Archiv der Kategorie: KunstKatzen

Katzen und Frauen in der Malerei (3)

Das erste Katzenportrait der Kunstgeschichte

Giovanni Reder (1693 – nach 1764) Bildnis des Katers Armellino | um 1750 | Öl auf Leinwand

Giovanni Reder (1693 – nach 1764) Bildnis des Katers Armellino | um 1750 | Öl auf Leinwand

Das Bild stammt zwar von einem Mann, es gehört dennoch in die Reihe dieser Bilder, wie Ihr gleich lesen könnt. Giovanni Reder portraitierte auf diesem Gemälde Armellino, den Kater der römischen Dichterin Alessandra Forteguerra, die das Bild in Auftrag gegeben hatte. Es handelt sich um die früheste bildliche Katzendarstellung auf der eine Katze portraitiert, also als Individuum um ihrer selbst willen gemalt worden ist. Das Sonett rechts neben dem Kater hat der Priester und Dichter Sperandio Bertazzi verfasst und überschrieben mit dem Titel Sonett anlässlich eines Kusses, den eine schöne und hochgestellte Dame einem Kater gab. So frivol wie sein Titel beginnt auch das Sonett: »Dieser liebenswerte Kater, eingemeißelt in die Leinwand, | kostete den liebevollen Kuß der schönen Göttin. | Und seitdem nach der Natur ein Porträt von ihm gefertigt wurde, | bewacht man ihn gut und sehr eifersüchtig.« Die Liebe der Dichterin zu ihrem Kater muss wirklich sehr groß gewesen sein, denn Bertazzi schließt das Sonett mit den Zeilen: »Und wisse, dass Amor es nur mir gestattet, | innig zu küssen und den gegebenen | liebevollen Kuss aufzunehmen, um die Leidenschaft zu vertiefen.« Vermutlich waren Giovanni Reder und Bertazzi schlichtweg eifersüchtig auf den Kater.

Eine impressionistische Katze

Berthe Morisot (1841 – 1895) Junges Mädchen mit Katze | 1892 | Öl auf Leinwand

Berthe Morisot (1841 – 1895) Junges Mädchen mit Katze | 1892 | Öl auf Leinwand

Berthe Morisot zählt zu den bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit. In wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen erhielt sie, wie damals üblich, Privatunterricht in den verschiedenen Künsten. Als 1860 der schon berühmte Camille Corot als Privatlehrer engagiert wurde, warnte er die Mutter, dass sein Unterricht ihre Tochter zu einer Malerin machen würde, und nicht zu einer unbedeutenden, talentierten Amateurin. Er sollte Recht behalten. Berthe Morisot entwickelte einen eigenen impressionistischen Malstil, und ihre Bilder wurden auf vielen Ausstellungen mit großem Erfolg gezeigt. Durch ihre freundschaftliche und künstlerisch befruchtende Beziehung zu Éduard Manet lernte sie dessen Bruder Eugène kennen, den sie 1877 heiratete. 1887 malte Renoir ihre Tochter Julie mit einer Katze auf dem Schoß.

Junge Mädchen mit Katzen waren zwar ein beliebtes Bildmotiv jener Zeit. Das kaum erkennbare Lächeln des Mädchens und die schmalen, aufmerksamen Augen der Katze verleihen dem Bild von Berthe Morisot in Verbindung mit dem auffällig pastosen Farbauftrag aber eine sehr eigene, besondere Atmosphäre, die von einem stillen Einverständnis zwischen dem Mädchen und der Katze geprägt ist.

Tilla Durieux und ihre Perserkatzen

Anonym | Tilla Durieux mit ihren Perserkatzen | um 1924 | Originalpostkarte

Anonym | Tilla Durieux mit ihren Perserkatzen | um 1924 | Originalpostkarte

Die Theaterschauspielerin Tilla Durieux war in den zwanziger Jahren der Star schlechthin. »Auf dem Sezessionsfest im Februar teilte sich die Menge in zwei Flittergitter, als sie den Saal betrat« schrieb Else Lasker-Schüler 1913 in ihrem Buch Gesichte. »Aber als es Mitternacht war, tanzte sie, auf einer Perle des Sekts rollend, mit leuchtenden Augen im bunten Spiel der Masken.« Die Durieux wurde gemalt von Renoir und Liebermann, Kokoschka und Corinth, Slevogt und Orlik, Barlach schuf eine Plastik, die Berliner Bohéme lag ihr zu Füßen. Die rare Privataufnahme um 1924 zeigt Tilla Durieux mit ihren beiden Perserkatzen, die sie abgöttisch liebte.

Wenn man sich diese Perser genau anschaut fällt übrigens auf, dass die Kopfform beider Tiere der einer normalen Hauskatze sehr ähneln. Heutige Perserkatzen haben wesentlich kleinere Ohren, eine drastisch kürzere, hochgezogene Nase, ihre Kopfform ist breiter und runder, die Wangen sind voller, der Nacken massiger. Ganz abgesehen vom Haarkleid. Das ist bei den heutigen Persern so lang, dass es die Katze allein kaum noch pflegen kann. Diese Veränderung der Art ist das Ergebnis einer Züchtung durch den Menschen hin auf ein fragwürdiges Schönheitsideal, das erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Katze mit sich bringt.

