Ernst Ludwig Kirchner und seine Katzen

Zur großen Kirchner-Retrospektive im Frankfurter Städel Museum hier ein kleiner Beitrag über Ernst Ludwig Kirchner und seine Katzen:

Ernst Ludwig Kirchner hat mehr Katzenbilder produziert als die meisten anderen Künstler des 20. Jahrhunderts. Dazu nutzte er zahlreiche Mal- und Zeichentechniken und es als Vorbild dienten fast ausschließlich Katzen, die mit ihm zusammengelebt haben. Von wenigen Ausnahmen abgesehen begann Kirchner im Juli 1919 mit der Darstellung von Katzen. Dies war kein Zufall, denn in diesem Monat trat der schwarze Kater Boby in Kirchners Leben ein. Boby taucht in über einhundert Werken Kirchners auf, und in zahlreichen Tagebucheinträgen und Briefen. »Boby, der kleine Kater ist jetzt hier«, heißt es in Kirchners Davoser Tagebuch am 30. Juli 1919. »Sauber und lebendig, eine recht interessante Gesellschaft … Hoffentlich kann ich den kleinen Mann halten. Mein Verhältnis zu Tieren ist noch ungeklärt. Hoffentlich geht es.«

Liegende Katze (Boby), 1919, Aquarell

Der 1880 in Aschaffenburg geborene Künstler hatte sich 1914 als Kriegsfreiwilliger gemeldet und 1915 einen sehr heftigen Nervenzusammenbruch erlitten. In den Jahren 1916/1917 versuchte Kirchner, sich in verschiedenen Sanatorien zu kurieren und bezog schließlich am 20. September 1918 das »Haus in den Lärchen« in Davos. Er betrat seinen neuen Wohnort als Morphiumabhängiger, gesundheitlich angeschlagen und immer wieder von Schaffenskrisen geschüttelt.

Boby hat Kirchner zu vielen Bildern inspiriert, seine Ankunft wurde für den oft angeschlagenen Künstler zum Symbol des eigenen Neubeginns. Auf seinem Holzschnitt Selbstbildnis mit Blume in der Hand von 1920 sehen wir den schwarzen Kater aufrecht neben Kirchner sitzen, dargestellt als gleichberechtigten Gefährten, man könnte fast sagen als Freund. Boby war für Kirchner ein Synonym für Unabhängigkeit und ein Leben in Selbstbestimmung. Und er war ein Streuner, der oft tagelang fernblieb. »Mir geht es jetzt besser, der Husten ist fast weg«, schrieb Kirchner in einem Brief vom 9. Juni 1928 an seine Frau Erna Schilling. »Boby ist meist draußen, kommt nur zum Essen heim und ist sehr freundlich. Ich bin sehr einsam, man ist so aneinander gewöhnt, daß einem der andere doch sehr fehlt, wenn er nicht da ist.«

Weißes Haus in den Wiesen, 1920, Holzschnitt

Boby starb am 6. Oktober 1930 und sein Tod traf Kirchner schmerzlich. In mehreren Briefen informierte er Nahestehende über das Drama, so auch die Freundin Elfriede Knoblauch-Dümmler: »Gestern abend haben wir unseren lieben Boby unseren Kater verloren, er war lange krank und zuletzt 14 Tage ohne Nahrung annehmen zu können. So starb er, als ich ihm Milch einflößte an Herzschlag und wir haben ihn unter Tränen begraben. So ein Tier leidet und stirbt wie ein Mensch und seine klaren Augen werden uns noch lange im Gedächtnis bleiben.«

Ab dem Frühjahr 1931 lebte der Kater Schaky im »Haus auf dem Wildboden«, in das Kirchner nach einem Zerwürfnis mit seinem Vermieter 1923 gezogen war. Auch Schacky war Kirchner Trost in der Einsamkeit und willkommener Atelierbesuch, wie aus einem Brief an Carl Hegemann vom 17. November 1931 hervorgeht: »Es ist doch wunderbar schön hier nur einsam und still. Ich bin recht oft allein dieses Jahr, nur Schacky spielt um mich, während ich einige Radierungen versuche.« Manchmal brachte Schacky ordentlichen Schwung ins Haus: »Gestern Abend hatte Schacky Damenbesuch mit viel Geschrei und Toben.« (Brief an Erna Schilling vom 22. November 1931) Doch Schacky war wie Boby ein Streuner. Er »kommt nur ganz selten mal heim«, klagte Kirchner am 3. Mai 1934 in einem Brief an seine Frau. Ab September 1935 ergänzten Flecky und weitere Katzen Kirchners Haushalt, doch über sie ist nicht viel bekannt. Wir wissen jedoch sicher, daß sich im April 1937 Nachwuchs einstellte.

Lesende Erna mit Kater Boby und Holzfigur, 1924, Kohle und farbige Kreiden

Auch Schacky war Kirchner Trost in der Einsamkeit und willkommener Atelierbesucher, wie aus einem Brief an Carl Hegemann vom 17. November 1931 hervorgeht: »Es ist doch wunderbar schön hier nur einsam und still. Ich bin recht oft allein dieses Jahr, nur Schacky spielt um mich, während ich einige Radierungen versuche.« Manchmal bringt Schacky ordentlichen Schwung ins Haus: »Gestern Abend hatte Schacky Damenbesuch mit viel Geschrei und Toben.« (Brief an Erna Schilling vom 22. November 1931) Doch Schacky war wie Boby ein Streuner. Er »kommt nur ganz selten mal heim«, klagte Kirchner am 3. Mai 1934 in einem Brief an seine Frau.

Kirchner hat bis zu seinem Tod im Jahr 1938 mit Katzen zusammengelebt, sie waren eine wesentliche Quelle seiner Schaffens- und Lebenskraft.

Mann mit Katze, 1930, Öl auf Leinwand. Dieses Selbstbildnis veranschaulicht Kirchners enge Beziehung zu seinen Katzen sehr eindrucksvoll: Mensch und Katze sind malerisch als Einheit dargestellt.

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