Arno Schmidt und seine Katzen 2

An diesem Brief von Arno Schmidt an den Maler Eberhard Schlotter ist die Katze auffällig, die Arno Schmidt als Absendervermerk (»Unser Zeichen«) gezeichnet hat

Ich habe hier ja schon vor ein paar Tagen darauf hingewiesen, dass es im Werk von Arno Schmidt von Katzen nur so wimmelt. (siehe http://bit.ly/hiGVDc) Heute möchte ich etwas näher darauf eingehen. Wie bei vielen anderen Dichtern nimmt das Thema Fressen auch bei Arno Schmidt breiten Raum ein. In »Das steinerne Herz« (1956) heißt es dazu (ich halte mich bei allen Zitaten weitgehend an Arno Schmidts Schreibweise): »Line, Hintze im Arm : ›Ich hab n paar Schnitten gemacht.‹ Selbstredend wars recht! Ich öffnete aber zusätzlich noch 1 große Leberwurstbüchse, hausmacherne. Im Ofen auch das Flammengewirke. Ein gelbes schnurrbärtiges Köpfchen erschien mehrmals protestierend über der Tischplatte, und ich gab ihm einen richtigen Batzen Wurst : › Zur Feier des Tages ! ‹. Hochverlegenes Geständnis : › Er hat anne Tasse zertöppert ! ‹« Und kurz darauf kommt Schmidt noch einmal auf dieses Thema zu sprechen: » … da saß er, Musche Hundsfott, der dicke bunte Hintze, und er sah uns erwartungsvoll an. Hob auch, um keinerlei Zweifel über seine Intentionen aufkommen zu lassen, die Pfote, und kratzte demonstrativ an der Küchentür : da war die Wurstbüchse drin !« Doch Arno Schmidt verharrt beim Thema Katzen nicht bei der Beschreibung von Alltäglichkeiten. »Der Abend versank in die Erde. Eine Katze hatte man ihr mit Arsenik vergiftet; sie war in ihren sandfarbenen Armen gestorben : das ist das Geheimnisvolle, dass die Tiere mit büßen müssen für die Erfindungen des Ebenbilds Gottes.«

In seiner »Schule der Atheisten« (1972) nimmt sich Arno Schmidt eines ebenso populären Themas an, dem Schnurren: »es erscheinen, im HorizontalKlaff, rasch nacheinander : die 2 Vorder-Pfoten;dann der dicke Kopf;dann der ganze Rest eines KaterRecken, anständich in perlgraues Zeug gekleidet (mit korrekt=schwarzer Tigerung) . Er springt mit 1 Satz auf die ziemlich unterm Fenster stehende Bettstatt; nimmt eine würdig=schmeichelnde Haltung an;und beginnt,fromm geschlossenen Auges, zu schnurren : so laut wie ein Auto !« Im gleichen Werk verblüfft Arno Schmidt mit einem deftigen Reim: »BAFOMET tritt’ein :ein Katz von reif’n Sitt’n; (=voll=gefressen,& leer=geschissen)«

Das gleiche Thema tauchte schon in »Rosen und Porree« (1959) auf: » … sie nahm Eins heraus, odnete die Gliederchen in ihrem Arm, schmeichelte ihm übers Fell (und innen im Tier begann es eigentümlich zu surren, während es grüne Augen halb zuschlitzte, und behaglich ein Pfötchen öffnete: sieh da: ein Krallenfächerchen erschien!).« Weiter heißt es dort: »›Und die sind besser als Wiesel?‹ : ›Viel besser!‹ erwiderte sie nachdrücklich, ›der Villicus sagte erst gestern wieder: er wüsste bald nicht mehr, wie ne Maus aussieht!‹« Arno Schmidt spielt hier auf die erbarmungslose Konkurrenz an, die zwischen Katze und Wiesel im römischen Reich herrschte. Bevor die domestizierte Katze aus Ägypten nach Rom kam, wurden dort Wiesel gegen Nagetiere eingesetzt. Doch Wiesel stanken, blieben wild und bissen immer wieder auch Menschen. Im Lauf einiger Jahrhunderte gelang es der anschmiegsamen Katze schließlich, das Wiesel aus den Haushalten zu verdrängen und an seine Stelle zu treten. »Katzentürchen muß man ihnen überall einsägen; merken!« gibt Arno Schmidt seinen Lesern noch mit auf den Weg. Im gleichen Werk verrät Arno Schmidt schließlich, was ihn an Katzen besonders fasziniert: »Ich schätze diese Tiere … fast über Gebühr; allein schon deshalb, weil sie sämtlich Nicht-Kristn sind.«

Am Sonntag geht es hier mit Arno Schmidt weiter …

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2 Antworten zu “Arno Schmidt und seine Katzen 2

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