Tomba der Gipfelstürmer

Tomba auf dem Balmhorn (3699 Meter)

Südlich des Thuner Sees liegt der kleine Wintersportort Kandersteg. Von dort gelangt man über eine Seilbahn und einen anderhalbstündigen Fußmarsch das mit dem Auto nicht erreichbare Berghotel Schwarenbach. Hier, auf einer Höhe von etwa 2200 Metern, erblickte am 7. August 1988 ein nach dem berühmten Skirennfahrer Alberto Tomba benannter Kater das Licht der Bergwelt. Fotografien zeigen Tomba als bräunlich getigerten Kater mit weißem Latz und weißen Vorderpfoten. Nach Auskunft des damaligen Hoteliers Peter Stoller machte sich Tomba schon als junger Kater auf den Weg in die nähere und weitere Umgebung. So spazierte er eines Tages über den Gemmipaß bis in das über 10 Kilometer Luftlinie entfernte und 800 Meter tiefer gelegene Leukerbad. Im Mai des folgenden Jahres erfuhr Peter Stoller dann von drei bergsteigenden Gästen, daß Tomba sie auf ihrem Weg auf den Gipfel des Rinderhorns (3454 Meter) begleitet hatte. Nur ein paar Tage später erkletterte er mit anderen Alpinisten den Gipfel des Balmhorns (3699 Meter). Von da an erkundete Tomba mit vielen Alpinisten die Bergwelt der näheren Umgebung. Manchmal kehrte er bei guter Wetterlage nach einem Gipfelsturm nicht einmal ins Berghotel zurück. Vielmehr wartete er am Gletscherrand bei der Anseilstelle auf die nächsten Bergsteiger. Tomba hatte die Angewohnhheit, sich seine Wanderkameraden am Vorabend einer Tour selbst auszusuchen. Nach eingehender olfaktorischer Musterung der Hotelgäste fällte er seine Entscheidung. So erging es auch dem Bergsteigerpaar Hedy Sigg und Max Pfiffner, die über eine Wandertour mit Tomba in Wort und Bild berichtet haben. Sie hatten sich am 6. September 1989 um fünf Uhr in der Frühe auf den Weg zum Rinderhorn gemacht und staunten, daß ein Kater ihnen folgte. Da fiel den beiden eine Bemerkung der Wirtin vom Vorabend ein. Diese hatte auf die Frage, ob am nächsten Tag sonst noch jemand das Rinderhorn besteigen wolle, »Höchstens die Katze« geantwortet. Das hatten die beiden natürlich nicht ernst genommen. Ihr Staunen wuchs von Stunde zu Stunde, und sie konnten es kaum fassen, als Tomba schließlich neben ihnen auf dem tiefverschneiten Gipfel stand. Sie blickten oberhalb einer dichten Wolkenschicht auf das beeindruckende Gipfelpanorama der Alpen und einen endlos blauen Himmel. Diese Wanderung wird durch eine ganze Serie von Fotos dokumentiert. Eine andere Geschichte, die Peter Stoller berichtet hat, klingt unglaublich, doch sie bestätigt lediglich die vielen Meldungen über bisher ungeklärte Fähigkeiten von Katzen. Eines Tages war Tomba mit einem jungen Ehepaar unterwegs. Plötzlich weigerte er sich weiterzugehen, und verschwand hinter einem großen Felsen. Die beiden Alpinisten folgten ihm verwundert und glaubten, er hätte etwas entdeckt. In diesem Moment löste sich eine Lawine und donnerte über ihre Aufstiegsspur. Die dankbaren Hochgebirgler kamen mit dem Schrecken davon. Spätestens nach diesem Erlebnis verbreitete sich Tombas Ruhm auf der ganzen Welt. In Japan, Südafrika und Amerika erschienen Berichte über den bergsteigenden Kater, europäische Illustrierte veröffentlichten Bildgeschichten und das Schweizer Fernsehen drehte eine Reportage über ihn. Tomba wurde nur viereinhalb Jahre alt. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität mußte er am 17. Januar 1993 eingeschläfert werden, weil er unheilbar an dem felinen Immundefizienz-Virus (FIV), dem sogenannten Katzen-Aids, erkrankt war.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Familienbande

4 Antworten zu “Tomba der Gipfelstürmer

  1. Unglaublich, aber faszinierend ist diese Geschichte vom Kater Tomba!

  2. Christiane Gass

    Sinneswahrnehmung bei Katzen
    Eine schöne und traurige Geschichte. Es gibt eine, wenn ich mich recht an alles entsinne, Arte Dokumentation über Katzen in der ein Kater vorgestellt wurde, der in einem Altenheim lebt. Er streift immer durch die Räume legt sich aber zu den Menschen ins Bett, die im sterben liegen. Er weiß es bevor das Pfelgepersonal es weiß. Sobald der Kater sich zu jemandem legt werden die Angehörigen kontaktiert. Das Voraussagen des Todes stimmte wohl in den meißten Fällen. Ich glaube es war in den Staaten, weiß es aber gerade nicht mehr genau.

    • Der Kater heißt Oscar und sein Wirkungsfeld ist das Steere Nursing and Rehabilitation Center in Providence (Rhode Island). Die Ärzte haben zunächst aus verständlichen Gründen an dem von Dir richtig beschriebenen Phänomen gezweifelt, es aber nach eingehender Beobachtung als unerklärliche Tatsache beschrieben. Ausführlich dazu ein Kapitel in: Detlef Bluhm, »Die Katze, die nach den Sternen griff« (Ehrenwirth Verlag, 2008)

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