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Katzen und Frauen in der Malerei (2)

Heute erscheint der zweite Teil meiner österlichen Betrachtungen zum Thema Katzen und Frauen in der Malerei. Morgen erscheint dann Teil 3. Wenn Euch schöne Bilder zu diesem Thema einfallen, gebt mir einfach als Kommentar eine Nachricht. Vielen Dank im voraus!

Vorsicht vor der Katze!

2_Leyster

Judith Leyster (1609-1660)
Lachendes Kinderpaar mit Katze | 1629 | Öl auf Leinwand

Judith Leyster zählt zu den bedeutendsten Vertretern der holländischen Genremalerei des siebzehnten Jahrhunderts und war damals (so wie heute wieder) berühmter als ihr Mann, der Maler Jan Miense Molenaer. Vor ihrer Hochzeit im Jahr 1636 unterhielt sie ein eigenes Atelier und hatte mehrere Schüler. In dieser Zeit entstanden auch die meisten ihrer Bilder. Nach ihrem Tod geriet sie in Vergessenheit, bis 1893 im Louvre auf einem Bild ihre Signatur unter der falschen von Frans Hals entdeckt wurde.

Spielende Kinder mit Katzen gehören zu den typischen Motiven dieser Zeit. (Ihr Mann hat ein sehr ähnliches Bild gemalt.) Bei dem Gemälde von Judith Leyster fällt der Gegensatz zwischen der überbordenden Fröhlichkeit der Kinder und der vorsichtig abwartenden Haltung der Katze auf, die vermutlich unversehens in die Höhe gehoben wurde und in diesem Moment nicht recht weiß, wie ihr geschieht. Bildszenen dieser Art transportieren oft moralisierende Botschaften. Vorsicht, nicht übertreiben, scheint das Bild zu sagen. Der kleinen Katze könnte das Spiel schnell zu viel werden. Dann kann sich die Samtpfote unversehens in scharfe Krallen verwandeln. Wie bei einem anderen Bild von Jan Miense Molenaer, auf dem sich die Katze umdreht und einem mit ihr spielenden Jungen die Brust blutig kratzt.

Eine schwarze Katze als Wiedergängerin

Cecilia Beaux (1855-1942) Sita und Sarita | 1896 | Öl auf Leinwand

Cecilia Beaux (1855-1942) Sita und Sarita | 1896 | Öl auf Leinwand

Glücklicherweise blieb das malerische Talent von Cecilia Beaux nicht unentdeckt und wurde von ihrer Tante gefördert. Nach einem langen Studienaufenthalt in Europa lebte Cecilia Beaux ab 1900 in New York, wo sie als Porträtmalerin der Elite aus Wirtschaft, Kultur und Politik zu hohem Ansehen und beträchtlichem Wohlstand gelangte. Ihre dortigen Ausstellungen zählten zu den gesellschaftlichen Höhepunkten des New Yorker Kulturlebens.

Auf ihrem Bild Sita und Sarita sehen wir Sarah A. Lewitt, Sarita genannt, eine Verwandte der Künstlerin mit ihrer Katze Sita. Während die grüngrauen Augen der weißgekleideten Frau abwesend in die Ferne schweifen starrt die schwarze Katze den Bildbetrachter mit ihrer goldbraunen Iris direkt an. Saritas streichelnde Hand verweist auf die innige Beziehung zu ihrer Katze. Die Darstellung der Katze, deren Körperform im dunklen Bildhintergrund fast vollständig verschwindet, erinnert sehr an Éduard Manets Gemälde Olympia aus dem Jahr 1863. Auch auf diesem Bild sehen wir  eine schwarze Katze vor dunklem Hintergrund, die den Bildbetrachter mir ihren goldbraunen Augen direkt anschaut. Die Körperhaltung der beiden Katzen ist nahezu identisch. Wir wissen leider nichts Genaues über diese Duplizität, die schon aufgrund des Aufsehen erregenden Skandals, den Manet mit seiner nackten Olympia ausgelöst hatte, kaum zufällig sein dürfte.

Patricia Highsmith und ihre Siamkatzen

Patricia Highsmith (1921-1995) Sammy by Sammy | 1967 | Kohle auf Papier | © by Diogenes Verlag, Zürich

Patricia Highsmith (1921-1995) Sammy by Sammy | 1967 | Kohle auf Papier | © by Diogenes Verlag

Neben ihrem umfangreichen Romanwerk schrieb die amerikanische Autorin einige Gedichte und Erzählungen über Katzen. Die Katzenzuneigung der berühmten Schriftstellerin ist legendär. Der Zürcher Weltwoche vertraute sie in einem Interview am 21. April 1976 folgendes an: »Wenn ich in einer Straße eine hungernde Katze und ein hungerndes Kind anträfe, ich würde, wäre ich unbeobachtet, die Katze füttern.« Eine andere Interviewpartnerin empfing sie mit den Worten: »Ich habe gerade für meine Katzen Hasenbraten in Rahmsauce zubereitet. Das ist zweifellos ein Luxus – auf jeden Fall viel Arbeit für mich, aber ich mache das nur einmal in der Woche.« Ihre langjährige Lebensgefährtin Marijane Meaker überlieferte in einem Erinnerungsbuch dieses Erlebnis: »Als Kennedy seine berühmte Maxime verkündete: ›Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt‹, ging Pat in die Küche und fütterte die Katzen.« Das Verhältnis von Schriftstellern zu Katzen beschrieb Patricia Highsmith 1981 so: »Katzen geben Schriftstellern etwas, was Menschen ihnen nicht geben können: Sie leisten einem unaufdringlich Gesellschaft, stellen keine Forderungen und sind so friedlich und schillernd, wie eine ruhige, kaum bewegte See.« Patricia Highsmith lebte meistens mit Siamkatzen  zusammen, die sie immer wieder zeichnete.

