Alien

Kommander Ellen Ripley (Seagourney Weaver) und Kater Jones

Die wohl bekannteste Katze in einem Science-Fiction-Film heißt Jones, wird aber meist Jonesy genannt, und spielt eine dramaturgisch bedeutende Rolle in Alien von Ridley Scott aus dem Jahr 1979. Der kräftige, rotgestromte Bordkater des Frachtraumschiffes Nostromo frißt zu Beginn des Films an einem Tisch gemeinsam mit den Raumfahrern, die außerplanmäßig aus ihrem Tiefschlaf geweckt worden sind. Später sieht man ihn kurz in der Nähe von Ellen Ripley, dem weiblichen Dritten Offizier des Schiffes, während der Rest der Crew ein Raumschiff nichtmenschlicher Herkunft auf einem fremden Planeten untersucht. Jones liegt mit gespannter Aufmerksamkeit am Boden, so als ahne er, daß draußen etwas Ungewöhnliches geschieht. Nachdem ein Alien im Körper eines Raumfahrers an Bord der Nostromo gelangt, aus dessen Körper sehr blutig ausbricht und sich im Raumschiff verstecken kann, schwärmen alle Besatzungsmitglieder aus, um das Monster zur Strecke zu bringen. In dem Durcheinander verschwindet Jonesy. Der Bordtechniker Brett erhält den Auftrag, ihn zu suchen. In dieser fast fünf Minuten dauernden Szene, die einem wesentlich länger vorkommt, hat Jonesy seinen stärksten Auftritt. Es beginnt ganz harmlos. Brett durchstreift suchend das Raumschiff und ahmt immer wieder ein Miau nach. Er hört Jonesy aus der Ferne antworten. Dieses einträchtige Zwiegespräch der beiden beruhigt den Zuschauer aber nicht wirklich. Die Stille zwischen den Ruflauten wird immer bedrückender. Und plötzlich springt etwas fauchend durchs Bild und verschwindet sofort wieder. Man erschrickt augenblicklich, entspannt sich aber kurz darauf, denn es war Jonesy, nicht das Monster, dessen Auftauchen man in jeder Sekunde vermutet. Ohne genau zu wissen warum, steigt beim Betrachter die Spannung genau dann ins Unermeßliche, wenn Brett Jonesy endlich findet, und der Kater erneut im Bild auftaucht. Man ahnt schon, daß gleich etwas Schreckliches geschehen wird. Jonesy schaut am Boden hinter einem Aggregat hervor. Brett entdeckt ihn, hockt sich hin und versucht, ihn mit beruhigenden Worten anzulocken. Jones kommt langsam aus seinem Versteck hervor. Doch dann sieht man Brett in Großaufnahme und daß sich hinter ihm etwas bewegt. Leinwandfüllend zieht sich Jonesy fauchend und knurrend wieder in sein Versteck zurück. Da begreift Brett, daß hinter ihm etwas vorgeht. Zu spät. Er wird das nächste Opfer des Alien. Während Brett einen grauenvollen Tod erleidet, wird der Kopf des Katers mit seinen grünen Augen eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Ridley Scott hat das Fauchen und sich Zurückziehen des Katers mit einem  simplen Trick inszeniert. Dicht neben dem Set ließ er ein Holzbrett aufbauen, dahinter wurde ein angeleinter Schäferhund postiert. Im richtigen Moment wurde das Brett hochgezogen, und der Kater reagierte prompt. Er erschrak vor dem Hund, fauchte und zog sich zurück.

Der Einsatz einer Katze beim Auf- und Abbau von Spannungsbögen ist selten so perfekt inszeniert worden wie in Alien. Kurz vor dem eigentlichen Showdown des Films spielt Jones eine schmusige Abschiedsrolle. Das Alien hat inzwischen alle Crewmitglieder bis auf Ripley umgebracht. Ripley konnte im Gegenzug das Raumschiff mit dem Alien sprengen und sich kurz zuvor mit Jones in einem Raumgleiter davonmachen. Sie streichelt den Kater, der schmeichlerisch maunzt, doch als sie ihn in eine Kälteschlafkammer setzen will, versteckt er sich knurrend. Spätestens in diesem Moment weiß man, daß die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist.

