Katzen als Vogelmörder 2

Paul Klee, Katze und Vogel, 1928: Paul Klee war ein großer Katzenfreund. Doch auf diesem berühmten Bild aus dem Museum of Modern Art, New York, sehen wir etwas gefährlich aus.

Er gehört zum Sommerloch wie der Moonwalk zu Michael Jackson, der Vorwurf, wir Katzen wären die schlimmsten Vogelmörder. In diesem Jahr bläst die American Bird Conservancy zum Halali auf uns. Deren Sprecher Mike Parr trat soeben mit der Forderung an die Öffentlichkeit, alle Hauskatzen sollten in den Häusern und Wohnungen eingesperrt werden, weil wir angeblich am Aussterben von Vogelarten Schuld sind. »Die meisten Katzen jagen, selbst wenn sie gefüttert werden«, lautet die umwerfende Erkenntnis des Chefideologen der Organisation, die den Vogelschutz auf ihre Fahnen geschrieben hat, sich aber über den Anteil des Menschen an der Vernichtung von Flora und Fauna ausschweigt. Ja sollen wir denn wirklich aufhören zu jagen? Wenn alle Katzen der Welt in den Jagdstreik treten würden, dann gäbe es einen Riesenjubel unter den Ratten und Mäusen. Der renommierte Ethologe Paul Leyhausen hat einmal folgende Berechnung angestellt: »Die durchschnittliche freilaufende Bauernkatze fängt pro Tag etwa ein bis zwei Dutzend Mäuse. Nehmen wir nun an, sie fange im Durchschnitt 15 Mäuse am Tag, so ist das sicher nicht zuviel gerechnet. Im Jahr macht das also 5.000 bis 6.000 Mäuse. Wer schon einmal eine Maus gehalten hat, weiß, welche erstaunlichen Futtermengen diese kleinen Tiere benötigen. 10 Gramm Getreide pro Tag und Maus sind wieder ein Minimum. Auf 5.000 Mäuse ergibt das im Jahr 18 Tonnen. Und diesen Verlust erspart uns eine Mausekatze Jahr für Jahr, ihr ganzes Leben lang.«

Man hat schon einmal die segensreiche Wirkung unserer Species in Bezug auf Ratten und Mäuse außer acht gelassen … mit fatalen Folgen, zur Zeit der großen Pestepidemien im 14. Jahrhundert. Aus Mangel an medizinischem Wissen machte man dämonische Mächte für das Wüten der Pest verantwortlich – die Katze als Inkarnation Satans galt als Ursache der Seuche. Aus diesem Grund bezichtigte Berthold von Regensburg die Katze der Unreinheit: »Der Atem, der aus ihrem Halse geht, ist die Pest; und wenn sie Wasser trinkt und es fällt eine Träne aus ihren Augen, so ist die Quelle verdorben: Jeder der fortan aus ihr trinkt, erfährt den gewissen Tod.« Der Glaube an diese uns heute als barer Unsinn erscheinende Erklärung kostete Millionen das Leben. Man wußte damals nicht, daß in den Hochsteppen Zentralasiens bereits seit Menschengedenken unter den wildlebenden Nagern ein permanenter Pestherd existierte, der immer wieder durch Wander- und Hausratten nach Europa getragen wurde. So auch in der Zeit von 1347 bis 1352, der schlimmsten europäischen Pestepidemie. Während der, später als »schwarzer Tod« bezeichneten, Epidemie entstanden nahezu »katzenlose« Landstriche, in denen sich fatalerweise Ratten und Mäuse – die eigentlichen Träger der Pestbakterien – ungehindert verbreiten und die in dieser Zeit unheilbare Krankheit auf den Menschen übertragen konnten. Menschliche Unwissenheit wurde selten so fürchterlich bestraft: schätzungsweise 25 Millionen Menschen fielen dem schwarzen Tod zum Opfer, ungefähr ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas!

Aber ich will nicht abschweifen. Was sagen seriöse Umwelt- und Vogelschützer zu dem Thema? Markus Nipkow vom Naturschutzbund Deutschland sieht »keine Anhaltspunkte, dass Katzen in Europa einen nennenswerten Einfluss auf die Vogelbestände haben. Die Katzen schöpfen einfach den Teil der Vögel ab, der ohnehin umkommen würde. Rund 60 Prozent aller Kleinvögel überleben nicht bis ins nächste Jahr.« Und Sarah Niemann von der Royal Society for the Protection of Birds stellt zwar fest, dass »unsere Haussperlinge dramatische Bestandseinbußen hinnehmen mussten.« Sie führt den Niedergang dieser Art aber auf die sich verschlechternden Lebensbedingungen der Vögel zurück, für die in erster Linie der Mensch verantwortlich sei. »Trotz der intensiven Nachstellungen durch Katzen vermehren sich zum Beispiel Blaumeisen in den letzten Jahrzehnten sogar deutlich.«

Wer mehr von mir zu diesem Thema lesen möchte, sei auf meinen Beitrag Katzen als Vogelmörder? verwiesen, der hier auf diesem Blog ebenfalls unter der Rubrik Katzenklo zu finden ist.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Katzen als Vogelmörder 2

  1. Vielleicht sollten sich Mike Parr und Konsorten lieber einmal um die 15.000 Vogelfänger auf dem maltesischen Archipel kümmern. Kaum ein Vogel, der an diesem neuralgischen Punkt aller Zugrouten landet, hat eine Überlebenschance. Mauern mit Unterständen, aus denen die Jäger mit Schrotflinten auf Griefvögel, Reiher und Störche schießen (verwundete Tiere ertrinken im Meer), flächendeckende, feinmaschige Netze für die Singvögel, verletzte Tiere am Straßenrand … Neben China auch so ein Land, das ich nicht mehr bereise, solange sich da nichts tut.

    Zwar müssen seit dem Beitritt Maltas zur EU (1.1.2009) die Jagdzeiten im Einklang mit der EU-Vogelschutzrichtlinie stehen – dank der Hartnäckigkeit von „BirdLife International“. Doch das EU-Recht wird auf Malta sozusagen mit illegalen Flinten durchlöchert.

    Mehr dazu hier http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/zugvoegel/11930.html
    Und hier: http://www.komitee.de/index.php?malta

  2. Krass! Hatte ich garnicht gedacht…

  3. Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?

  4. Ich merke gerade das ich diesen Blog deutlich ofter lesen sollte- da kommt man echt auf Ideen.

  5. Soweit ich informiert bin, erwischen Katzen nur die Vögel, die verletzt oder krank sind und somit sowieso kurz vor ihrer Verendung stehen.
    Unsere Nachbarin hat Vogeltränke, Vogelhäuschen, Vogelfutterstellen in allen Formen und Höhen aufgebaut. Auch wir haben Meisenknödel in die Rosen gehängt und obwohl uns unser Kater eigentlich immer etwas von seinen Raubzügen mitbringt, haben wir die letzten Jahre kein Fitzelchen Geflügel darunter erkennen können.
    Nur wenn die Vögel aus des anderen Nachbarns Nistkasten flügge werden, bittet uns die gute Frau um Rücksichtnahme, die wir selbstverständlich gewähren. Dann darf es sich der „Herr Hämpfel“ auf dem Sofa bequem machen und das macht ihm wiederum gar nichts aus.
    Fazit: Das Halali auf Samtpfoten ist völliger Blödsinn und überflüssig wie ein Kropf.

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