Der Kater General Sterling Price in »True Grit«

Sowohl in dem Roman True Grit (1968) von Charles Portis als auch in dem gleichnamigen Film (deutsch: Der Marshal) von 1969 spielt ein Kater namens General Sterling Price ein zwar kleine, aber nicht unbedeutende Nebenrolle, die gerne übersehen wird und deshalb hier endlich einmal angemessen gewürdigt werden soll. John Wayne gibt in dem spannend inszenierten Film den trinkfesten und meist mürrischen u.s. Marshal Rooster Cogburn. (Für diese Rolle erhielt er übrigens 1970 seinen einzigen Oscar in der Kategorie »Bester Hauptdarsteller«.) Wenn er einmal nicht auf Verbrecherjagd im Indianerreservat unterwegs ist, wohnt er bei dem alten Chinesen Shen-Lee, der in Fort Smith, Arkansas, einen kleinen Kolonialwarenladen betreibt. Dorthin lädt er das junge Mädchen Mattie Ross ein, das ihn unter Vertrag nehmen will, um den Mörder ihres Vaters zu finden. Auf dem Ladentresen liegt ein rotgestromter Kater. Mit den Worten »Das ist mein Neffe General Sterling Price« stellt er ihr den Kater vor. Nach dem Essen erschießt Rooster eine riesige Ratte, die sich ins Zimmer verirrt hat. Mattie trägt sie hinaus. General Sterling Price folgt ihnen schnurrend und schnappt sich die Ratte. »Das war eigentlich ihre Aufgabe!« beschwert sich das Mädchen. Nachdem Rooster am nächsten Morgen seinen Rausch ausgeschlafen und den Vertrag mit Mattie unterzeichnet hat, schmust er ausgiebig mit dem Kater. Im Reservat, auf der Jagd nach dem Mörder, entspinnt sich in der Nacht vor dem Gefecht ein Gespräch zwischen Rooster und dem Mädchen. Er erzählt ihm von seiner Frau, die ihn vor Jahren verlassen hat. »Und jetzt haben Sie niemanden mehr, bis auf Shen-Lee und die kleine Katze«, stellt Mattie fest. »Nun, General Sterling Price gehört mir nicht«, antwortet Rooster Cogburn. »Katzen gehören niemandem. Er wohnt lediglich mit mir zusammen, weil ich auf ihn angewiesen bin.« – Das ist doch ein erstaunliches Bekenntnis für den alten Haudegen! –

Nach der abenteuerlichen und selbstverständlich erfolgreichen Verbrecherjagd kehrt Rooster zurück nach Fort Smith und in Shen-Lees Laden. Während die beiden abends Karten spielen, liegt der Kater auf dem runden Tisch und schnurrt behaglich. Er ist offensichtlich glücklich, daß sein Mitbewohner wieder zu Hause ist. Später besucht Rooster Mattie auf ihrer weit entfernten Farm. Sie bietet ihm eine Grabstelle auf ihrem Familienfriedhof an: »Sie sind ohne Familie. Shen-Lee und die Katze zählen nicht. Wollen Sie vielleicht auf einem verlassenen Acker begraben werden?« Rooster nimmt dankbar an, hofft aber, noch ein paar Jahre vor sich zu haben und verabschiedet sich. – Es ist nicht einmal eine Nebenrolle, die der Kater hier spielt, aber er ist meines Wissens der einzige Kater in einem Western, der nicht nur einmal zufällig über die Leinwand huscht.

PS: Der Schluss der Geschichte wird im Buch etwas anders erzählt. Danach sehen sich Mattie und Rooster nicht in Fort Smith wieder. Sie hört nur, dass sich Rooster mit General Sterling Price nach Texas aufgemacht hat, und viel später von seinem Tod.

PPS: Leider haben die Brüder Coen bei ihrer Neuverfilmung des Themas General Sterling Price einfach beiseite gelassen. Das ist sehr schade, denn so wurde eine dramaturgische Chance verspielt.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Filmkatzen

3 Antworten zu “Der Kater General Sterling Price in »True Grit«

  1. Pingback: Katzen im Kino | Kater Paul

  2. NP

    Die Filmkritiker der NYT (Scott und Dargis) haben bei den Coen-Brüdern nachgefragt, warum die Katze in ihrer Version nicht übernommen wurde und diese Antwort erhalten:
    „We would have included the character of General Sterling Price, but our next movie is all about a cat. Seriously. — Joel Coen“

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