Ramón Díaz Eterovic

Mit Ramón Díaz Eterovic (* 1956) betrat 1987 ein literarisches Schwergewicht die Bühne der Katzenkriminalliteratur. In diesem Jahr erschien mit Die Stadt ist traurig (La ciudad está triste) der erste Heredia-Roman des chilenischen Schriftstellers kroatischer Abstammung. Heredia ist ein meist beschäftigungsloser Privatdetektiv in Santiago mit einer ausgeprägten Neigung zu melancholischen Momenten und manchmal exzessivem Alkoholgenuß. Ein weißer Kater mit grünen Augen, Simenon, spielt die zweite Hauptrolle in den bisher zehn Bänden, die in der Tradition der Schwarzen Serie amerikanischer Kriminalromane à la Raymond Chandler und Dashiell Hammett stehen.

Simenon ist einerseits ein wirklicher Kater, der sich »nach einem ruhigen Eckchen sehnt, in dem er sich zu seinem Kreis, dem Symbol des Guten und Bösen, des Beginns und Endes, zusammenrollen konnte, wie die Ägypter vor Urzeiten dachten, als sie die Katze zu einer Gottheit erhoben.« Gleichzeitig ist Simenon aber auch des Detektivs Alter Ego, sein moralischer Sparringpartner. Heredia spricht oft mit seinem Kater, und der Kater antwortet – aber nicht in Wirklichkeit. Eterovic läßt keinen Zweifel daran, daß die Antworten des Katers aus Heredias Kopf stammen. Wenn er mit seinem Kater spricht, führt er ein Zwiegespräch mit sich selbst.

Mit dieser doppeldeutigen Katzengestalt variiert Eterovic den Ahnvater der modernen Katzenliteratur, E.T.A. Hoffmann, der mit seinen Lebensansichten des Katers Murr 1820 die Katze in den Roman überhaupt erst eingeführt hat. Diese zweifache Konzeption des Katers wird so wunderbar leicht ausgeführt, daß sie niemals konstruiert oder aufgesetzt daherkommt. Davon abgesehen, sind die Romane von Ramón Díaz Eterovic ungemein spannend und schon deshalb unbedingt empfehlenswert. Leider wurden bisher nur zwei Titel ins Deutsche übersetzt (Engel und Einsame und Kater und Katzenjammer), die zudem bei Diogenes nicht mehr lieferbar, aber über das ZVAB zu beziehen sind. Und es schaut derzeit leider nicht danach aus, daß weitere Romane des Chilenen ihren Weg in die deutsche Sprache finden werden.

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