Von der Katzenminze

Wir Katzen mögen in aller Regel alkoholische Getränke nicht besonders. Einer anderen Rauschdroge, der Katzenminze, können viele von uns dagegen nicht widerstehen. Wenn man uns Blätter dieses Minzgewächses hinlegt, wälzen wir uns darauf herum, reiben unseren Kopf an den Blättern und fallen sofort in einen etwa zehn Minuten dauernden Rauschzustand. Wir bekommen dann einen flimmernden Blick, benehmen uns wie rollige Katzen und stoßen wilde Schreie aus. Wenn mein Mensch die Minzblätter zwischen den Fingern zerreibt und mir seine Hand zum Riechen hinhält, muß er mit ernsthaften Kratzspuren rechnen. Völlig unkontrolliert und ohne jede sonst übliche Vorsicht kralle ich dann nach seiner Hand und will sie auch mit den Zähnen festhalten.

Vermutlich löst ein in der Katzenminze enthaltenes Öl namens Hepetalactone den Rauschzustand aus, es entfaltet bei uns dabei eine dem menschlichen Marihuanagenuß vergleichbare Wirkung. Was während dieses Rausches in unseren Köpfen vorgeht, ist bisher völlig ungeklärt. Frühere Vermutungen, es handele sich bei der Wirksubstanz um eine Art Aphrodisiakum – weil unser Verhalten an die Rolligkeit der Katze erinnert -, sind unwahrscheinlich, denn sowohl männliche wie weibliche Tiere, geschlechtlich aktive wie kastrierte und sterilisierte Katzen reagieren gleichermaßen auf die Minze. Die beschriebene Wirkung läßt sich bei allen Katzenarten nachweisen, nicht aber bei jeder Katze. Man hat herausgefunden, daß ein bestimmter genetischer Code vorhanden sein muss, damit Katzen einen Rauschzustand erleben können. Die Veranlagung dazu ist also erblich bedingt. Etwa die Hälfte aller Katzen ist in der Lage, auf die Katzenminze zu reagieren. Die andere Hälfte beachtet sie nicht. Junge Katzen meiden die Katzenminze sorgsam. Erst ab drei Monaten nähern sie sich ihr und setzen sich den Rauschzuständen aus. Der Genuß der Katzenminze scheint keine nachhaltigen, krankhaften Veränderungen bei Katzen zu bewirken. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, daß Katzenminze – so wie Baldrian – bei innerer Anwendung beruhigend wirkt. Die äußere Anwendung dagegen führt zu völlig gegenteiligen Reaktionen. Eine wissenschaftliche Begründung dafür gibt es noch nicht.

Die Wirkung der Minze auf Katzen ist den Menschen schon lange bekannt. Einem Brief des englischen Schriftstellers Robert Southey aus dem frühen 19. Jahrhundert kann man entnehmen, daß Southey nach dem Tod seines Katers diesen begraben und Katzenminze auf das Grab gepflanzt hat – in Erinnerung an die Begeisterung, die dieses Kraut bei Rumpelstilzchen ausgelöst hat.

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Familienbande

Eine Antwort zu “Von der Katzenminze

  1. Patricia Muster

    Lieber Kater Paul, bin so was von begeistert von den Geschichten und der Gestaltung deine Hompage. Zum Glück hast du die Freischaltung auf einen Sonntag festgelegt….

    Merci und freue mich auf noch viele Abenteuer von dir und Mensch!

    Liebe schnurrige Grüsse aus der Schweiz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s