Frühstück bei Tiffany

Eine wirkliche Hauptrolle spielt die Katze in Frühstück bei Tiffany (1960) von Blake Edwards, nach dem gleichnamigen Kurzroman von Truman Capote, ist einer der wenigen Filme, in dem der Charakter des tierischen Hauptdarstellers nicht als Symbol oder szenischer Gag instrumentalisiert wird. Das liegt in diesem Fall allerdings auch nahe, denn der namenlose, rotgestromte Kater der Protagonistin Holly Golightly soll wie Holly selbst das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit verkörpern, und somit eigentlich nur sich selbst spielen. Der Kater tritt ständig in Erscheinung. Er liebt es, Menschen unvermittelt auf die Schulter zu springen, verfolgt die dramatische Comédie humaine gern vom höchsten Brett eines bücherleeren Regals aus, nimmt also die beobachtende Haltung von Victor von ↑ Scheffels Literaturkater Hiddigeigei ein, und faucht, als der ihm eigentlich wohlbekannte Freund Hollys mit einer Gesichtsmaske durch das Fenster einsteigt. Gleich am Anfang des Films gibt es eine Schlüsselszene, in der Holly in Gegenwart ihres neuen Nachbarn – ein erfolgloser Schriftsteller, der von ihr Fred genannt wird – laut über ihr Zusammenleben mit dem Kater nachdenkt: »Armer alter Kater. Armes Vieh, hast keinen Namen. Ich finde, daß ich kein Recht habe, ihm einen Namen zu geben. Wir gehören eigentlich gar nicht zusammen. Er ist mir mal über den Weg gelaufen. Und ich will auch gar keinen Besitz haben, bevor ich nicht richtig weiß, wo ich hingehöre.« In der literarischen Vorlage heißt es noch ergänzend: »Er ist unabhängig, und ich bin’s auch.« Zum Schluß des Films kommt es zu einer dramatischen Szene. Holly und Fred gestehen sich im strömenden Regen ihre Liebe ein, nachdem sie den pitschnassen, vorher verstoßenen Kater wiedergefunden haben, und zerdrücken ihn fast zwischen sich. (Wie hat der Kater das nur ausgehalten?) Kein anderer Spielfilm hat bis dahin dem eigenständigen Wesen einer Katze so viel Raum gelassen – bis 1974 Harry & Tonto von Paul Mazursky in die Kinos kam.

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