In Aliens – Die Rückkehr von 1986 begegnen wir Jonesy noch einmal. Ripleys Raumgleiter wird 57 Jahre nach ihrem Abenteuer auf der Nostromo zufällig von einer Raumpatroullie entdeckt. Kurz nach ihrem Erwachen erhält Ellen Ripley im Krankenhaus Besuch von Burke, einem jungen Wissenschaftler, der ihr Jonesy mitbringt. Sie ist froh und schmust mit ihm, aber als sie erfährt, wie lange sie schlafend im All unterwegs war, erlebt sie eine Panikattacke, und Jonesy, der natürlich in diesem Film von einer anderen Katze verkörpert wird, springt fauchend vom Bett. (Beim Drehen dieser Szene hat der Regisseur James Cameron im Unterschied zu Ridley Scott statt eines Schäferhundes eine andere Katze benutzt, um Jonesy zum Fauchen zu bringen.) Später erfährt Ripley von Burke, daß ihre Tochter zwei Jahre zuvor im Alter von 66 Jahren gestorben ist. Zu Beginn dieser Szene scheint Ripley in einem Garten zu sitzen. Erst als die Kamera schwenkt und man die Totale des Raumes sieht, wird einem klar, daß Ripley sich in einem Raumschiff, und nicht auf der Erde befindet. Ursprünglich war in dem simulierten Garten ein Vogelhäuschen vorgesehen. Jonesy sollte einen Vogel jagen und dabei gegen den Bildschirm prallen, auf den die Gartenlandschaft projeziert wird. Doch dann entschied man, Jonesy nicht als Räuber zu zeigen. In einer der nächsten Szenen sieht man Ripley und Jonesy wieder einträchtig in ihrer Wohnung, und als Ripley sich entscheidet, mit Burke noch einmal auf die Suche nach den Aliens zu gehen, verabschiedet sie sich von Jonesy hoffnungsvoll mit den Worten: »Und du, kleines Herzchen, hältst hier die Stellung.« Wir wissen es besser: Ripley wird ihren Kater nie wiedersehen, wie ihre Tochter.

Kater Jones sieht das Alien vor dem Showdown

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Filmkatzen

Eine Antwort zu “Alien

  1. Chris

    Tolle Aufarbeitung von Jonesy’s Rolle !! Die Tricks kannte ich noch nicht *gg*

    Zu ALIEN(I) noch:
    Alien(I) war ein Meilenstein: Spielten sich die SF-Filme u. Serien meist ein einer sterilen, in Chrom und Weiß gehaltenen Umgebung ab,
    man sah jedem Gegenstad sein „HighTech“ an, die handelnden Person meist ensprechend gestylt…..
    Und dann kam Alien, mit diesem häßlichen Pott von einem Raumerzfrachter der unbeleuchte durch All zog, dessen Inneres hauptsächlich in Grau, Braun und Schwarztönen gehalten war. Alle Gänge waren nur spärlich beleuchtet, die Hallen mit dem Maschienen düster und feuch glänzend. Als Kontrast dazu gab es nur den hellen, saubere Mannschafts -u. Schlafraum und „Mother“ den Computer.
    Genau so sah es auch auf dem Planeten und das dort gestrandete Raumschiff aus.
    Diese düstere,unheimliche Atmosphäre zieht sich durch den ganzen Film.
    Bereits der Vorspann wo sich das unbeleuchtete Raumschiff vor den Sternhimmel schiebt und er erste Blick in’s Innere wird von einer leise, subtilen Musik untermalt welche den Zuseher nichts Gutes erahnen läßt und ihn in den Bann zieht!!

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