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Katzen und Frauen in der Malerei (1)

Frau und Katze – eine innige Beziehung

Marguerite Gérard (1761 – 1837) Das Frühstück der Katze | 1814 | Öl auf Leinwand

Marguerite Gérard (1761 – 1837) Das Frühstück der Katze | 1814 | Öl auf Leinwand

Obwohl die französische Malerin Marguerite Gérard ein umfangreiches Werk hinterlassen hat und zu den bedeutendsten Vertreterinnen des Klassizismus gerechnet wird, ist sie heute fast nur noch Kunstwissenschaftlern bekannt. Dabei thematisiert ihr Gemälde Das Frühstück der Katze die Innigkeit der Beziehung zwischen Frau und Katze so anschaulich wie kaum ein anderes Bild der abendländischen Malerei. Und dabei spielt – was für eine brillante Idee! – der Hund in der Bildmitte dramaturgisch die entscheidende Rolle. Die damals in Frankreich sehr seltene und deshalb auch extrem teure Perserkatze hockt auf ihrem luxuriösen Schlafplatz und erhält ihr Frühstück in Form einer Milchmahlzeit »ans Bett« gebracht. Zum Füttern der Katze begibt sich die Herrin des Hauses in eine sehr unbequeme Hockstellung. Ihrem Gesicht sieht man aber an, dass sie diesen Dienst an der Katze freudig versieht. Weder Frau noch Katze nehmen Notiz von dem Hund, der mit verständnislosem Neid der Fütterung beiwohnt. Seine unbeachtete Anwesenheit verstärkt das Bild der innigen Vertrautheit zwischen Frau und Katze.

Die Katze der Autodidaktin

Suzanne Valadon (1867 – 1938) Louison und Raminou | 1920 | Öl auf Leinwand

Suzanne Valadon (1867 – 1938) Louison und Raminou | 1920 | Öl auf Leinwand

Suzanne Valadon, Tochter einer Wäscherin, wuchs auf dem Montmartre auf und versuchte sich bis zu ihrem Absturz vom Trapez als Akrobatin in einem Wanderzirkus. Bald darauf wurde sie Starmodell und Geliebte von Renoir, Toulouse-Lautrec und anderen Malern, sowie gefeierter Mittelpunkt der Bohème mit zahllosen Affären. Suzanne Valadon hat nie eine Kunstakademie von innen gesehen. Sie lernte, indem sie ihren Geliebten über die Schulter sah und zählt mit fast fünfhundert Gemälden und zahlreichen Zeichnungen und Drucken zu den bedeutendsten Malerinnen ihrer Zeit. Auf dem Ölbild sehen wir mit Raminou eine der berühmtesten unter ihrem eigenen Namen bekannt gewordenen Katzen der modernen Malerei. Auf mindestens fünf weiteren Ölgemälden taucht Suzanne Valadons rotgetigerte Hauskatze auf. Und immer steht sie im Zentrum der Bildaussage. Auch auf unserem  Bild lassen Louisons Haltung und Gesichtsausdruck keinen Zweifel daran, wer hier im Mittelpunkt steht.

Cat Woman

Wanda Wulz (1903-1984) Ich + Katze | 1932 | Fotografie | © by Alinari Archives, Museum of Photography, Florence.

Wanda Wulz (1903-1984) Ich + Katze | 1932 | Fotografie | © by Alinari Archives, Museum of Photography, Florence.

Wanda Wulz wurde in Triest geboren. Ihre Familie betrieb dort seit 1860 ein Foto-Studio, das sich in den zwanziger Jahren zum Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde entwickelte. Wanda Wulz war außergewöhnlich vielseitig interessiert. Neben der Fotografie erlernte sie das Fliegen, außerdem trat sie als One-Woman Jazz Band auf. Aus einem Foto ihres Katers Pippo und ihrem Selbstportrait entstand durch eine Doppelbelichtung des Bildpositivs (bei der das Negativ der Katze seitenverkehrt verwendet wurde) Ich + Katze. Kein anderes Bild der Kunstgeschichte hat die Symbiose von Katze und Frau so konsequent zu Ende gedacht wie die Fotografie von Wanda Wulz. Und hier sind die beiden Fotografien, aus denen die Doppelbelichtung entstand:

Self-Portrait | 1932 | © by Alinari Archiv, Museum of Photography, Florence.

Self-Portrait | 1932 | © by Alinari Archiv, Museum of Photography, Florence.

The Cat Without Me | 1932 | © by Alinari Archiv, Museum of Photography, Florence.

The Cat Without Me | 1932 | © by Alinari Archiv, Museum of Photography, Florence.

Zum Thema Katzen und Frauen habe ich unlängst eine Anthologie im Insel Verlag herausgegeben (Insel Taschenbuch,  173 Seiten, € 8,-). Das Buch versammelt 25 Texte von Frauen über Katzen aus zwei Jahrhunderten und sei hier noch einmal wämstens empfohlen!

Katzen+Frauen

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Zum Tod von Hans Werner Henze

Der deutsche Komponist Hans Werner Henze (geboren am 1. Juli 1926) ist heute im Alter von 86 Jahren in Dresden gestorben.

