Die wilde americanische Tiegerkaz

Die Abbildung und der nachfolgende Text stammen aus dem dreibändigen Werk von Johann Daniel Meyer Angenehmer und nützlicher Zeit=Vertreib mit Betrachtung curioser Vorstellungen allerhand kriechender, fliegender und schwimmender Thiere (1748-1756), Band 3: Vorstellung mancherley fremder und seltener Thiere.

»Diese Tiegerkatze (Felis sylvestris, Americanus, tigrinus, Sebae.) ist so wild und bösartig, daß sie den wilden Thieren, welche sie überwältigen kan, in das Gesichte springt, ihnen die Augen mit ihren langen und spitzen Klauen auskratzet, die Haut zerreisst und ihr Blut aussauget. Sie gräbt sich tiefe Löcher, worinnen sie sich nicht alleine selbst aufhält, sondern sie ziehet auch die von ihr umgebrachten Thiere hinein, um sie aufzufressen. Die Mohren sagen, sie hätten sich in den Wäldern für keinem Thier, als dieser Katzenart, mehr zu fürchten. Sie hat ein wildes und scheußliches Aussehen. Die Haare sind grau, und wie bey den Tiegern mit dunkelbraunen Flecken besprenget. Kopf und Ohren sehen wie an unsern zahmen Katzen aus. Sie trägt den Schwanz nach den Rücken gekrümmet, und die Zehen der Füsse haben grosse und scharfe Klauen. Die hier vorgestellte Katze ist eine junge.«

Die kurioseste Abbildung aus diesem barocken Prachtband möchte ich Euch, obwohl sie mit Katzen nun ganz und gar nichts zu tun hat, dennoch nicht vorenthalten. Der Text dazu lautet:

»Das Sceletirte Pferd worauf ein Menschen Gerippe sitzet Jedoch was macht das auf diesem Pferdegerippe sizende meschliche Scelet hier? Wäre unsere Bögen moralischen Betrachtungen gewiedmet, so könnten wir das Nosce te ipsum [Erkenne Dich selbst] anbringen; da aber solches nicht aus dieser Absicht hergesetzet worden: so melden wir nur, daß der Künstler beede Scelete so abgezeichnet habe, wie sie wircklich allhier, in der unter der Aufsicht unseres berühmten Herrn Hofraths Trewens mit vielerley Sceleten ausgezierten Anatomiekammer befindlich sind.«

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