Richard Haizmann

Der heute vielen leider nicht mehr bekannte Bildhauer und Maler Richard Haizmann (* Villingen 1895, † Niebüll 1963) gehört zu den bedeutendsten deutschen Tierbildhauern des 20. Jahrhunderts. Er begann 1926 mit seiner Reihe großer Tierplastiken. Einen (wenn nicht den) künstlerischen Höhepunkt erreichte er mit einer fast 2 Meter hohen Plastik aus schwarz poliertem Teakholz: Große schwarze Katze (1927). In seinen Erinnerungen (Wandlung und Verwandlung, Hamburg 1961) schrieb er dazu: »Eine ganz neue Gestaltungsfrage drängte sich mir auf, denn auch beim Tier wollte ich nicht die äußere Gestalt, sondern das Wesenhafte darstellen. So entstanden z.T. auch äußerlich überdimensionale Formen: [beispielsweise] eine ins Riesenhafte gesteigerte schwarze Teakholzkatze.« Sein Tagebuch gibt nähere Auskunft über die Arbeit an dieser Plastik, die zu den schönsten Katzendarstellungen der Bildhauerei gehört. Haizmann hatte den Teakholzstamm von einem Hamburger Holzhändler geschenkt bekommen: »So kam das schöne Material in eine Tischlerwerkstatt in der Nähe meiner Wohnung, und ich konnte dort bei dem befreundeten Besitzer der Werkstatt meine Plastik arbeiten. Das schöne Material regte mich an, in der ganzen Höhe eine Katze herauszubilden … Ich polierte die Katze tagelang mit vieler Mühe, dann stand sie schwarzglänzend wie eine alte Tiergottheit da. Die Formen waren ganz verhüllt.«

Man kann diese Große schwarze Katze heute im Foyer der Bibliothek der Kunsthalle Bielefeld bewundern, in deren Sammlung sich weitere Werke (auch Katzenskulpturen) von Richard Haizmann befinden. Haizmann gehörte übrigens unter der Herrschaft der Nationalsozialisten zu den »entarteten« Künstlern. Im Katalog Entartete Kunst der berüchtigten gleichnamigen Ausstellung, die am 4. März 1936 in München eröffnet wurde, ist eine große Brunnenplastik von ihm abgebildet. Darüber sieht man das Foto einer afrikanischen Holzplastik, die einen sehr schön geschnitzten Katzenkopf darstellt. Zu diesen Bildern heißt es im Katalog: »Wenn ein unheilbar Irrsinniger, ein Dilettant wohlgemerkt, eine Katze modelliert, so sieht das etwa so aus.«

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