Hans Werner Henze, 1960. Rechteinhaber: Bundesarchiv, B 145 Bild-F008277-0008 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA

Für das Buch Staats- und Familienleben der Thiere des französischen Zeichners und Karikaturisten Grandville hatte Honoré de Balzac 1842 eine Erzählung geschrieben, Die Herzensqualen einer englischen Katze. Im November 1977 sah Hans Werner Henze eine dramatische Fassung dieser Geschichte und entdeckte darin einen Opernstoff. Sechs Jahre später wurde Die englische Katze uraufgeführt. Über seine Arbeit an der Oper hat Henze ein Tagebuch geführt, das 1983 unter dem Titel Wie die englische Katze entstand veröffentlicht wurde. Darin verliert der Komponist zwar kein Wort über eigene Katzen, aber er notierte nach der Lektüre des Librettos von Edward Bond: »Von mir verlangt es ein offenherziges, volkstümliches Komponieren, aber nicht nur das, sondern auch die Widerspiegelung meiner eigenen katzenhaften Welt.« Drei Wochen nach dieser Eintragung, am 30. Juni 1979, schreibt Henze: »Ich denke, ich werde die geschlossenen Nummern in einem recht einfachen Stil komponieren und mit einer Art traditioneller Harmonie versehen, während Handlungs-Musik und Prosa in der mysteriösen Tonwelt der Katzen (die ich recht gut kenne) angesiedelt sein könnten.« Und dann erinnerte er sich bei dieser Gelegenheit daran, daß er »seinerzeit in der Oberschule zu Bünde i.W. von den Klassenkameraden ›Cat‹ gerufen wurde«. Mehr Hinweise zur Katze enthält das Tagebuch nicht, aber allein die selbstdiagnostizierte gute Kenntnis der »mysteriösen Tonwelt der Katzen« läßt auf eine große Vertrautheit des Komponisten mit Katzen schließen.

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Das Katzenpult der Olivetaner

© Copyright Photoservice Electa/Leemage

Dies ist das Chorpult in der Klosterkriche der Abtei Monte Oliveto Maggiore, die in der Toskana südlich von Siena liegt. Der den Benediktinern nahestehende Mönchsorden der Olivetaner existiert seit 1319, und die heute noch von Mönchen bewohnte Abtei Monte Oliveto Maggiore ist das Mutterhaus des Ordens.

Der Olivetanermönch Raffaele da Brescia (1479-1539) schuf dieses Chorpult im Jahr 1507. Das ist insofern erstaunlich, da nicht viele Jahre zuvor Papst Innozenz VIII. in seiner Bulle Summis desiderantes affectibus Katzen zu heidnischen Tieren erklärt hat, die mit dem Teufel im Bunde stehen. Die sogenannte Hexenbulle ebnete dann auch den Weg zur Hexenverfolgung im Mittelalter, aber auch zur Verfolgung und Verbrennung vieler Katzen, die damals als Hexentiere galten. Erstaunlich also, dass diese wunderbare Intarsienarbeit just zu dieser Zeit in einem italienischen Kloster entstand – und doch wieder nicht.

© Copyright Photoservice Electa/Leemage

Denn Katzen wurden in den Klöstern ganz anders bewertet (und behandelt) als in der offiziellen Kirche. Kein Wunder, sie schützten ja auch die Ernteerträge der Klöster vor den Ratten und Mäusen. Vom Beginn des christlichen Mönchtums bis heute haben Katzen in den Klöstern gelebt. Im Mutterhaus der Olivetaner leben heute noch die entfernten Nachkommen dieser Intarsien-Katze aus dem frühen 16. Jahrhundert.

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Der Tierbildhauer Anton Puchegger (1878-1817)

Bis zum 6. Mai 2012 ist im Berliner Bröhan-Museum noch die beachtenswerte Ausstellung Das Tier im Blick zu sehen, die Werke des österreichischen Bildhauers Anton Puchegger zeigt, der ab 1905 in Berlin und hauptsächlich für die Königliche Porzellanmanufaktur gearbeitet hat.

Anton Puchegger in seiner Werkstatt. Foto von 1917. Quelle: Velhagen & Klasings Monatshefte 32. Aus: Ingeborg Becker (Hrsg.), Das Tier im Blick, Ausstellungskatalog. © 2012 by Bröhan Museum Berlin

Neben Holz- und Bronzeplastiken hat Puchegger hauptsächlich Porzellanfiguren geschaffen, darunter auch einige Katzen. Drei Porzellanplastiken mit Katzen sind in der Ausstellung zu sehen. Hier zunächst die Leopardengruppe von 1909:

Foto: Ronald Gerhardt. Aus: Ingeborg Becker (Hrsg.), Das Tier im Blick, Ausstellungskatalog. © 2012 by Bröhan Museum Berlin

Da alle Klein- und Großkatzen (bis auf Löwen) Einzelgänger sind, ist diese Leopardengruppe ungewöhnlich. Pucheggers Königstiger von 1922 hat einen besonders majestätischen Ausdruck:

Foto: Martin Adam. Aus: Ingeborg Becker (Hrsg.), Das Tier im Blick, Ausstellungskatalog. © 2012 by Bröhan Museum Berlin

Eine einzige Hauslatze findet sich in der Ausstellung (und im Katalog), die Angorakatze von 1914:

Foto: Martin Adam. Aus: Ingeborg Becker (Hrsg.), Das Tier im Blick, Ausstellungskatalog. © 2012 by Bröhan Museum Berlin

All diese Katzen und die vielen anderen Tiere sind wunderschön anzuschauen, weshalb der Besuch der Ausstellung allen dringend empfohlen sei.

