Werbekatzen

Plakat, um 1890

Nachdem ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in zahlreichen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Werken (u.a. Brehms Thierleben von 1864) begonnen worden war, die Katze von ihrem Nimbus als Hexentier, Pestbringer, Unglückstier usw. zu befreien und sie sich zunehmender Beliebtheit erfreute, wurde die Katze von der Werbung als Sypathieträger entdeckt.

Fotografie von 1986, © by Regina und Dirk Streitenfeld

In Zell an der Mosel entstand 1863 das Motiv einer buckelnden und fauchenden Katze auf einem Weinfaß. Nach einer ausgiebigen Weinprobe einkaufender Händler sollen im Weingut Mayntzer drei Fässer in der engeren Auswahl gestanden haben. Man konnte sich aber nicht so recht einigen, welches das Beste sei. Die Frau des Winzers kam schließlich in den Keller, begleitet von einer schwarzen Katze. Plötzlich sprang die Katze auf eines der Fässer, machte einen Buckel und fauchte jeden an, der sich dem Faß nähern wollte. Daraufhin waren sich die Kaufleute schnell einig und entschieden sich für das Weinfaß, daß die Schwarze Katze so hartnäckig bewachte. Kurze Zeit später kamen die gleichen Kaufleute wieder nach Zell und kauften alle Weine aus derselben Weinbergslage, weil dieser Wein reißenden Absatz gefunden hatte. Unter der Bezeichnung »Zeller Schwarze Katze« wurde der Wein schnell weit über die Region hinaus bekannt. Noch heute begegnet man der schwarzen Katze in Zell an der Mosel überall.

Originalentwurf für die Hoffmann’s Ideal-Katze von Fedor Flinzer, um 1870

1876 erblickte eine weitere Werbekatze offiziell die Welt der Gebrauchsgraphik. Am 8. April wurde die Marke »Katze« in das Zeichen-Register des Stadtgerichts Bad Salzuflen eingetragen. Ein paar Jahre vorher hatte der Unternehmer Eduard Hoffmann für seine »Stärke-Fabrik bei Salzuflen« ein neues Stärkemittel, Hoffmanns Silber-Glanz-Stärke (später Hoffmanns Ideal-Stärke) entwickelt, und die Verpackung mit dem einprägsamen Signet einer weißen, pfoteleckenden Katze als Symbol für Sauberkeit kennzeichnen lassen. Damit setzte er sich von seiner Konkurrenz ab und kreierte einen der ersten deutschen Markenartikel.

 Diese Katze wurde im Lauf der Zeit auf zahllosen Werbeträgern (Verpackungen, Anzeigen, Sammelbildern, Kalendern, Plakaten usw.) eingesetzt.

Werbeplakat um 1905

Die Katze brachte es sogar mit ansehnlichem Erfolg in die Zigarettenwerbung. Einer hübschen Legende nach existierte am Ende des 19. Jahrhunderts in der Londoner Wardour Street ein kleiner Tabakladen, der von Don José Joaquin Carreras betrieben wurde. Eine schwarze Katze erkor diesen Laden als ihr Heim, und so wurde das Geschäft von seinen Stammkunden als »Black Cat Shop« bezeichnet. Don José soll danach die schwarze Katze zum Bestandteil seines Firmenlogos gemacht haben. Nachweislich brachte das Unternehmen 1904 unter dem Namen »Black Cat« die erste vollständig maschinengefertigte Zigarette Englands mit großem Erfolg auf den Markt. Kurz darauf produzierte die Firma auch eine Filterzigarette der »Black Cat« und eröffnete 1928 die »Black Car Factory«, deren Haupteingang von zwei großen Bronzekatzen flankiert wurde.

Anzeige von 1941

Nach diesem Erfolg gab es kaum einen Artikel oder eine Dienstleistung, die auf die Katze als Werbeträger verzichtet hat: Hotels und Restaurants, Etablissements erotischen Vergnügens, Kerzen und Seifen, Matratzen, Heizkissen und Bettwäsche, medizinische Bedarfsartikel, Batterien und Sportartikel, Kaffee, Südfrüchte und Wolle, Toilettenpapier (siehe obige Abbildung), Schuhcreme und Fliegenfänger, Milch, Zigaretten und Champagner – die Katze als Werbeträger erfreut sich heute immer noch großer Beliebtheit.

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