Über Hunde und Menschen

Wieder ist ein junger Mensch von einem Hund tot gebissen worden, in Cottbus, ein acht Wochen altes Mädchen. Doch diesmal war der Täter ein Husky-Mischling, der nicht getötet wurde, weil der Amtstierarzt bei ihm keine grundsätzliche Aggressionsbereitschaft feststellen konnte. Klar, ein Husky ist ja auch kein Kampfhund. Kein Mastino Napolitano, der schon im alten Rom für Kämpfe im Circus gezüchtet wurde, kein Dogo Argentino, den man in Südamerika zur Jagd auf Raubkatzen geschickt hat, kein Pittbull und kein Staffordshire. Ein Husky gilt als lieb und umgänglich, wogegen die oben genannten Rassen (und einige weitere) auf Landeslisten »gefährlicher Hunde« auftauchen. Denen wird außer ihrer Brutalität erschwerend noch eine enorme Beißkraft nachgesagt. Von diesen Kampfhunden geht Gefahr für Leib und Leben aus. Sagt der Mensch … und macht sich die Sache (mal wieder) zu einfach.

Denn wissenschaftliche Studien haben längst ergeben, dass bei der Gefährlichkeit eines Hundes »die Rasse, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle spielt«. So äußerte sich jedenfalls die Ethologin Dorit Feddersen-Petersen, eine internationale Kapazität in der Verhaltensforschung für Hunde. Eine Studie der Universität Hannover mit 415 sogenannten Kampfhunden und 70 Golden Retrievern, die als besonders zutraulich gelten, kam zu der gleichen Einschätzung. Alle Hunde wurden verschiedenen Situationen ausgesetzt, die zum Angriff reizen können. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede bei den eingesetzten Rassen.

Der Hund stammt ja bekanntlich vom Wolf ab und ist ein Rudelwesen. Als solches ist er feste Hierarchien nicht nur gewöhnt, sein genetisches Rüstzeug verlangt sogar nach klaren Rangverhältnissen, nach eindeutiger Kodierung seines Verhaltens. Ein Hund braucht Führung und muss lernen, dass der Mensch immer der Ranghöhere ist. Hunde sind auf klare Befehlsstrukturen und nicht auf partnerschaftliche Freiräume angewiesen. Sie benötigen Führung, es ist aber auch notwendig, sie mit der Erledigung verschiedener Aufgaben zu betreuen. Gassigehen reicht einem Hund nicht aus. Nicht nur die allermeisten der sogenannten Kampfhunde, nein, auch die vor den Supermärkten nach Herrchen oder Frauchen jaulenden Waldis haben keine Erziehung, sondern bestenfalls Verzärtelung genossen und sind deshalb prinzipiell alle Wadenbeißer. (Und sie können wie Terrier zubeißen – denn eine höhere Beißkraft ist bei Kampfhunden auch nicht wissenschaftlich festgestellt worden.)

Für das Halten eines Hundes sollte deshalb nicht nur eine Steuer verlangt, sondern der Erwerb eines Hundeführerscheins vorgeschrieben werden. Denn vom Menschen geht die Gefahr aus, nicht vom Hund. Der Mensch redet sich nur ein, dass der (Kampf-)Hund eine problematische Angelegenheit ist. Er delegiert die Gefährlichkeit gern an seinen Hund, statt sich seiner Verantwortung bewusst zu sein.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Katzenklo

2 Antworten zu “Über Hunde und Menschen

  1. Ich habe diese schreckliches Geschichte mit dem Hund und dem Kleinkind im Fernsehen mitbekommen. Die Berliner Abendschau hatte ausführlich darüber berichtet und die Hunde auch gezeigt. Es liegt meiner Meinung nach nur an den Menschen und deren Erziehung, die Tiere Hunde sind von sich aus nicht aggressiv.

  2. Schlaumeier

    Ich habs satt, dass dieser Vorfall mit dem Kind immer von allen dem Husky in die Schuhe geschoben wird. Das war ein Schäferhund-Mix. Schäferhunde sind für ihre geringe Reizschwelle bekannt. Auf ihr Konto gehen die meisten Bissattacken aller Rassen. Klar kommt es auch auf die Haltung an, aber wer ernsthaft behauptet, dass Huskys kein freundlicheres Wesen als ein Schäferhund oder ein Pitbull haben, der hat einfach keine Ahnung.

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