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Joachim Rágóczy – ein fast vergessener Maler und Katzenfreund

Joachim Rágóczy, Katzenskizze, Aquarell, um 1925, Privatbesitz

Dieses ausdrucksstarke Aquarell von Joachim Rágóczy (1895-1975) zählt zu einem vermutlich mehrere Tausend Katzenbilder umfassenden Werkes des heute (zu Unrecht) fast vergessenen Malers, der gemeinsam mit Hannah Höch, George Grosz und Karl Hubbuch – um nur einige zu nennen – bei Emil Orlik studierte, dem er bis zu dessen Tod 1932 als Privatsekretär und Assistent diente. Darin liegt paradoxerweise auch der Grund für Rágóczys geringer kunstgeschichtlicher Präsenz: Er blieb immer im Schatten seines Meisters, hat aber dennoch ein beträchtliches Werk geschaffen, das sich keinesfalls nur um Katzen drehte, die aber hier ausschließlich interessieren.

Foto: Engelhardt Hübschmann, 1927, entnommen aus: »Joachim Rágóczy 1895-1975«, Katalog der Galerie Bodo Niemann, 1989

Viel ist über das Verhältnis von Rágóczy zu Katzen nicht bekannt. Immerhin hat Hannes Schwenger in einem Textbeitrag zu dem o.g. Katalog der Galerie Bodo Niemann folgendes bemerkt: »Neue künstlerische Anregungen geben gelegentlich noch Reisen, die geliebten Katzen …« Und der Galerist Michael Bühnemann, der Rágóczy mehrfach ausgestellt hat, berichtet, dass Rágóczy einen erheblichen Teil seines Lebens mit Katzen zusammengewohnt hat. In Rágóczys Briefen von der Nord- und Ostsee an seine Frau Irma finden sich allerdings einige Andeutungen über Katzen. So sorgt er sich am 6. August 1930 aus Langballigau, einem kleinen Küstenort östlich von Flensburg, streng über das Sexualleben seiner daheimgebliebenen Katzen: »Wenn Minka jetzt mit ihrem eigenen Sohn anfängt, so muss Priebel kastriert werden. Solche Blutschanden dulde ich nicht.« Gut einen Monat später heißt es von dort in einem anderen Brief: »Ich habe, da es Sonntag ununterbrochen regnete, die kleine Dittmer gemalt, das Bild ist beinahe fertig und ist nicht schlecht geworden. Die Kleine ist jetzt elfeinhalb, ganz blond, rosa Kleid mit blaugestreifter Schürze, ich habe sie mit der Katze gemalt, die sie im Arm hält.« Nach dem genannten Ölbild entstand im gleichen Jahr dieser Farbholzschnitt:

Mädchen mit Katze (Langballig), Farbholzschnitt, um 1930, entnommen aus: »Joachim Rágóczy, Mitmachen kann ich da nicht – Malerbriefe von Ost- und Nordsee 1928-1939«, Museumsberg Flensburg, 2007

Am 18. September 1929 erzählte Joachim Rágóczy seiner Frau von einem nicht-alltäglichen Erlebnis: »Heute morgen – ich war schon halb acht Uhr auf – kam die Katze, als ich Wasser holte, schnurrend und sprang an mir hoch. Ich sah im Gras die Reste einer blutigen Mäusemahlzeit, die Katze freute sich so und hat mir dabei die Hände voll Mäuseblut beschmiert, dass Frau Möller ganz ängstlich fragte, was ich nur getan hätte.« Und am 13. August 1933 berichtet er aus Nidden von der Kurischen Nehrung: »Gestern abend, es regnete in Strömen, nahm ich mir einen Kater mit ins Zimmer, um ihn zu zeichnen.«

Katze, Farbholzschnitt, 1953, Foto: Privatarchiv Kater Paul

So bleiben neben wenigen Textbelegen vor allem die vielen Bilder, Aquarelle und Holschnitte, die Joachim Rágóczys Zuneigung zu Katzen belegen – und seine Vertrautheit mit ihnen, ohne die solche Potraits nicht hätten entstehen können.

Kater, Aquarell, 1930, Foto: Privatarchiv Kater Paul

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Petrarcas Katze

Francesco Petrarca (*Arezzo 1304, † Arquà 1374) war ein  italienischer Schriftsteller der Frührenaissance, von dem dieser bemerkenswerte Satz überliefert wird: »Die Menschheit läßt sich grob in zwei Gruppen einteilen: in Katzenliebhaber und in vom Leben Benachteiligte.«

»Petrarcas Nachtwache«, Kupferstich von Jacob Wilhelm Mechau, 1785

Auf dem hier abgebildeten Kupferstich aus dem Buch Über die Einsamkeit (1785) von Johann Georg Zimmermann sehen wir in der unteren linken Bildecke Petrarcas berühmte Katze.

