Sir Winston Churchill als Katzenfreund

Im August 1941 auf der HMS Prince of Wales

Churchill lebte Zeit seines Lebens meistens mit einer oder mehreren Katzen zusammen. »Er liebte Katzen. Ich ebenfalls, und er wußte das. Er lebte immer mit einer Katze zusammen, wenn nicht mit zweien.« Dies berichtete Grace Hamblin, die von 1932 bis 1965 als Churchills Privatsekretärin arbeitete, 1987 auf einer internationalen Churchill-Konferenz.

Viele Geschichten ranken sich um Churchill und seine Leidenschaft für Katzen. Und nicht immer lässt sich mit Bestimmtheit sagen, ob es sich dabei um wahre Begebenheiten oder Legenden handelt. Ich konzentriere mich hier deshalb auf Begebenheiten, die durch eindeutig belegbare Quellen nachgewiesen werden können.

So überliefert der Autor William Manchester im zweiten Teil seiner Biographie Churchills den Wortlaut eines Telefonates, das Churchill als Premierminister mit dem Lordkanzler führte. Als Churchills Kater Mickey nach dem Telefonkabel spielen wollte, schrie Churchill »Hau ab, Du Idiot!« Sofort danach wurde ihm bewusst, dass der Lordkanzler ja mithörte und er sagte nur kurz: »Ich meinte nicht Sie.« Am 2. März 1935 schrieb er in einem Brief an seine Frau: »Tango verhält sich außerordentlich freundlich zu mir und möchte jede Nacht bei mir im Bett schlafen – was ich aber nicht zulasse. Wenn ich alleine esse, aber nur dann, erwartet sie mich schon am Tisch.« Auch während des Zweiten Weltkriegs umgab sich Churchill ständig mit Katzen. Sir John Colville, der persönliche Referent des Premierministers, erinnerte sich an eine Episode am 3. Juni 1941. Der Krieg entwickelte sich für England schlecht, man musste sich aus Griechenland zurückziehen, Kreta fiel in die Hände der Deutschen und die Marine verlor mehrere wichtige Schiffe im Mittelmeer. Über das Mittagessen dieses Tages protokollierte er: »Ich aß mit dem Premierminister und der gelben Katze, die rechts neben ihm in einem Sessel saß und den größten Teil seiner Aufmerksamkeit auf sich zog. Während Churchill über seine Rückzugspläne aus dem Mittleren Osten nachdachte, unterhielt er sich ständig mit der Katze, säuberte ihre Augen mit seiner Serviette, fütterte sie mit Hammelfleisch und drückte sein Bedauern darüber aus, dass er ihr keine Schlagsahne anbieten konnte.« Churchills Lieblingskater während des Krieges war der graugetigerte Nelson. Anlässlich eines familiären Abendessens beobachtete der eingeladene amerikanische Kriegsberichtserstatter Quentin Reynolds, wie Churchill Nelson mit Lachs fütterte, wenn seine Frau gerade nicht hinschaute. Churchill erzählte dabei, wie er zu Nelson gekommen ist: »Nelson ist der mutigste Kater, den ich je kennengelernt habe. Als ich ihn zum ersten Mal sah, verjagte er gerade einen riesigen Hund vom Hof der Admiralität. Da beschloss ich, ihn zu mir zu nehmen und ihn nach unserem bedeutendsten Admiral zu benennen.« Als Churchill im Mai 1940 Premierminister wurde und mit seiner Familie in die Downingstreet zog, vertrieb Nelson zuerst die Katze, die bisher dort gewohnt hatte.

Das obenstehende Bild hält nach Berichten der anwesenden Offiziere eine Situation fest, die dem Bild selbst nicht zu entnehmen ist. Es sieht so aus, als würde Churchill sich beugen, um den Schiffskater zu streicheln. In Wirklichkeit hinderte er den Kater daran, über die Laufplanke das Schiff zu verlassen, »zu desertieren«, wie ein Chronist schmunzelnd berichtete. Der Kater wurde sofort in Churchill umbenannt.

Jock IV.

Eine außergewöhnlich tiefe Zuneigung faßte Churchill zu Jock, den er zum 88. Geburtstag von seinem Privatsekretär als Geschenk erhielt. Jock war ein rotgestromter Kater mit weißer Brust und weißen Pfoten. Er durfte in Churchills Bett schlafen und beim Essen war für ihn ein eigener Stuhl reserviert. Jock begleitete Churchill auch, wenn er von seinem Landsitz Chartwell in Kent in sein Stadthaus am Hyde Park zog. Churchill wollte Jock immer um sich haben. Als Churchill im einundneunzigsten Lebensjahr starb, saß Jock auf seinem Totenbett. In seinem letzten Willen verfügte Churchill, dass zukünftig immer ein rotgestromter Kater auf Chartwell, das er dem Staat vermachte, leben müsse. Jock starb 1974. Inzwischen residiert Jock IV. auf Chartwell.

Auf dem Weg zum Dinner streichelt Churchill für ein Pressefoto einen zufällig vorbeistreunenden Kater

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Sir Winston Churchill als Katzenfreund

  1. Ein sehr schöner Artikel. Churchill kam mir vorher immer recht unsympathisch rüber, aber nach diesem Artikel hat er doch wieder ein Stück Sympathie zurückgewonnen. 🙂

  2. ja Stefan, auf mich wirkt dieses Bild auch sehr sympathisch 🙂
    Gibt´s da mehr von?
    lg
    Marion

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