seiltänzer- und Jongleurtalents zu geben.« Wie nebenbei stellt Fritz auch sein Jagdtalent unter Beweis: »In dem Moment kehrte Fritz zu uns zurück mit einer toten Maus im Maul. Er legte sie uns vor die Füße. Fritz massakriert die Mäuse, aber er frißt sie nicht. Er ist an Innereien bester Qualität gewöhnt, an Pralinen und Eis, aber er ist eigensinnig wie ein Jäger oder ein Arbeiter. Er will zeigen, dass er etwas kann.«

Der felide Gourmet taucht auf den 130 Textseiten des schmalen aber inhaltlich gewichtigen Buches insgesamt vierundfünfzig mal auf, und man fragt sich, was soll das bedeuten? Gibt es einen wirklichen Kater Fritz, der Domenico Rea tatsächlich auf seinen nächtlichen Exkursionen begleitet hat? Oder ist der Kater Fritz ein Alter Ego des Ich-Erzählers, das als Kater anders beobachten und handeln kann denn als Mensch?

Letztlich ist das wohl egal. Neapel zwischen Nacht und Morgengrauen ist ein so schönes, so nachdenkliches und wundersames Buch, einer der seltenen literarischen Glücksfälle in denen ein Autor es schafft, einen Kater sehr kenntnisreich und einfühlsam zu beschreiben und ihn dabei dennoch Kater bleiben läßt.

Unbedingt jetzt schon für den weihnachtlichen Gabentisch literarisch geneigter Katzenfreunde vormerken – aber vorher ganz vorsichtig selber lesen!

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