Nach Petrarcas Tod soll dessen Schwiegersohn Petrarcas Katze mumifiziert haben. Der deutsche Schriftsteller Graf August von Platen fand bei seinem Besuch in Petrarcas Haus in Arquà zwar keine Katzenmumie, aber das Skelett einer Katze vor und schrieb dazu 1858 dieses Epigramm: »Heil dir, kleines Skelett, das einst die unsterblichen Rollen | Eines unsterblichen Manns gegen die Mäuse geschuützt.« Heute kann man in der Casa del Petrarca wieder eine Katzenmumie anschauen, die in einer verglasten Wandnische ausgestellt ist.

Vollständige Ansicht vom Wandgrab der Katze des Petrarca. Entnommen aus: Achim Aurnhammer, Petrarcas Katze, Manutius Verlag Heidelberg 2005

Detailansicht, Foto privat

Die zwei lateinische Epigramme unterhalb der Katze stammen von Antonio Querenghi (1546-1633) und lauten in der deutschen Übersetzung so:

»Der toskanische Dichter entbrannte in zweifacher Liebe. | Mir galt die feurigste Glut, Laura [Petrarcas Frau] kam erst danach. | Wie? Du lächelst? Verdiente sich jene des Trefflichen Liebe | Durch ihrer Schönheit Reiz, war es die Treue bei mir.| Und wenn jene den heiligen Schriften Rhythmus und Geist gab, | war ich der Grund dafür, daß keine Maus sie fraß.

Lebend hielt ich die Mäuse stets fern von der heiligen Schwelle, | daß nur den Schriften des Herrn durch sie kein Unheil geschah. | Auch noch nach meinem Tod jage ich ihnen zitternde Angst ein, | und im entseelten Leib lebt meine Treue wie einst.«

In der gedruckten Fassung dieser Epigramme aus dem Jahr 1616 findet sich noch eine dritte Strophe, ein Dialog zwischen dem Betrachter des Grabes und der Katze selbst:

»Katze, du Liebling uns’res toskanischen Dichters, was hegst du | so lange nach seinem Tod noch dieses heilige Haus? | Ich fahre fort, die herrlichen Schriften des Herrn zu bewahren, | denn meine Miene erfüllt Mäuse mit Schrecken und Angst.«

Die heute ausgestellte Katze stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert, kann also nicht die des Dichters sein. Eine ebenfalls sehr freie Darstellung der mumifizierten Katze Petrarcas zeigt ein Kupferstich von Hieronymus David aus dem Jahr 1635.


Wie auch immer, das heutige Grab von Petrarcas Katze ist ein wichtiges Denkmal, es erinnert an die Katze als Verteidigerin der Bücher. Diese Aufgabe der Katze wurde schon von vielen Dichtern besungen. So dichtete der Schriftsteller, Bibliothekar und Träger des Literaturnobelpreises Anatole France (1844-1924) diese Ode an seinen Kater Hamilkar: »Hamilkar, Hamilkar, 0 schlafsüchtiger Fürst der Bücherburg, nächtlicher Wächter! Gleich der göttlichen Katze, die in Heliopolis zur Nacht des großen Kampfes gegen die Gottlosen stritt, verteidigst du die Bücher, die der alte Weise für den Preis einer bescheidenen Barschaft und eines nimmermüden Eifers erwarb, wider die häßlichen Nager. … Denn du vereinst in deiner Person den furchtbaren Anblick eines tartarischen Kriegers mit der lässigen Grazie einer orientalischen Frau. Schlummere, heroischer und wollüstiger Hamilkar, in Erwartung der Stunde, da die Mäuse im Mondstrahl tanzen, vor den ›Acta Sanctorum‹ der gelehrten Bollandisten!«

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»Katzen II« von Schmidt-Rottluff entdeckt!

Der expressionistische Künstler Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) hat 1914 und 1915 drei schöne Holzschnitte mit Katzen geschaffen, darunter Katzen aus dem Jahr 1915:

Karl Schmidt-Rottluff, Katzen, 1915, Holzschnitt

Bisher nur einigen wenigen Experten der Kunstwelt bekannt ist ein Holzschnitt des Künstlers von 1915, Katzen II. Von diesem Werk konnte das Berliner Brücke-Museum in diesem Jahr einen Original-Abzug aus einer rheinischen Privatsammlung erwerben – und entdeckte dabei, dass Schmidt-Rottluff 1975 den dazugehörigen Holzstock dem Museum geschenkt hatte. In einer aktuellen Ausstellung (bis 22. April 2012) kann man nun diesen Abdruck und den Holzstock zusammen mit 19 anderen Paarungen von Abzug und Holzstock bewundern.

Karl Schmidt-Rottluff, Katzen II, 1914, Holzschnitt

Tim Ackermann hat in einer Ausstellungsbesprechung für die Berliner Morgenpost den Holzschnitt Katzen II wie folgt kommentiert: »Schmidt-Rottluff hat in seinem Bild das Wesentliche des Katzenwesens erfasst. Mehr Katze geht einfach nicht.« Dieser Aussage ist nicht zu widersprechen, sie ist nur zu ergänzen. Nämlich durch den Hinweis, dass das Brücke-Museum von diesem Holzstock einen auf 100 Exemplare limitierten und nummerierten Nachdruck hat abziehen lassen, der rückseitig mit dem Stempel der Karl und Emy Schmidt-Rottluff-Stiftung versehen ist. Das Blatt mit den Maßen 50 x 68 cm ist dort für € 750,- erhältlich.

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Max Beckmann und seine Katzenbilder

Der deutsche Schriftsteller Wilhelm Genazino hat in der Neuen Zürcher Zeitung vom 10. Februar 2007 eine schöne Betrachtung über Max Beckmanns Ölgemälde »Frankfurter Hauptbahnhof« aus dem Jahr 1942 angestellt. Darin merkt er an, daß »die vielleicht großartigste Fähigkeit aller Tiere darin besteht, das menschliche Leben mit reglosen Blicken zu verfolgen, ohne dieses je zu kommentieren«, und vermutet anschließend, daß »Beckmann die tolerante Sprachlosigkeit der Tiere geschätzt« habe. Und obwohl die Katze am Bildrand sitzt, kommt Genazino zu dieser überraschenden Erkenntnis: »Zentrum des Bildes ist die Katze, nicht der Bahnhof. Oder, kompositorisch gesprochen: Der Bahnhof ist wegen der Katze da, nicht umgekehrt. Der Bahnhof ist nur ein sinnbildhafter Darsteller dessen, womit sich die Menschen herumschlagen müssen: mit Werden und Vergehen, Scheitern und Glück, Auftritt und Tod. Zu all diesen Schrecklichkeiten öffnet die Katze nur die Augen; und schließt sie wieder, wenn sie genug gesehen hat.« Diese feinsinnige Spekulation gab Anlaß, das Verhältnis des Künstlers Max Beckmann zu Katzen etwas genauer in Augenschein zu nehmen.

»Frankfurter Hauptbahnhof«, 1942

Max Beckmann (*Leipzig 1884, † New York 1950) ist einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Er begann am 29. Juli 1942 in seinem Amsterdamer Exil mit der Arbeit am »Frankfurter Hauptbahnhof«, die er am 5. September beendete. Das Bild zeigt in fahlen, blau- grünlichen Farben die gesamte Vorderfront des Bahnhofs, gesehen von einem Eckhaus der Kaiserstraße. Eine blasse Mondsichel steht über dem Bahnhof, dessen Uhr Viertel vor sechs anzeigt. In der unteren linken Bildecke sitzt die schwarze Katze. Sie ist im Profil gezeichnet, und ihr Körper scheint zur Bewegungslosigkeit erstarrt. Die Katze schaut am Bahnhof vorbei in eine unsichtbare Ferne.

In Beckmanns umfangreichen Œuvre finden sich mindestens 22 Gemälde mit Katzen (Graphiken, Zeichnungen und Skizzen bleiben hier weitgehend unbeachtet), das erste entstand 1915. In diesem Jahr fand Beckmann nach einem Nervenzusammenbruch an der Front bei seinen Freunden Ugi und Fridel Battenberg in Frankfurt am Main Aufnahme. Ugi Battenberg war ebenfalls Maler, die beiden kannten sich seit ihrer gemeinsamen Studienzeit in Weimar. Katzen gehörten zum festen Bestandteil des Battenbergschen Haushaltes.

»Der Abend (Selbstbildnis mit den Battenbergs)«, 1916

»Der Abend (Selbstbildnis mit den Battenbergs)« von 1916 zeigt das Ehepaar Battenberg, Max Beckmann und die schwarze Katze Titti. Auch Beckmanns nächstes Katzenbild, das »Stilleben mit Katzen« von 1917, stellt zwei Battenbergsche Katzen dar. Sie sitzen bzw. kauern auf einem Holztisch, zwischen sich eine Blumenvase und zwei Teller mit rohen Kohlrüben. Doch im Unterschied zu den Stilleben der Barockzeit sind Beckmanns Katzen nicht als gierige Räuber dargestellt. In sich versunken, sind sie Teil des bürgerlichen Alltags, selbstverständliche Mitbewohner der häuslichen Welt. Die Gelasseneheit der Katzen verwundert nicht, denn es gibt für sie hier nichts Schmackhaftes zu fressen – im Gegenteil: Die Kohlrüben deuten auf die kriegsbedingte Nahrungsnot hin. Im sogenannten Kohlrübenwinter 1916/17 stellte das Halten zweier Katzen einen ungeheuren Luxus dar. So manches Katzentier verschwand in diesen entbehrungsreichen Monaten als Dachhase in der Bratröhre.

»Stilleben mit Katzen«, 1917

»Die Synagoge in Frankfurt am Main«, 1919

1919 malte Beckmann sein berühmtes Bild »Die Synagoge«. Expressionistisch verschoben, wie aus den Fugen geraten ist die im Krieg zerstörte Synagoge am Frankfurter Börneplatz dargestellt, wo sich seit 1992 eine Gedenkstätte befindet. In der Mitte des in rötlichbraune Farben getauchten Bildes sieht man drei winzige Gestalten, das Ehepaar Battenberg und Max Beckmann. Am unteren Bildrand sitzt eine überdimensional große schwarzweiße Katze. Sie ist ähnlich der vom Frankfurter Hauptbahnhof im Profil gemalt und schaut versonnen in die Ferne.

Das Bildnis »Fastnacht« von 1920, Beckmann wohnte zu dieser Zeit nicht mehr mit den Freunden zusammen, zeigt Fridel Battenberg im Karnevalskostüm. Rechts neben ihr auf dem Fensterbrettt hockt eine Katze.

»Fastnacht«, 1920

Mit diesem Porträt endet Beckmanns Phase der Battenbergschen Katzenbilder. (Fridel erscheint allerdings noch einmal mit einer Katze auf dem Mittelbild des großartigen Triptychons Schauspieler von 1941.) Doch wie sich bald zeigt, hat das Leben mit Katzen im Haus der Battenbergs Max Beckmann offensichtlich tief beeindruckt und beeinflußt, denn das Bildthema Katze beschäftigt ihn bis kurz vor seinem Tod. 1921 entsteht sein erstes Selbstbildnis mit Katze, genannt »Selbstbildnis als Clown«. Eine kleine Katze hat sich auf diesem Bild zwischen Beckmanns Rücken und die Lehne eines Holzstuhles gedrängelt und schaut frech umher.

»Selbstbildnis als Clown«, 1921

Im gleichen Jahr entsteht ein zweites Selbstbildnis mit Katze, die Kaltnadelradierung »Selbstbildnis mit steifem Hut«. Die Katze im linken Bildrand ist wie viele anderen Beckmannschen Katzen im Profil dargestellt und scheint in die Ferne zu schauen.

»Selbstbildnis mit steifem Hut«, 1921

Bis zu seinem erzwungenen Gang ins Amsterdamer Exil 1937 entstehen sechs weitere Katzenbilder, am schönsten vielleicht das »Stilleben mit Weingläsern und Katze« von 1929, in dem eine schemenhaft schwarze Katze trotz ihrer Größe im Bildhintergrund fast verschwindet. 1939 taucht dann der Topos der reglosen Katze mit ihrem in die Ferne schweifenden Blick auf Beckmanns erstem Katzenbild im Exil erneut auf. Im linken, unteren Bildrand von »Nordseelandschaft mit Zelten« sitzt eine getigerte, im Profil dargestellte Katze und schaut durch riesige Verandafenster versonnen über das Meer. Sie scheint nachzudenken oder sich zu erinnern. Bis zu Beckmanns Übersiedlung nach New York 1947 entstehen im Amsterdamer Exil insgesamt neun Katzengemälde, so auch das Bild vom Frankfurter Hauptbahnhof. Der Journalist und Publizist Benno Carl Reifenberg (1892 – 1970) hat zu diesem Gemälde die folgende Erinnerung an Max Beckmann hinterlassen: »Um Mitternacht saß er zuweilen in dem südlichen Bahnhofsrestaurant, das durch eine riesenhafte bordeauxrote Portiere in zwei Teile aufgespalten war, recht ein Tempel des 19. Jahrhunderts. Der Maler saß da, wo eine große Palme stand, und trank Champagner. Rings um ihn die weiße Leere der Tücher von unbenutzten Tischen.« Der Frankfurter Hauptbahnhof war für Beckmann also ein besonderer Erinnerungsort, ein Hort einsamen, mitternächtlichen Trinkens an einem Knotenpunkt des internationalen Reiseverkehrs. In Amsterdam wird er oft an das pompöse Restaurant gedacht haben, so sehnsüchtig, daß ihm schließlich die Idee zu diesem Bild gekommen ist. Am 21. August 1942 findet sich in seinem Tagebuch ein Eintrag, der seine Stimmung so poetisch wie präzise wiedergibt: »Die Tage fliehen, es regnet ohne Zeiten und bin ich hier – so bin ich auch nicht dort – wo soll mein Lager ich mir wieder breiten, das falsche Leben zieht mich weiter fort. – Sind’s echte Träume, liebe Papageien in rot und blau am schwarzen Dachesrand – verschied’ne Wolken ziehen weiter, allein und öde liegt der Strand – «. Beckmann schreibt diese düsteren, sehnsüchtigen Gedanken auf, während er an seinem »Frankfurter Hauptbahnhof« arbeitet. Aber warum hat er nicht das Restaurant selbst gemalt, den Kern seiner Erinnerung, sondern eine Außenansicht des Bahnhofs? Möglich, daß er die Intimität seines Erlebnisraumes für sich selbst bewahren, nicht anderen zugänglich machen wollte oder konnte.

Noch am Tag der Fertigstellung vom »Frankfurter Hauptbahnhof« begann Beckmann mit dem Entwurf des Gemäldes »Der Abschied«, das er am 15. Dezember 1942 vollendete. Ein bildfüllendes Paar umarmt sich zum Abschied. Zu seinen Füßen kauert am unteren Bildrand eine schwarze Katze. Wieder ist sie im Profil gemalt, wieder schaut sie selbstvergessen in die Ferne. Und nach all den anderen Bildern erscheint sie fast wie eine Signatur. Fünf Jahre später treffen wir die Beckmann-Katze noch einmal in einem seiner Bilder, der »Landschaft mit drei Palmen« von 1947. Diesmal sitzt sie zur Abwechslung in der rechten unteren Bildecke, und natürlich ist sie im Profil gezeichnet, und natürlich verharrt sie regungslos, und natürlich scheint sie in die Ferne zu blicken. Beckmann ist acht Jahre nach seinem ersten Antrag auf ein Visum gerade in Amerika angekommen. Seine Katze hat er mitgenommen. Es ist sein letztes Katzengemälde.

»Landschaft mit drei Palmen«, 1947

Weitere ausführliche Artikel zu Malern und ihren Katzenbildern:

Picasso: http://katerpaul.wordpress.com/2011/10/08/pablo-picasso-und-seine-katzen/

Ernst Ludwig Kirchner:

http://katerpaul.wordpress.com/2010/06/04/ernst-ludwig-kirchner-und-seine-katzen/

Die Malerdynastie der Bassanos: http://katerpaul.wordpress.com/2011/06/26/die-katze-der-bassanos/

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